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Interview mit DEG-Geschäftsführerin Christiane Laibach

Seit Juli 2018 ist Christiane Laibach Sprecherin der Geschäftsführung der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH. In dieser Funktion war sie auch beim GABS in Accra, Ghana. Wir sprachen mit ihr über ihre Eindrücke vor Ort und Chancen, die Afrika deutschen Unternehmern bietet.

AWE: Vom 11. – 13. Februar 2019 fand der German-African Business Summit (GABS) in Accra, Ghana statt. Am 11. Februar wurde dort auch der German Desk Ghana – Financial Support and Solutions eröffnet. Es ist bereits der dritte German Desk in Afrika. Was waren Ihre Eindrücke vor Ort?

Laibach: Afrika ist eine Fokusregion der DEG, schon seit unserer Gründung 1962. Seitdem begleiten wir deutsche und lokale Privatunternehmen bei ihrem Engagement auf dem Kontinent, aktuell beträgt unser Portfolio dort zwei Mrd. Euro. Neben direkten Finanzierungen als Kerngeschäft der DEG bieten wir den Unternehmen auch Beratung und Förderprogramme. Komplementär dazu haben wir vor rund zwei Jahren die „German Desks“-Initiative gestartet und nun in Accra bereits den dritten in Afrika eröffnet. Schließlich sehen auch deutsche Unternehmen zunehmend das Geschäftspotenzial afrikanischer Länder und die damit verbundenen Möglichkeiten. Dies wurde auch in den Gesprächen deutlich, die ich auf dem GABS geführt habe.

Unternehmen, die erfolgsversprechende neue Märkte erschließen möchten, brauchen erfahrungsgemäß möglichst verlässliche Rahmenbedingungen in diesen Ländern, auf ihr Vorhaben passende Finanzierungen und erfahrene Partner vor Ort. Das Thema Rahmenbedingungen spielt aktuell in der „Compact with Africa“-Initiative der Bundesregierung eine wichtige Rolle, was ich begrüße. Der „German Desk“ bietet deutschen Unternehmen und ihren lokalen Handelspartnern Beratung und Finanzdienstleistungen gebündelt aus einer Hand.  Dabei kooperieren wir, wie bei allen German Desks, mit einer lokalen Partnerbank und der jeweiligen AHK, unterstützt vom BMZ. Bankpartner in Ghana ist unser Kunde Access Bank, die auch beim German Desk in Nigeria mit an Bord ist. In Ghana konnte man nach meinem Eindruck gut spüren, dass hier eine neue Dynamik in der Zusammenarbeit entsteht.

AWE: Auf dem GABS wurden die Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zum afrikanischen Kontinent diskutiert. Welche aktuellen Beispiele für deutsch-afrikanische Kooperationen gibt es?

Laibach: Da gibt es einige. Eins davon ist eine Ausbildungsinitiative: Wir arbeiten seit geraumer Zeit mit der Knauf-Gruppe zusammen, einem führenden Hersteller von Baustoffen und Bausystemen. Aktuell baut Knauf im Rahmen seiner Afrika-Initiative acht Schulungszentren für Trockenbau in sechs afrikanischen Ländern auf: Ägypten, Algerien, Ghana, Nigeria, Tansania und Tunesien. Diese Initiative finanziert Knauf mit eigenen Mitteln, wir beraten und kofinanzieren aus Mitteln des develoPPP.de Programms des BMZ. Auf diesem Weg sollen 12.000 Menschen - Architekten, Bauingenieure, Bauarbeiter und Handwerker - innerhalb von drei Jahren qualifiziert werden und so bessere berufliche Perspektive erhalten. Das ist gerade in Afrika mit seiner jungen, wachsenden Bevölkerung wichtig.

AWE: Welche Schwerpunkte setzt die DEG für das Jahr 2019? Gibt es bereits Themen und Angebote, die für deutsche Unternehmen besonders interessant sind?

Laibach: Mittelständische deutsche Unternehmen sind eine wichtige Kundengruppe für uns, sie zu beraten und bei einer Auslandsinvestition zu begleiten, ist einer unserer Schwerpunkte. Wir bieten ihnen maßgeschneiderte Finanzierungen, verschiedene Förderprogramme und beraten sie mit all unserer Auslandsexpertise. Deutsche Unternehmen können von unserer langjährigen Erfahrung und unserem globalen Netzwerk mit aktuell 19 eigenen Standorten profitieren. Zurzeit arbeiten wir an der Ausweitung unseres Angebots für deutsche Mittelständler, die Bedarf an kleinvolumigen Finanzierungen für ihre Auslandsvorhaben haben.

AWE: In der letzten Woche waren Sie auch beim Austausch „Afrikas Wirtschaft im Fokus“ im Deutschen Bundestag auf dem Panel, bei dem der von der Bundesregierung initiierten „Entwicklungsinvestitionsfonds für Afrika“ erörtert wurde. Welche Rolle wird die DEG hier einnehmen?

Laibach: Wir begrüßen diese Initiative und haben gerne Input geliefert. Wir haben dabei zwei Dinge vorgeschlagen:  Bei „AfricaConnect“ wird es darum gehen, deutschen Mittelstandsunternehmen Förderfinanzierungen mit kleineren Volumen - von 750.000 EUR bis zu 4 Mio. EUR -  für Vorhaben in Afrika zu bieten. Die Initiative „Africa Grow“ unter Federführung der KfW Entwicklungsbank soll dagegen Finanzierung für lokale kleine und mittlere Unternehmen bereitstellen.

AWE: Wenn Sie die Perspektive Ihrer Kunden einnehmen, welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für Unternehmen, die sich für den afrikanischen Kontinent interessieren?

Laibach: Nach unserer Erfahrung sind deutschen Unternehmen andere Regionen nach wie vor näher als Afrika. Afrikanische Märkte waren bisher noch recht wenig „auf dem Schirm“, dabei sind deutsches Know-how und deutsche Produkte dort sehr gefragt. Die Mittelschicht wächst und damit auch die Kaufkraft. In vielen afrikanischen Ländern wird auch in Infrastruktur investiert, da gibt es Chancen beispielsweise im Bereich der erneuerbaren Energien. Natürlich gibt es auch Herausforderungen und Limitationen, etwa bürokratische Hemmnisse und mangelhafte Infrastruktur. Gute Planung, kundige Beratung und ein langer Atem sind wichtig bei Auslandsvorhaben – das gilt nicht nur für Afrika.

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