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Interview mit Dr. Christoph Beyer

AWE: Die GIZ unterhält erfolgreiche Kooperationen mit Unternehmen in allen Sektoren der Privatwirtschaft. Wo sehen Sie noch Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen der GIZ und der Wirtschaft?

Dr. Beyer: Die GIZ arbeitet seit vielen Jahren mit Unternehmen und Wirtschaftsverbänden zusammen. In den letzten 20 Jahren haben wir mit mehr als 1.500 Unternehmen kooperiert. Im Auftrag des BMZ setzt die GIZ unterschiedliche Entwicklungspartnerschaften mit Unternehmen, wie develoPPP-Ideenwettbewerbe, Strategische Allianzen oder Integrierte Entwicklungspartnerschaften um.
Deutsche und europäische Unternehmen können von einer Kooperation mit der GIZ profitieren, wodurch eine klassische Win-Win Situation entsteht. Das Unternehmen profitiert von der hohen regionalen Expertise und den Netzwerken der GIZ vor Ort. Dies trägt zu einer Reduktion der mit einem Markteintritt verbundenen Risiken und zu einer schnelleren Realisierung im lokalen Kontext bei. Zukünftig wird die GIZ zusätzlich zur Verbesserung der Rahmenbedingungen verstärkt daran arbeiten, Partner in unseren Kooperationsländern dabei zu unterstützen, investitionsreife Projekte zu entwickeln und mit potentiellen Investoren zusammen zu bringen.
Die GIZ kann durch eine solche Kooperation ihre entwicklungspolitischen Ziele nachhaltig umsetzen, wie z.B. durch die Stabilisierung von Wertschöpfungsketten und der Schaffung von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung von sozialen und umweltverträglichen Aspekten. Trotz dieser Erfolge besteht gerade in der Zusammenarbeit mit den mittelständischen Unternehmen noch Verbesserungsbedarf.

AWE: Private Unternehmen leisten einen wesentlichen Beitrag insbesondere zur Umsetzung des SDG (8): die Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen und nachhaltigem Wirtschaftswachstum. Wie genau kann die GIZ die deutsche Privatwirtschaft bei einem stärkeren Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützen?

Dr. Beyer: Zum einen verbessert die regionale GIZ-Beratung in den Entwicklungs- und Schwellenländer selbst die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Dies erleichtert natürlich das Engagement deutscher und europäischer Unternehmen.
Mit der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE), hat die GIZ gemeinsam mit der DEG zudem eine zentrale Anlaufstelle in Deutschland geschaffen. Deutsche und europäische Unternehmen werden hier beraten, wenn sie sich in Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren oder investieren wollen. Beraten wird auch zu Fragen der praxisorientierten Berufsbildung und Fachkräfte-Qualifizierung. Dies schafft qualifizierte Arbeitsplätze und führt zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum.

AWE: Die Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfalt in Entwicklungs- und Schwellenländern stellt insbesondere Mittelständler im unternehmerischen Alltag oft vor Herausforderungen. Wie kann die GIZ Mittelständler dabei konkret unterstützen?

Dr. Beyer: Zweifelsfrei haben es größere Unternehmen bei der Einhaltung von Menschenrechtsstandards leichter, da ihnen ihr Ressourcenvorteil in diesem Zusammenhang einen wesentlich größeren Gestaltungsspielraum eröffnet. Als Institution der EZ muss die GIZ ihr Angebot für die Zielgruppe der KMU weiter stärken, was mit dem von der AWE implementierten NAP Helpdesk bereits geschehen ist. Ein solches Beratungsangebot stellt kleineren Unternehmen genau die Kompetenzen zur Verfügung, über die sie intern nicht verfügen. Weiterhin kann die GIZ mit ihrem globalen Netzwerk auch im lokalen Kontext vermitteln und bei der Umsetzung von Richtlinien unterstützen.

AWE: In Bonn ist kürzlich die Weltklimakonferenz COP23 zu Ende gegangen. Wie können Anreize für Unternehmen zu Investitionen in klimafreundliche Infrastruktur bzw. Technologien in Entwicklungs- und Schwellenländern erhöht werden?

Dr. Beyer: Die GIZ und ihre Partner unterstützen viele Länder und Vorhaben seit Jahren bei der Schaffung besserer Rahmenbedingungen als Voraussetzung für private und öffentliche Investitionen in effiziente und klimafreundliche Technologien. So sind wir an dem BMZ-Projekt „Grüne Bürgerenergie für Afrika“ beteiligt, welches insbesondere in den ländlichen Regionen Afrikas erneuerbare Energien umfassend zum Einsatz bringen will. Statt Dieselgeneratoren sollen Sonnenkollektoren den Bedarf an Energie in den abseits gelegenen Dörfern decken. Das können wir nicht allein, auch dafür braucht es die Privatwirtschaft.
Aktuell freuen wir uns als GIZ über die Akkreditierung für den Green Climate Fund. Dadurch kann sich die GIZ um Finanzierungen für Klimaprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern mit einer Gesamtgröße von bis zu 250 Millionen US-Dollar bewerben. Wir werden nun Projektvorschläge entwickeln, die den Klimaschutz in Entwicklungs- und Schwellenländern verbessern helfen und die Menschen dabei unterstützen sollen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

AWE: Welche Rolle spielt dabei der Ausbau lokaler Kapazitäten?

Dr. Beyer: Es ist aus unserer Sicht von elementarer Bedeutung die Kapazitäten vor Ort zu stärken, sodass bevorstehende und notwendige Investitionen in umwelt- und klimafreundliche Projekte auf nationaler Ebene finanziert werden können. In diesem Kontext unterstützt die GIZ im Rahmen einer develoPPP.de-Partnerschaft mit der schwedischen Bank SEB – ein Pionier und Vordenker im globalen Markt für grüne Anleihen – sowie nationalen Implementierungspartnern die Entwicklung grüner Anleihemärkte in Brasilien, China, Mexiko und Indien. Kapazitäten und Expertise bei zentralen Akteuren (u.a. Banken, Investoren, Unternehmen, Regulierer und externe Verifizierter) des nationalen Marktes für grüne Anleihen werden entwickelt. Unter Einbeziehung führender internationaler sowie nationaler Institutionen und Experten wird konkretes Praxiswissen, bewährte Vorgehensweisen sowie zentrale Herausforderungen bzgl. der Investitions- und Emissionsentscheidung vermittelt. Teilnehmende Unternehmen, Kommunen, Bundesländer, Banken und Investoren erhalten somit das erforderliche Wissen, um eine fundierte Entscheidung zu grünen Anleihen zu treffen.

Mann in Nahaufnahme im Gespräch

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