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Strom, Gemüse und gute Ausbildung für Südafrika

Der Brandenburgische Photovoltaik-Spezialist Sunfarming hat aus Solaranlagen Gewächshäuser entwickelt. Diese bieten neben Lebensmitteln und Arbeitsplätzen eine solide Ausbildung nach deutschem Vorbild. Ein Modell, das auch in der Türkei Schule macht.

Fröhlich strecken ein Dutzend Bio-Gärtnerinnen und -Gärtner die Kohlköpfe in die Kamera. Sie tragen die leuchtendblauen Overalls der Sunfarming Genossenschaft und arbeiten mit den modernsten Technologien weltweit – hier in dem Solar Training Center auf dem Campus der North-West University (NWU) in Potchefstroom, Südafrika.

Laut Weltbankstudien verdreifacht sich der Flächenverbrauch und schon 2030 werden 40 Prozent der Menschheit nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt sein. Zugleich steigen der globale Energiekonsum und der Nahrungsmittelbedarf bis 2025 um jeweils 36 Prozent an. Das erfordert technologisches Wissen und eine sparsame Nutzung von Wasser und Energie, vor allem beim Lebensmittelanbau.

Eine Lösung hat der deutsche Investor und Technologieentwickler Sunfarming mit seinem Food & Energy Concept entwickelt: Die Gewächshäuser des Photovoltaik-Experten werden mit Solardächern betrieben, die Gemüse, Salat und Blumen im Inneren prächtig und energiesparend gedeihen lassen. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch die Bevölkerung, für die Ausbildungs- und Arbeitsplätze entstehen.

Nachhaltige Kreisläufe etablieren

„Die Idee ist, die Flächen für die Photovoltaik-Anlagen auch für die Lebensmittelproduktion zu nutzen: Denn in diesen niederschlagsarmen Gebieten sind Wind und Sonne außerdem so stark, dass man nicht ohne Schutz bewässern kann und die Solarpaneele spenden gleichzeitig Schatten“, sagt Peter Schrum, Mehrheitseigner der Sunfarming GmbH und Präsident des Bundesverbandes Regenerative Mobilität (BRM) mit über 20 Jahren Erfahrung auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Food and Energy-Anlagen sind ein in sich geschlossener Kreislauf: Die Gewächshäuser nutzen ein Hydrokultursystem, das durch die Tröpfchenbewässerung bis zu 90 Prozent Wasser im Vergleich zum traditionellen Feldanbau spart. Die Solarpaneele auf dem Dach wiederum erzeugen nicht nur Strom für den eigenen Betrieb, sondern versorgen auch die umliegenden Gemeinden und Gewerbebetriebe damit. 

Auch bei der Unternehmensstrategie von der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zur Vermarktung der Produkte schließt sich der Kreislauf: Der Verkauf von Energie und Lebensmitteln bringt der Sunfarming GmbH – die immer Mehrheitseigner der Anlagen bleibt – einen zweifachen Ertrag. Die Erlöse aus der Ernte fließen dann teilweise wieder in die Ausbildung in den Bio-Gärtnereien auf dem Campus der North-West University. Und die Ausbildung und Arbeitsplätze dort kommen insbesondere einkommensschwachen Familien in den Townships zugute. Nach der Ausbildung können sie in den Anlagen angestellt werden, als Pächter im Franchise-System Anbau betreiben oder Partner in einer der Kooperativen werden.
 

Peter Schrum, Hauptgesellschafter

Sunfarming GmbH

Unser Duales System ist eine der besten Ausbildungen der Welt. Es ist meine Vision und auch mein Ziel, diese auch in Afrika einzuführen.

Organisatorisch und kaufmännisch geht bei der 2004 in Erkner (Brandenburg) gegründeten Sunfarming GmbH und ihren Schwesterunternehmen ebenfalls alles Hand in Hand: Sunfarming entwickelt und baut die Anlagen, Alensys ist weltweit aktiv in der Planung von Biogasanlagen und Investments und Suncybernetics ist ebenfalls eine, für die Ausbildung zuständige, Tochter der Alensys-Unternehmensgruppe.

