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Ein schwieriges Jahr für Frauen in der Wirtschaft – doch es gibt Hoffnung

Die Corona-Krise trifft uns alle hart. Die Wirtschaft schrumpft, zahlreiche Geschäfte müssen aufgeben, viele Familien sehen ihre Lebensgrundlage bedroht. Frauen sind besonders betroffen: In Deutschland mussten sich viele während des Lockdowns und der damit verbundenen Schließung von Schulen und Kitas neben dem Haushalt auch um ihre Kinder kümmern – und parallel aus dem Home-Office arbeiten. Kein einfaches Jonglieren.

Und dennoch geht es uns besser als den meisten. Das sind Probleme, von denen Frauen in anderen Ländern nur träumen können. Ein Blick auf andere Regionen der Welt zeigt dies sehr deutlich.

Während der Pandemie ist die häusliche Gewalt weltweit angestiegen. Das Problem ist besonders in Lateinamerika und der Karibik allgegenwärtig: Allein zwischen März und Juni wurden laut Angaben der Organisation „Violentadas en Cuarentena“ (Opfer während des Lockdowns) in 19 Ländern der Region 1409 Frauen ermordet.  Fast ein Drittel der Fälle wurde in Brasilien gemeldet. Durchschnittlich wird dort gerade etwa alle sieben Stunden eine Frau getötet.

„In unserem Netzwerk haben wir viele Fälle von häuslicher Gewalt registriert“, erzählt Ana Fontes. Fontes ist die Gründerin von „Rede Mulher Emprendedora“, dem ersten nationalen Netzwerk zur Unterstützung von Unternehmerinnen in Brasilien. Während der Pandemie versucht die Initiative vor allem, schwarze Frauen zu einem selbstständigen Einkommen zu verhelfen – etwa durch die Unterstützung ihrer Projekte für das Nähen von Masken. Schwarze Frauen sind in Brasilien am stärksten von häuslicher Gewalt betroffen.

Teilnehmerinnen der digitalen Konferenz "Women in German Latin-American Economy".

Frauenpower als Wirtschaftsmotor

Fontes, zugeschaltet aus São Paulo, war einer von rund 100 Gästen beim diesjährigen Treffen der Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE), dem Lateinamerika-Verein und dem vom Auswärtigen Amt 2019 gegründet Netzwerk UNIDAS. Die digitale Veranstaltung fand in der Landesvertretung Hamburg in Berlin statt. Ein mit Bedacht gewählter Ort, denn – wie Gastgeberin Almut Möller in ihrer Begrüßung erinnerte – Hamburg stehe als Hafenstadt in ganz besonderer Weise für die engen Beziehungen von der Bundesrepublik Deutschland zu Lateinamerika.

Die Runde sprach engagiert über Wege und Möglichkeiten, Frauen als starke wirtschaftliche Akteurinnen in den Gesellschaften Lateinamerikas zu unterstützen. Die AWE, der Lateinamerika-Verein und UNIDAS setzten sich als Organisatoren dafür ein, die Förderung von positiven weiblichen Rollenbildern als unabdingbaren, wichtigen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit weiterhin zu fördern. „Der Privatsektor und das Engagement der Frauen in ihm spielen eine wesentliche Rolle“, bekräftigte die Leiterin der AWE, Dr. Corinna Franke-Wöller. Teilnehmer und Teilnehmerinnen zeigten mit ihren Erfahrungen, wie das gelingen kann.

Arthur Darboven betreut zum Beispiel von Hamburg aus ein Frauenprojekt in der Kaffeeindustrie, das 2002 von Benecke Coffee und Rehm & Co. in Nicaragua gegründet wurde. In dem mittelamerikanischen Land besitzen nur 15% der Frauen das Land, auf dem sie leben. Durch die Einzahlung einer Extra-Prämie in einen Sozialfond hilft das Projekt Kaffeeproduzentinnen, eine legale Besitzurkunde für ihr Land zu erwerben. „Diese Frauen haben ein großes familiäres und soziales Verantwortungsbewusstsein”, erklärt Darboven. Durch die Weiterentwicklung ihrer Farms tragen sie zu einer steigenden Lebensqualität in ihren Dörfern bei. „Es werden Schulen gebaut, auch wenn es erstmal nur für zwei Klassenräume reicht. Die Veränderungen sind bemerkbar“, schwärmt Darboven. 

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Nur mit Unterstützung der Männer

Diese Entwicklungen können aber nicht allein von Frauen getragen werden. Hinter dem Prozess müssen auch Männer stehen, die die Frauen begleiten und unterstützen. Und in Lateinamerika setzt dies oft einen Bruch mit Vorurteilen und den immer noch stark verwurzelten patriarchalen Strukturen voraus. „Ich wurde oft nicht ernst genommen“, erzählt Svenja Ahlberg von WILO aus ihren ersten Erfahrungen vor Ort. „Meine Kollegen in Lateinamerika konnten kaum glauben, dass ich mich für Klärwasseranlagen oder Pumpensysteme interessieren kann und über gute Kenntnisse verfüge – bloß, weil ich High Heels trage“, sagt sie. Trotz ihres Schuhwerks hat Ahlberg die Bedenken ausräumen können und berichtet über mittlerweile positive Veränderungen im Umgang mit einigen ihrer männlichen Kollegen.

Annette Beller vom Finanzvorstand der B Braun Group macht deutlich, dass ihre Karriere ohne die Unterstützung ihres Mannes so nie möglich gewesen wäre. „Jede Frau hat das Recht, Familie und Job zu vereinbaren. Man sollte nicht gezwungen werden, auf eines der beiden verzichten zu müssen“, ist Beller überzeugt. Doch auch unter Frauen dürfen wir uns „nicht weiter im Weg stehen“, ergänzt Ahlberg. Es passiere leider noch oft, dass Frauen die ersten seien, die lieber einen Mann einstellten. „Wir brauchen zwar die Männer, doch wir brauchen einander viel mehr“.

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Karla Luzette Beteta Brenes

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