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Methodik

Unsere Antworten

  1. Wie wird die Umsetzung von Kernelementen unternehmerischer menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht bewertet? Welches methodische Vorgehen wird angewendet?

    Die Umsetzung der Elemente unternehmerischer menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht wird anhand eines Bewertungssystems evaluiert. Das Bewertungssystem berücksichtigt die Angemessenheit der Anforderungen an Ausgestaltung und Umsetzung der in Kapitel III des NAP aufgeführten Kernelemente. Die Bewertung erfolgt auf der Basis der Selbstauskunft des Unternehmens im Online-Fragebogen und der Analyse öffentlich zugänglicher Informationen (Einzelfallprüfung). 

    Eine Bewertung der tatsächlichen Effektivität der jeweiligen Maßnahmen im Hinblick auf die Verhinderung von Menschenrechtsverstößen kann nicht vorgenommen werden. Allerdings berücksichtigt das Bewertungssystem, inwieweit die Unternehmen die Effektivität ihrer Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Wiedergutmachung von Menschenrechtsverstößen überwachen. 

    Das Bewertungssystem basiert auf konkreten Merkmalen, die für jedes Kernelement festgelegt werden. Alle Kernelemente aus Kapitel III des NAP Wirtschaft und Menschenrechte werden dabei als Anforderungen in Merkmale der Kernelemente umgesetzt. Diese Merkmale dienen dazu, die generisch formulierten Kernelemente für die Evaluation zu konkretisieren. Jedes der fünf Kernelemente wird durch die Bewertungskriterien charakterisiert bzw. operationalisiert. 

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  2. Welche Kriterien und Bewertungsmaßstäbe werden angewendet, um eine Einordnung der Ergebnisse vorzunehmen?

    Das Bewertungssystem basiert auf konkreten Merkmalen , die für jedes Kernelement festgelegt werden. Für jedes Kernelement werden ein oder mehrere Merkmale definiert. Maßgeblich für deren Auswahl sind die Anforderungen des NAP, ggf. der VN-Leitprinzipien. Darüber hinaus werden bei der Entwicklung auch Erfahrungswerte verschiedener bereits existierender Rahmenwerke wie der UNGP Reporting Framework, die Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik der ILO, die sektorspezifischen OECD Leitfäden, so wie dem OECD Due Diligence Guidance for Responsible Business Conduct und weitere vom Auswärtigen Amt bereitgestellte Referenzdokumente berücksichtigt.

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  3. Ab wann gelten Elemente unternehmerischer menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht als umgesetzt bzw. nicht umgesetzt? Wie fließt der „Comply or Explain“- Mechanismus in die Bewertung ein?

    Die fünf Kernelemente der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht eines Unternehmens werden als umgesetzt angesehen, wenn das Unternehmen alle Kernelemente angemessen erfüllt. Festgestellt wird dies aufgrund der Selbstauskunft des Unternehmens im Fragebogen. Öffentlich verfügbare Informationen werden zur Ergänzung herangezogen. Entscheidend für die Bewertungssystematik ist die unternehmensspezifische Risikodisposition.

    Der NAP gibt Unternehmen im Rahmen des Monitorings auch die Möglichkeit darzulegen, warum die Umsetzung der Elemente der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht bei bestimmten Verfahren und Maßnahmen gegebenenfalls nicht geschehen ist („Comply-or-Explain“-Mechanismus). Nur Unternehmen, die eine Selbstauskunft erteilen, können von dieser Möglichkeit Gebrauch machen; ihre (Explain-)Erklärungen werden nach Kriterien, die im Lichte des NAP und ggf. der VN-Leitprinzipien erarbeitet werden, inhaltlich geprüft, bewertet und eingeordnet. Anhand der Kriterien wird überprüft, ob die Erklärung für die Einordnung des Unternehmens als NAP-Erfüller hinreichend ist. Auf Basis der Erhebungsergebnisse in 2019, wird der „Comply-or-Explain“-Mechanismus im Sinne eines „lernenden Systems“ weiterentwickelt.

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  4. Werden Maßnahmen und Berichtsformate aus bestehenden Brancheninitiativen anerkannt?

    Durch die Teilnahme an Brancheninitiativen gehen in einigen Fällen Umsetzungsmaßnahmen einher, die mit den NAP-Vorgaben übereinstimmen (z. B. Berichterstattung aufgrund der Vorgaben des Textilbündnisses). Somit können bei Übereinstimmung mit den NAP-Vorgaben Maßnahmen und Berichtsformate von Brancheninitiativen ggf. anerkannt werden. Die alleinige Teilnahme in einer Brancheninitiative reicht nicht aus.

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  5. Wie werden die erforderlichen Daten zur Umsetzung der Kernelemente von den Unternehmen erhoben?

    Das Verfahren zur Erhebung der Daten umfasst bis zu 4 Stufen.

    STUFE 1: Die Selbstauskunft der Unternehmen mittels Online-Fragebogen bildet die Datengrundlage. Für alle Unternehmen, die eine Selbstauskunft abgegeben haben, führt das Erhebungsteam auch eine Analyse öffentlich verfügbarer Informationen zu möglichen Auswirkungen des Unternehmenshandelns auf Menschenrechte durch (siehe hierzu Frage 6).

    STUFE 2: Das Erhebungsteam gleicht die Selbstauskunft des Unternehmens mit den öffentlich zugänglichen Informationen aus der Stufe 1 in Bezug auf die Kernelemente menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht ab (externe Plausibilitätsprüfung). Zusätzlich wird überprüft, ob das Verhältnis der Antworten zu den Kernelementen untereinander schlüssig und plausibel ist (interne Plausibilitätsprüfung). Darüber hinaus erfolgt eine Plausibilitätsprüfung der Risikoanalyse des Unternehmens.

    STUFE 3: Alle Unternehmen, bei denen auf Stufe 1 Informationen über nachteilige Auswirkungen des Unternehmenshandelns auf Menschenrechte vorliegen, werden für ein qualitatives Telefoninterview kontaktiert. Dasselbe gilt für die Unternehmen, bei denen aus der externen und internen Plausibilitätsprüfung auf Stufe 2 ein Widerspruch festgestellt wurde. Im Interview wird das Unternehmen gebeten, die Hintergründe zu mutmaßlichen Menschenrechtsverstößen und/oder Widersprüchen zu erläutern.

    STUFE 4: Löst die Stellungnahme auf Stufe 3 den Widerspruch nicht auf, werden auf Stufe 4 beispielhafte Befragungen von Stakeholdern im In- und Ausland durchgeführt. Lässt sich ein Widerspruch weder auf Stufe 3 noch auf Stufe 4 auflösen, gilt das dahinterliegende Merkmal als nicht erfüllt.

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  6. Fließen öffentlich zugängliche Informationen über Menschenrechtsverstöße in die Bewertung mit ein?

    Das Erhebungsteam wird auf der Basis öffentlich zugänglicher Informationen eine strukturierte Medienanalyse bezüglich aller Unternehmen der Untersuchungsgruppe durchführen, die die Selbstauskunft erteilt haben, um festzustellen, ob öffentliche Informationen über nachteilige Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte vorliegen. Die Medienanalyse wird auf Datensätzen einer Datenbank basieren, in der Vorfälle oder Vorwürfe in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen erfasst sind. Der Fokus der Medienanalyse wird sich schwerpunktmäßig auf Einträge der letzten 5 Jahre beziehen, um Informationen in den zeitlichen Kontext des Fragebogens setzen zu können.

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Erik Wessels

(Interim) Leitung Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte

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