Zertifizierte Ausbildungen entwickelt

Durch die Kombination von Solarenergie und Trainingscenter hat sich die Geschäftsidee zu einem Job- und Ausbildungsmotor für die Region entwickelt: Auf 1,8 Hektar Anbaufläche – das entspricht zweieinhalb Fußballfeldern – entstehen jedes Jahr insgesamt etwa 100 Arbeitsplätze in der Logistikkette und bei den Zulieferern in Deutschland sowie 50 neue Traineeplätze auf dem Campus in Südafrika. Die Ausbildung dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. In den Ausbildungslehrgängen Photovoltaik und E-Mobilität konnte schon eine offizielle Zertifizierung (PV-Greencard) in Südafrika erreicht werden, die Zertifizierung für den Food-Bereich  befindet sich gegenwärtig in der Akkreditierungsphase. So die Arbeitsmarktresultate von Sunfarming-Chef Schrum, der nicht ohne Stolz hinzufügt: „Das ist das, was uns von den meisten anderen Investoren unterscheidet.“

2,5

Fußballfelder Anbaufläche

50.00

Trainees im Jahr

100.00

neue Jobs im Jahr

Anfangs investierte Sunfarming in Photovoltaikanlagen in Deutschland, später auch an weiteren Standorten in England, Türkei, Niederlande, Polen und Südafrika. In Südafrika entstanden dann auch schon 2003 kurz nach der Gründung erste Biokraftstoff- und Biogas-Projekte. Peter Schrums Vision sind nachhaltige Ausbildungsplätze nach deutschem Vorbild: 

Unser Duales System ist eine der besten Ausbildungen der Welt. Es ist meine Vision und auch mein Ziel, diese auch in Afrika einzuführen“, sagt der Diplom-Agrar-Ingenieur und Kaufmann aus Dithmarschen (Schleswig-Holstein). 

Zehn Jahre nach seinem ersten Südafrika-Projekt im Jahr 2003 kommt Schrum seinem Ziel schon ziemlich nahe: 2013 wird die Demonstrations- und Ausbildungsanlage für das Food and Energy-Projekt in Südafrika eröffnet: Auf dem Campus der NWU in Potchefstroom sind drei agro-solare Gewächshäuser entstanden. Es ist das erste seiner Art in Afrika und soll in weiteren Ländern in Kooperation mit Universitäten „Schule machen“. 

Preisgekrönter Ausbildungscampus in Südafrika

Im Jahr 2013 sind auf dem Campus der North-West University (NWU) in Potchefstroom  drei agro-solare Gewächshäuser und ein Schulungszentrum entstanden. Professoren, Studierende und Experten können hier ihr fachliches Wissen auf den Gebieten Photovoltaik, Anlagenbau und Wassermanagement ausbauen. Seit 2018 hat die Sunfarming-Ausbildungstochtergesellschaft Suncybernetics die Greencard-Zertifizierung im Bereich Photovoltaik und E-Mobilität. 

Auch Mitarbeiter der Kommunen und technischen Berufsgruppen etwa mit Schwerpunkt Elektriker werden auf dem Campus weitergebildet: Zwischen 2013 und 2019 wurden über 2.000 Trainees erfolgreich die Grundlagen der Photovoltaik und E-Mobilität vermittelt.  

Außerdem finden Trainings für Einkommensschwache in Pflanzenanbau und Bewässerung – sozusagen eine Art Ausbildung zum Bio-Gärtner – statt. Damit können sie anschließend Reihen pachten und die Ernte zur Selbstverpflegung oder zum Verkauf auf den umliegenden Märkten nutzen. Hierbei wurden seit 2016 weitere 200 Trainees im Bereich der Agrartechnologie geschult.

Intersolar Award für internationale Ausbildung "Made in Germany"

Mittlerweile gibt es auch Train-the-Trainer-Kurse im Solar Training Center Potchefstroom, in denen Master-Studierende aller afrikanischen Länder in Photovoltaik-Elektrotechnik und Landwirtschaft unter speziellen Gewächshausbedingungen ausgebildet werden. Dieses Wissen können die neuen Master-Trainer und -Trainerinnen in ihrem Land weitergeben. 2017 wurde diesem Food and Energy-Trainingsprojekt der Preis „Intersolar Award“ für „Herausragende Solare Projekte“ verliehen: Die Jury überzeugte vor allem der große gesellschaftliche Nutzen für die Menschen in Südafrika und das globale Lösungspotenzial für das Ernährungsproblem und die Energieversorgung.

