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„Alle Länder stehen vor denselben globalen Herausforderungen“

Robert Schöllhammer leitet die europäische Niederlassung der Asian Development Bank (ADB). Hier spricht er über die Aufgaben der Bank, ihre neue Strategie und darüber, welche Geschäftschancen es im asiatisch-pazifischen Raum für deutsche Unternehmen gibt.

Herr Schöllhammer, was sind die Aufgaben der Asian Development Bank?

Schöllhammer: Die ADB wurde 1966 gegründet, um die Entwicklung in Asien und der Pazifikregion zu fördern. Seitdem ist schon viel erreicht worden: Zur Zeit der Gründung der ADB waren die meisten asiatischen Ländern sehr arm. Heute verfügen sie mehrheitlich über mittleres Einkommen. Einige sind allerdings immer noch sehr arm: Afghanistan oder Nepal zum Beispiel.Die ADB hat 68 Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland. Die Bundesrepublik war Gründungsmitglied und ist mit 6,4 Milliarden US-Dollar Kapital der größte europäische Aktionär der Bank. Die ADB verkauft Anleihen, um Mittel für ihre Projekte zu generieren – unsere allererste Anleihe war in Deutsche Mark.Da die Kreditwürdigkeit vieler Länder aber immer noch sehr gering ist, arbeiten wir dort hauptsächlich mit Zuschüssen, in Tadschikistan zum Beispiel.

Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der ADB gibt es für Unternehmen?

Schöllhammer: Die ADB ist nach wie vor in erster Linie Finanzierer von Regierungsprojekten, das heißt, unsere Mitgliedstaaten erhalten Kredite oder Zuschüsse, mit denen sie Projekte umsetzen. Alle Projekte werden nach ADB-Standards realisiert und die Beschaffung erfolgt nach ADB-Richtlinien. Vertragspartner der Unternehmen sind also die jeweiligen Mitgliedstaaten. Wir arbeiten aber auch direkt mit Unternehmen, die in Entwicklungsländer investieren wollen: Unser Private Sector Operations Department (PSOD) hat eine breite Palette von Produkten, dazu gehören zum Beispiel Darlehen oder Risiko- und Kreditgarantien. Wir fördern außerdem Unternehmen in Entwicklungsländern durch Eigenkapitalinvestitionen. Zurzeit macht das Geschäft von PSOD nur 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus, wir planen aber eine Steigerung in den nächsten Jahren auf 50 Prozent.

Sie leiten die Niederlassung der ADB in Europa. Welche Rolle spielen europäische Unternehmen bei der ADB?

Schöllhammer: Überall, wo wir im Asien-Pazifik-Raum arbeiten, kann man konkrete Beispiele von europäischer Beteiligung an ADB-Projekten sehen – deutsche medizinische Geräte in mongolischen Krankenhäusern zum Beispiel. Die meisten ADB-Projekte werden von Partnern aus der Privatwirtschaft durchgeführt. 2018 umfasste unser Portfolio 691 Projekte im Wert von 86,7 Milliarden US-Dollar. Zwischen 2014 und 2018 haben deutsche Firmen Aufträge im Wert von 1,05 Milliarden US-Dollar erhalten. Das ist nicht wenig, es gibt aber immer noch Verbesserungspotential. Die größten Vertragsmengen entfielen auf den Energiesektor. Allgemein gesehen legen unsere Kunden im Asien-Pazifik-Raum immer mehr Wert auf Innovation und „High Technology“. Deshalb sind wir auch immer auf der Suche nach innovativen Unternehmen, die richtigen Mehrwert für die Region bringen können.

Die ADB ist in sehr unterschiedlichen Ländern aktiv, der Entwicklungsstand reicht von weit fortgeschritten bis wenig entwickelt. Was sind die leitenden Prinzipien der ADB?

Schöllhammer: 2018 hat ADB eine neue Strategie verfasst, „Strategy 2030“, die unter anderem einen Fokus auf privatwirtschaftliche Investoren und deren Beitrag zur Entwicklung der Region legt. Armutsbekämpfung steht weiterhin an oberster Stelle. Ob wohlhabend oder arm, alle Länder stehen vor denselben globalen Herausforderungen. Neun der zehn weltweit am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder sind in Asien. Ohne Asien ist es unmöglich, die globalen Klimaziele zu erreichen.

Welche Ziele verfolgt die ADB?

Die ADB verfolgt das Ziel, Asien und den Pazifikstaaten zu mehr Wohlstand, Inklusion, Stabilität und Nachhaltigkeit zu verhelfen. Dabei liegt unser Fokus auf der Bekämpfung des Klimawandels, darauf, Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, regionale Kooperation und Zusammenarbeit zu fördern, Städte lebenswerter zu gestalten, die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben und Regierungskapazitäten zu stärken.

Welche Sektoren und Technologien sehen Sie als besonders relevant für die nächsten Jahre?

Schöllhammer: Transport, Energie, und Landwirtschaft sind unsere größten Investitionssektoren, die ADB ist immer noch nach Sektoren aufgestellt. Mit der „Strategy 2030“ planen wir eine eher thematische Herangehensweise. Die Entwicklung von lebenswerten Städten erfordert sektorübergreifenden Einsatz. Gleiches gilt für den Kampf gegen Klimawandel und die Gleichstellung der Geschlechter. Unsere Ansprechpartner in den Entwicklungsländern legen immer mehr Wert auf Lösungen für komplexe gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen, und ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Das heißt auch, dass praktische Erfahrungen aus Ländern wie Deutschland weiterhin hochgeschätzt werden.

An der Spitze der ADB hat Ende 2019 ein Wechsel stattgefunden, auf den früheren Präsidenten Tekehiko Nakao ist Masatsugu Asakawa gefolgt. Können wir neue Akzente erwarten?

Schöllhammer: Ich denke, es wird sicherlich einige Veränderungen geben. Herr Asakawa hat allerdings erst kürzlich sein Amt angetreten. Es ist also noch sehr früh. Ich gehe davon aus, dass wir den in der „Strategy 2030“ festgelegten Richtlinien weiter folgen werden.

Können Sie Unternehmen einen Rat für die Zusammenarbeit mit der ADB geben? Worauf kommt es beispielsweise an, wenn man erfolgreich an Ausschreibungen teilnehmen möchte?

Schöllhammer: Der Einstieg für Unternehmen, die sich erstmals bei ADB-finanzierten Projekten engagieren wollen, bedarf einer gezielten Vorbereitung. Interessenten sollten sich detailliert mit den geltenden Verfahrensrichtlinien sowie den ADB-Länderstrategien – Country Partnership Strategy und Country Operations Business Plan – vertraut machen. Detaillierte Informationen zu unseren Projekten sind in den „Project Data Sheets“ (PDS) zu finden. Consultants sollten sich im Consultant Management System der ADB registrieren. Natürlich sind Erfahrungen im Auslandsgeschäft, speziell in Entwicklungsländern und der Region, von großem Vorteil. Es ist auch sehr wichtig, die Bank gut kennenzulernen. Deshalb sind wie auch sehr froh, mit der AWE zusammenarbeiten. Durch unsere Zusammenarbeit haben wir exzellente Möglichkeiten, neue Unternehmen zu erreichen. 

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Carolin Welzel

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