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Südliches Afrika: Mehr lokale Wertschöpfung durch Investitionen aus dem Ausland

Aus der Praxis

Die neue EU-Afrika-Strategie, die voraussichtlich 2021 auf dem 6. AU-EU-Gipfeltreffen beschlossen wird, will die partnerschaftliche Zusammenarbeit in ausgewählten Schlüsselbereichen stärken. Um Chancen für die angestrebte deutliche Aufstockung ökologisch, sozial und finanziell nachhaltiger und klimaresilienter Investitionen aufzuzeigen, präsentiert die AWE Einschätzungen afrikanischer Wirtschaftsvertreter zu Investitionspotenzialen in ausgewählten Branchen. Im vierten Beitrag der Reihe Chancenkontinent Afrika berichtet Peter Varndell (Vorsitzender des SADC Business Council) über Investitionschancen im südlichen Afrika im Zusammenhang mit der regionalen Industrialisierungsstrategie. Das Gespräch führte Dr. Alawi Swabury.

Unterstützung der regionalen Industrialisierungsstrategie

Bei einem Sondergipfel im April 2015 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC) auf eine umfassende regionale Industrialisierungsstrategie. Vor allem hebt die Strategie die Notwendigkeit der gesteigerten industriellen Weiterverarbeitung von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen hervor. Eine erhöhte Wertschöpfung soll langfristig auch die regionale Integration stärken. Dazu definiert ein langfristiger Aktionsplan Implementierungsmaßnahmen sowie zeitliche Ziele. Der SADC Business Council (siehe Infokasten) unterstützt diese Ziele:

„Als Stimme der Privatwirtschaft setzen wir uns für die Stärkung der Marktintegration im südlichen Afrika ein. Die SADC-Industrialisierungsstrategie setzt dafür die richtigen Prioritäten. Diese sollte die EU unterstützen.“

Peter Varndell, Vorsitzender des SADC Business Council

Aus Sicht des südafrikanischen Wirtschaftsvertreters ergeben sich aus den Schwerpunkten der Industrialisierungsstrategie ebenfalls Möglichkeiten für deutsche und europäische Unternehmen. Längerfristig seien insbesondere Investitionen in die großen regionalen Infrastrukturprojekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen erforderlich.

SADC Business Council

2018 gründeten Vertreter nationaler Wirtschaftsverbände aus den 16 Mitgliedsstaaten der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC) den SADC Business Council. Der Wirtschaftsrat hat die Aufgabe, den Dialog zwischen Akteuren des privaten und öffentlichen Sektors im südlichen Afrika zu erleichtern sowie Investitionen und Handel zwischen den Mitgliedsstaaten zu fördern. Teil der SADC sind neben verschiedenen kleineren Ökonomien auch große regionale Volkswirtschaften wie Angola, Tansania und Südafrika. Derzeit ist der SADC Business Council bei der NEPAD Business Foundation angesiedelt. Als Vorsitzender beider Organisationen vertritt Peter Varndell den Wirtschaftsrat nach außen. Mittelfristig soll der Regionalverband ins SADC-Sekretariat eingegliedert werden.

Schlüsselsektoren Landwirtschaft und Pharmaindustrie

Im Bereich der Landwirtschaft bestehe insbesondere im Bereich der Soja-Produktion eine Chance für zukunftsorientierte Investitionen aus dem Ausland. Danach können sich europäische Firmen am Aufbau von Produktionsstätten mit modernen Technologien beteiligen und somit zur Integration lokaler Produzenten in globale Wertschöpfungsketten beitragen. Ein weiterer Bereich, in dem die SADC-Region externe Unterstützung in Form von Investitionen sucht, sei die Pharmaindustrie:

„Die SADC-Region braucht Unterstützung bei der Harmonisierung zur Zulassung von Arzneimitteln. Dies ist eine Gelegenheit für ausländische Firmen, sich hier vor Ort an der Herstellung von Medikamenten zu beteiligen.“

Peter Varndell, Vorsitzender des SADC Business Council

Der Aufbau von pharmazeutischen Produktionsstandorten ist dabei nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch im gesundheitlichen Interesse der Bevölkerung des südlichen Afrikas. Besonders wertvoll in diesem Kontext wäre beispielsweise die Herstellung von Medikamenten gegen regional verbreitete Krankheiten wie Malaria, HIV und Tuberkulose.

Mineralische Rohstoffe des südlichen Afrikas eignen sich zur Herstellung von Batterie-Technologien für die Energiespeicherung.

Aufbereitung natürlicher Ressourcen

Nicht zuletzt ergeben sich auch aus dem Rohstoffreichtum der Region zahlreiche Chancen für deutsche und europäische Unternehmen. Indem sich bestimmte in der Region vorkommende mineralische Rohstoffe zur Herstellung von sogenannten Utility Scale Batteries eignen, spielt das südliche Afrika eine wichtige Rolle bei der Herstellung elektrischer Fahrzeugantriebe und Lösungen zur Energiespeicherung:

„Gemeinsam mit Experten aus dem Ausland möchten wir an der Entwicklung der neusten Akku-Generation arbeiten und eine lokale Lieferkette aufbauen.“

Peter Varndell, Vorsitzender des SADC Business Council

Ferner biete auch der Energiesektor Möglichkeiten für den Einsatz von technologiebasiertem Fachwissen aus dem Ausland. Aktuell sei speziell die Erschließung von Erdgas in Mosambik ein Bereich mit Wachstumspotenzial. Laut Peter Varndell haben europäische Unternehmen gerade im Logistikbereich und bei der industriellen Nutzung von Erdgas viele Lösungen zu bieten, die der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas zugutekommen können.

Gemeinsam aus der Krise

Angesichts der derzeitigen Corona-Krise unterstützt der SADC Business Council die andauernden Bemühungen des SADC-Sekretariats zur Eindämmung des Virus. Im Vordergrund der regionalen Maßnahmen steht die Anpassung der COVID-19-Testvorkehrungen entlang der Landesgrenzen. Die Ausweitung und Verbesserung des Testregimes tragen zur Sicherung des grenzüberschreitenden Personen- und Warenverkehrs bei. Nach Einschätzung von Peter Varndell sei es wichtig, dass die EU-Mitgliedstaaten diese Anstrengungen unterstützen. Weil der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig der Länder des südlichen Afrikas ist, sei darüber hinaus wichtig, dass europäische Touristen bald wieder in die Region reisen.

Ihr Kontakt in der AWE

Ina Dettmann-Busch 
Senior Beraterin für Handel 
Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
+49 30 726256-86

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