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Menschenrechtliche Sorgfalt in der Lieferkette: Praxislotse gibt Orientierung

Ob Zulieferer, Großhändler oder mittelständischer Produktionsbetrieb: Globale Liefer- und Wertschöpfungsketten stellen Unternehmen vor Herausforderungen, wenn es um die Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfalt geht. Mit dem neuen Praxislotsen Wirtschaft & Menschenrechte bündeln der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte, der UN Global Compact und Verisk Maplecroft Informationen zu zehn wesentlichen Menschenrechtsthemen in einem Portal und geben Unternehmen konkrete Umsetzungshilfen an die Hand.

Während die menschenrechtliche Sorgfalt in der Vergangenheit auf freiwilliger Umsetzung basierte, sind viele Prozesse mit der Verabschiedung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes im Juli 2021 für Unternehmen nun verbindlich geregelt. Gleichzeitig schafft das Gesetz widerstandsfähigere Lieferketten. Denn während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt: Unternehmen, die frühzeitig in den Arbeits- und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter:innen entlang der gesamten Lieferkette investiert haben, konnten sich besser behaupten.

Allerdings stellt die Umstellung bekannter und bewährter Prozesse im Produktions- und Lieferprozess Unternehmen vor große Herausforderungen. Hier schafft der Praxislotse Wirtschaft & Menschenrechte mit seinem umfangreichen Informationsangebot Abhilfe.

Was bietet der Praxislotse?

Der Praxislotse Wirtschaft & Menschenrechte, der die bereits bestehenden Online-Tools des Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte, den KMU Kompass und den CSR Risiko-Check ergänzt, bietet seinen Nutzer:innen Hintergrundinformationen, Handlungsempfehlungen und Umsetzungshilfen zu zehn wichtigen Menschenrechtsthemen in Liefer- und Wertschöpfungsketten. Mit Praxisbeispielen aus dem Unternehmensalltag gibt das neue Online-Tool Anregungen für das eigene Handeln.

Dabei liegt der Fokus auf den Kernthemen:

  • Kinderarbeit,
  • Zwangsarbeit,
  • Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz,
  • Vereinigungsfreiheit,
  • Wanderarbeitende,
  • Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf,
  • Faire Arbeitszeiten,
  • existenzsichernde Löhne,
  • Gleichstellung der Geschlechter sowie
  • indigene Völker.

Die Inhalte stützen sich auf die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechten, die auch die Grundlage für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz darstellen, und orientieren sich weiterhin an international anerkannten Rahmenwerken und Menschenrechtsstandards.

Praktische Beispiele für Herausforderungen in der Lieferkette

Das Ziel des Praxislotsen: Unternehmen erhalten die wichtigsten Informationen zu Menschenrechtsthemen auf einen Blick und setzen neu Erlerntes im eigenen Betrieb und in ihren Wertschöpfungsketten um. Nutzer:innen bekommen einen Überblick über relevante Definitionen, internationale Rahmenwerke, Zahlen und Fakten sowie Risikofaktoren und ihre Auswirkungen für Unternehmen und Menschenrechte.

Dabei schlägt das Online-Tool auch die Brücke zur Praxis: Mit Hilfe von praktischen Beispielen macht es deutlich, wie Unternehmen mit Menschenrechtsrisiken entlang der Lieferkette umgehen und menschenrechtliche Sorgfalt in die eigenen Prozesse integrieren können. Diesen Fokus des Praxislotsen stellt auch Laura Curtze vom UN Global Compact Netzwerk Deutschland (UN GCD) heraus: „Wir brauchen weniger Abstraktion. Nur wenn wir Menschenrechtsthemen und Herausforderungen wirklich verstehen, können wir positiv verändern. An dieser Stelle leistet der Praxislotse einen wertvollen Beitrag.“  Die Beispiele, die sowohl von bekannten multinationalen als auch von mittelständischen Unternehmen stammen, knüpfen an konkrete Herausforderungen im Geschäftsalltag an und werden laufend erweitert.

Rückblick: Launch-Event am 30. März 2022

Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde der Praxislotse im Rahmen eines Launch-Events am 30. März 2022. Einleitend hob dabei Anosha Wahidi, Referatsleiterin Grundsatzfragen Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten und Beauftragte für Nachhaltigkeitsstandards im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), hervor: „Unternehmerische Sorgfaltspflichten rücken in den Fokus. Weltweit sehen wir einen Trend zu mehr Verantwortung der Unternehmen und mehr Verbindlichkeit. Es ist wichtig, dass sich Unternehmen jetzt auf den Weg machen. Tools wie der Praxislotse Wirtschaft und Menschenrechte helfen dabei.“ Dass die Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfalt immer in enger Abstimmung mit den Beteiligten vor Ort stattfinden muss, betonte im Rahmen der Diskussion Miriam Saage-Maaß: „Wichtig ist, dass sich Unternehmen in der Umsetzung des Lieferkettengesetzes tatsächlich auf die Gebiete und Themen konzentrieren, wo sie Risiken haben und durch ihren Einsatz auch Veränderung herbeiführen können. Das heißt: Es braucht eine Anbindung an die Realitäten vor Ort,“ so die Rechtsanwältin, die am European Center for Constitutional and Human Rights das Programm Wirtschaft und Menschenrechte aufbaute.

Nicht zuletzt stellten auch Vertreter:innen von Unternehmen die Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung der eigenen Sorgfaltspflicht in den Lieferketten heraus: „Für Unternehmen bestehen Herausforderungen darin, die Risiken für „Rights-holder“ in oft verzweigten Liefernetzen sowohl umfassend zu erkennen als auch verantwortlich zu priorisieren", so Thorsten Pinkepank, Director Sustainability Relations bei BASF. Dass dabei auch große Chancen entstehen können, machte Janna Bruins, Head of Human Rights bei Lidl, deutlich: „Durch unsere Partnerschaft mit Save the Children haben wir gesehen, wie erfolgreich das Bündeln unserer Expertisen zu diesem sehr komplexen Thema ist.“

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