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CSR-Risikomanagement gibt wesentliche Informationen für resiliente Lieferkette

Anfang 2020 wurde für viele deutsche Unternehmen die Corona-Krise zuerst entlang ihrer Lieferketten spürbar, als Produktionsstätten in China von heute auf morgen geschlossen oder dem globalen Lieferverkehr Grenzen gesetzt wurden. Wir sprachen mit Professor Dr. Martin Müller von der Universität Ulm über Auswirkungen und Lehren der Pandemie und wagen einen ersten Ausblick auf die Zeit danach.

AWE: Professor Müller, als die Corona-Krise spätestens im März 2020 auch in Deutschland in ungeahntem Ausmaß durchschlug, mussten viele Unternehmen aus einer ganz neuen Home-Office-Arbeitsumgebung reagieren. Waren deutsche Unternehmen auf eine Pandemie vorbereitet und wie kann ein Unternehmen sich auf eine solche Ausnahmesituation vorbereiten?

Professor Martin Müller: Nein, vorbereitet war bei uns in Europa kaum jemand. In Asien war das schon anders, das sieht man auch gerade im Hinblick auf Südkorea oder Taiwan, wo deutlich weniger das Leben eingeschränkt wurde, was dann auch zu geringeren Problemen bei Unternehmen führt. Unternehmen können sich natürlich auf solche Situationen vorbereiten, entsprechende Szenarien durchspielen und Vorbereitungen für zukünftige Pandemien treffen. 

AWE: Was hat sich durch die Corona-Krise gerade im Bereich Lieferkettenmanagement innerhalb der Unternehmen geändert? Ist das ein Krisenmodus oder ein neuer Dauerzustand?

Müller: Sicher gibt es eine Sensibilisierung für das Thema Resilienz von Lieferketten. Was sich konkret ändert, muss sich erst zeigen. Einen permanenten Krisenmodus sehe ich nicht. Das Thema ist auf jeden Fall in der Agenda nach oben gerutscht. Auch Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Lieferketten wird nun neu bewertet und diskutiert. Wobei hier auch das Lieferkettengesetz eine Rolle spielt. Insgesamt sehe ich da aber je nach Branche und Betroffenheit unterschiedliches Engagement.

AWE: Nachdem die Weltwirtschaft lange Zeit nur die Globalisierung als Stoßrichtung zu kennen schien, mehren sich nun in der Krise Stimmen, die einen Trend der Regionalisierung von Wertschöpfungsnetzwerken prognostizieren. Ist da etwas dran und wird eine solche Entwicklung auch nach Corona Bestand haben? 

Müller: So schnell kann man Kapazitäten regional nicht wiederaufbauen, oft fehlt inzwischen auch die Fähigkeit vor Ort. Und die Frage ist auch, rechnet sich das? Wenn kein strategisches Interesse besteht, wird es aus meiner Sicht nur in geringem Umfang geschehen. Einen Trend sehe ich da nicht. Man wird schon reagieren und sich nicht nur von einer Region abhängig machen, dass bedeutet aber nicht, dass das die Heimatregion sein muss. Es wäre auch aus CSR-Sicht nicht wünschenswert sich nun aus vielen Ländern zurückzuziehen. Die Unternehmen leisten ja dort einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung vor Ort. Es geht nicht darum sich zurückzuziehen, es geht darum die Globalisierung gerechter zu machen!

AWE: Kern eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements ist eine CSR-Risikoanalyse, um Menschenrechts- und Umweltrisiken entlang der eigenen Wertschöpfungskette zu identifizieren. Kann ein CSR-Risikomanagement für Unternehmen ein Schlüssel sein, um die eigene Lieferkette resilienter zu machen und besser durch zukünftige Krisen zu kommen?

Müller: Davon bin ich überzeugt. Lieferfähigkeit, Klimawandel, Ressourcenverfügbarkeit, usw. diese Themen hängen eng zusammen. Ein CSR-Risikomanagement gibt wesentliche Informationen für die Gestaltung einer resilienten Lieferkette. Wer das trennt, verschenkt Potenzial.

AWE:Was raten Sie kleineren und mittelgroßen Unternehmen, wie sie sich dem Thema nähern sollten, damit auch für sie ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement und eine CSR-Risikoanalyse handhabbar sein kann? 

Müller: Ein Engagement in Brancheninitiativen, um gemeinsam Synergien bei Risikoanalysen zu nutzen. Es gibt auch viele öffentlich verfügbare Informationen wie z.B. den CSR Risiko-Check oder den KMU Kompass, welche man als KMU gut nutzen kann.
 

Zur Person:

Professor Martin Müller leitet das Institut für Nachhaltige Unternehmensführung an der Universität Ulm. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören Sustainable Supply Chain Management, die Institutionalisierung von Nachhaltigkeit in Unternehmen, Umwelt- und Sozialstandards sowie damit verbundene Instrumente zur Prozessanalyse und –bewertung.
 

Sie möchten mehr über den CSR Risiko-Check erfahren? Dann ist der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte Ihr Ansprechpartner! 

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+49 (0)30 590 099-430

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