Dieses Potenzial haben etliche weitere Länder erkannt. Sunfarming hat aufgrund des Projekterfolgs bereits in Südafrika, Namibia, Madagaskar, Mauritius, Senegal, Kenia und Sambia Tochtergesellschaften gegründet. Die Ausbilderinnen und Ausbilder für die neuen Standorte werden an der NW-Universität in Südafrika geschult.

Bis heute ist die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung beratend in den Projekten engagiert. 

Job-Motor auch für Deutschland

Mit den Auslandsprojekten ist auch Sunfarming gewachsen: Heute sind dort über 100 akademische Führungskräfte und weltweit etwa 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, hauptsächlich Ingenieure, Kaufleute, Elektrotechniker und Montagemitarbeiter und Genossenschaftsmitglieder. Die Technologie ist, wie die Ausbildung auch, „Made in Germany“ – und über 100 Zulieferer aus den Bereichen Elektrotechnik, Entwässerungstechnik und Mobilität sind beteiligt. Die Photovoltaikanlagen werden zentral von Deutschland aus überwacht und die Komponenten der Anlagen von deutschen Produzenten in Linzenz für Sunfarming nach speziellen Qualitätskriterien gefertigt (German Quality Control). Also ein Job-Motor für alle Projekt-Beteiligten, auch in Deutschland. Und ein großer Gewinn für beide Seiten: Bildung und Arbeitsplätze, Nahrung und Energie, außerdem noch Ausbau der Infrastruktur in weniger entwickelten Ländern, wo sie dringend benötigt wird. Dabei unterstützt das internationale Team der Agentur für Wirtschaft & Entwicklung Sunfarming nach bestem Wissen und Gewissen:

„Die wirklich sehr kompetenten Berater haben uns vor allem als Netzwerker unterstützt: Neben der Beratung zu unserem Konzept und den passenden Förderprogrammen haben sie die Kontakte zu den richtigen Ansprechpartnern in den Botschaften, Kommunen und in der Privatwirtschaft vor Ort hergestellt, damit wir auch die entsprechenden Fachkräfte rekrutieren konnten. Das hat uns viele Türen geöffnet – und das hätten wir von Deutschland aus gar nicht organisieren können“, sagt Sunfarming-Chef Schrum.

Etwa drei bis fünf Jahre veranschlagt Schrum für die Umsetzung von der Planung bis zum Betrieb weiterer Food and Energy-Anlagen. Zentral sei dabei – wie am Kap – ein kompetenter universitärer Partner, der offen ist für duale Ausbildungen. Auch dabei wird die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung ihn begleiten.

Peter Schrum, Hauptgesellschafter

Sunfaming GmbH

Die Sonne kommt jeden Tag – was wir sonst noch brauchen, sind Menschen und Universitäten, die unsere Visionen weiterentwickeln. So können wir etwas Gutes tun – für alle Beteiligten.

Und seinem Ziel, ein Ausbildungssystem nach deutschen Qualitätsstandards in weniger entwickelte Länder zu exportieren, ist Schrum jetzt schon wieder ein Stück näher gerückt: 2019/2020 wird in der Türkei auch ein Food and Energy-Trainingscenter nach Vorbild des Pilot-Projekts in Südafrika gebaut. Bald werden auch in Osmaniye in der Türkei Sunfarming Bio-Gärtner und Gärtnerinnen in den knallblauen Overalls zu sehen sein, die auch etwas von Solar verstehen.

Staatliche Unterstützung für nachhaltige Projekte

Neben der Partner-Universität sind auch Institutionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit an dem Projekt beteiligt: Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, eine Tochtergesellschaft der KfW Bankengruppe, kofinanziert die Anlage aus Mitteln des develoPPP.de-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Errichtet wurde sie von der Sunfarming-Schwester Alensys. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt die Berufsausbildung auch nach Ablauf des offiziellen Public-Private-Partnership-Projekts mit eigenen Schulungsprogrammen. Die Gesamtinvestitionen der verschiedenen Teilprojekte belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro, wobei 40 Prozent gefördert wurden und 60 Prozent von Sunfarming beziehungsweise der Alensys-Gruppe getragen wurden. 

Türkei: Von Südafrika lernen

Nach dem Vorbild des Food and Energy-Projekts in Südafrika entsteht in der Türkei eine Schulungsanlage aus solarbetriebenen Anbauflächen. 

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Ian Lachmund

Finanzsektor und Digitalwirtschaft

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