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„AfricaConnect will die Investitionshürden senken“

Deutsche Unternehmen investieren im internationalen Vergleich noch wenig in Afrika. Warum sie aufholen sollten und wie das im Juni 2019 gestartete Programm AfricaConnect dabei helfen kann, erklärt Jan Müller, Programmleiter AfricaConnect bei der dafür verantwortlichen DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH.

Herr Müller, warum sollten deutsche Unternehmen jetzt in Afrika investieren? 
Müller:
Von den 20 am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der letzten Jahre befindet sich rund die Hälfte in Afrika. Deutsche Direktinvestitionen in diese Länder – insbesondere in Subsahara-Afrika – befinden sich allerdings auf einem niedrigen Niveau. Sie betragen einen Bruchteil dessen, was andere Industrie- oder Schwellenländer investieren: ob Frankreich, Großbritannien, Italien, China oder die USA. Hier verpassen deutsche Unternehmen riesige Wachstums- und Absatzchancen. Um die Investitionshürden für deutsche und andere europäische Unternehmen zu senken, wurde das Programm AfricaConnect gegründet.

Mit dem neuen Programm AfricaConnect wollen Sie Investitionen in Afrika einfacher machen. Welche Vorteile bietet das Programm? 
Müller:
Mit AfricaConnect können wir Investitionen mit einer Bandbreite zwischen 750.000 und 4 Millionen Euro finanzieren, die wir bislang weder mit unseren Förderprogrammen noch unseren klassischen Finanzierungsprodukten bedienen konnten. Unternehmen, die ihre Investition mithilfe von AfricaConnect finanzieren, haben viele Vorteile: Die augenscheinlichsten sind die günstigen Konditionen bei einer schlanken Finanzierungsstruktur. So verzichten wir in der Regel auf die Bestellung von Sicherheiten oder Garantien der Muttergesellschaft. Solche finanziellen Faktoren sind jedoch bei Weitem nicht alles: Im aktuellen Marktumfeld mangelt es grundsätzlich nicht an Liquidität. Gerade der deutsche Mittelstand ist sehr gut kapitalisiert und teils mit hohen Liquiditätsreserven ausgestattet. Daher ist die Bereitstellung von reiner Finanzierung nicht das Alleinstellungsmerkmal von AfricaConnect. Das Programm wird mit gutem Grund von der DEG durchgeführt. Die DEG finanziert seit fast 60 Jahren Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent. Daher haben wir ein Netzwerk und eine Erfahrung in den Ländern, die wir sehr gerne an unsere AfricaConnect-Kunden weitergeben. Dazu gehört auch, von Investitionen abzuraten, wenn der Businessplan noch nicht ausgereift ist. Zudem stehen bei uns Umwelt- und Sozialstandards im Zentrum. Wir unterstützen unsere Kunden bei der Einhaltung dieser Standards – auch finanziell. 

Jan Müller (DEG), Programmleiter AfricaConnect

Gibt es Schwerpunkte, was Länder oder Branchen betrifft?
Müller:
Momentan prüfen wir unter anderem Finanzierungen für Investitionen in Äthiopien, Ghana, Südafrika, Kenia und Tunesien. Die Bandbreite der Branchen, in denen investiert werden soll, ist groß. Uns erreichen beispielsweise Anfragen für Investitionen von der (Bio-) Landwirtschaft über Medizintechnik bis hin zu innovativen Bauwirtschaftsvorhaben.

Können Sie uns Beispiele nennen? 
Müller:
Ein Vorhaben ist die Produktion von Bio-Schokolade in Westafrika. Dabei soll in die gesamte Produktionskette investiert werden, von der Kakaoernte über die Produktion bis hin zur Verpackung. Einen großen Teil der Wertschöpfungskette in Afrika aufzubauen, trägt dazu bei, qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Ein anderes Unternehmen möchte Gewächshäuser im südlichen Afrika errichten, deren Bewässerung mit 90 Prozent weniger Wasser auskommt als bei herkömmlichen Methoden. Hier sehen wir ein großes Potenzial, innovative Technologien zu fördern und teure Importe durch lokale Lebensmittelproduktion zu ersetzen.

Was würden Sie deutschen Unternehmen vor dem Markteintritt raten?
Müller:
Sie sollten sich frühzeitig mit den lokalen Bedingungen auseinandersetzen. Gerade zu Beginn sollten sie häufig vor Ort sein und einen verlässlichen lokalen Partner finden, der die Unternehmensinteressen gut vertritt. Kontaktieren Sie Institutionen, die die Gegebenheiten vor Ort kennen, wie etwa die Deutschen Auslandshandelskammern oder die DEG.

AfricaConnect ist im Sommer operativ gestartet. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach den ersten Monaten?
Müller:
Rund 20 Projekte haben wir bisher als erfolgversprechend eingestuft und verfolgen sie aktuell weiter. Ich bin zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres die ersten Zusagen erteilt werden können.

Was schätzen die Unternehmen besonders am Programm?
Müller:
Neben dem schlanken Antragsprozess schätzen sie die Erfahrung der DEG in den afrikanischen Märkten. Wir können sie teilweise auch mit Partnern in den Investitionsländern vernetzen.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für Interessenten? 
Müller:
Interessierte Unternehmen sollten zunächst gründlich das Marktumfeld analysieren und wissen, warum sie mit ihrem Geschäftsmodell genau in diesem einen Land tätig werden wollen. 

Die AWE organisiert die Roadshow zum EIF - eine Reihe von Veranstaltungen, die insbesondere Wirtschaftsvertreter anspricht. Welche Themen beschäftigen die Unternehmen besonders?
Viele Unternehmen wollen sich grundsätzlich über Marktchancen und Risiken in afrikanischen Ländern informieren. Ein zunehmendes Interesse ist spürbar. Bei Unternehmen, die bereits vor Ort produzieren oder zumindest durch Vertrieb oder Export Geschäfte machen, geht es häufig um konkrete Finanzierungsfragen - auch darum, wie sich AfricaConnect von klassischen Finanzierungsinstrumenten unterscheidet und wie es konkret genutzt werden kann. Wir versuchen, die Finanzierungslösung möglichst schlank zu halten und dennoch flexibel auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Das erfordert teilweise schon zu Beginn einen detaillierten Austausch. Für diese erste Kontaktaufnahme ist die Roadshow ideal und wird auch sehr gut angenommen. 

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Ian Lachmund

Finanzsektor und Digitalwirtschaft

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