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Investitionsmöglichkeiten in Äthiopien

Aus der Praxis

Die neue EU-Afrika-Strategie, die voraussichtlich 2021 auf dem 6. AU-EU-Gipfeltreffen beschlossen wird, will die partnerschaftliche Zusammenarbeit in ausgewählten Schlüsselbereichen stärken. Um Chancen für die angestrebte deutliche Aufstockung ökologisch, sozial und finanziell nachhaltiger und klimaresilienter Investitionen aufzuzeigen, präsentiert die AWE Einschätzungen afrikanischer Wirtschaftsvertreter zu Investitionspotenzialen in ausgewählten Branchen. Im letzten Beitrag der Reihe Chancenkontinent Afrika erläutert Aschalew Tadesse (Direktor für Investitionen bei der Äthiopischen Investitionskommission), warum Äthiopien trotz schwieriger Bedingungen über zahlreiche Investitionsmöglichkeiten verfügt.

Entwicklungspotenzial trotz schwieriger Bedingungen

Mit über 100 Mio. Einwohnern ist Äthiopien eines der bevölkerungsreichsten Länder Afrikas. Das ostafrikanische Land verfügt – nicht zuletzt dank der in den letzten Jahren mit chinesischer Unterstützung erstellten Straßen- und Eisenbahnanbindung an den Hafen von Dschibuti – über eine wirtschaftlich gute Ausgangsposition zur Anbindung an aufstrebende Märkte. So zählte Äthiopien mit einem BIP-Wachstum von 8,6 % in 2019 in den vergangenen Jahren zu den weltweit schnellst wachsenden Volkswirtschaften. Auch aufgrund vielversprechender Infrastrukturprojekte und politischer Fortschritte im Rahmen des international stark beachteten Friedensprozesses mit Eritrea im Jahr 2018 wurde von Äthiopien die Rolle eines regionalen Stabilitätsankers erwartet. Dennoch hat das Land immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. In jüngster Vergangenheit haben klimabedingte Naturkatastrophen, die Auswirkungen von COVID-19 sowie vor allem die innenpolitischen Unruhen der letzten Monate die wirtschaftlichen Aussichten mit einem Fragezeichen versehen.

„Zuvor aufstrebende Wirtschaftszweige wie die Luftfahrt-, Schnittblumen- und Tourismusindustrie wurden stark von der Coronakrise getroffen. 50 Prozent der Angestellten haben in diesen Sektoren ihren Arbeitsplatz verloren.“

Aschalew Tadesse, Direktor für Investitionen bei der Äthiopischen Investitionskommission

Nichtsdestotrotz ist Äthiopien langfristig ein attraktives Ziel für Investitionen aus dem Ausland. Makroökonomische Reformen und günstige Produktionsbedingungen im Rahmen von Industrieparks haben ein profitables Geschäftsumfeld geschaffen, das Vorteile für beide Seiten bietet. Von Joint Ventures erwartet die Äthiopische Investitionskommission eine Steigerung der Produktivität durch Technologie- und Wissenstransfers.

Äthiopische Investitionskommission

Als eigenständige Institution untersteht die Äthiopische Investitionskommission (EIC) der staatlichen Investitionsbehörde, welche vom Premierminister geleitet wird. Die EIC hat den Auftrag, Direktinvestitionen aus dem Ausland anzuwerben und Beziehungen zu aus- und inländischen Investoren zu pflegen. Darüber hinaus verfügt die Behörde über exekutive und regulative Befugnisse, zu denen die Ausstellung von Investitions-, Geschäfts- und Baugenehmigungen sowie die Abstimmung internationaler Abkommen gehören. Die Investitionskommission bietet Investoren zudem kostenfreie Beratungsdienstleistungen in Bezug auf Geschäftsmöglichkeiten und unterstützt bei der Umsetzung unternehmerischer Projekte.

Zahlreiche Investitionsmöglichkeiten

Bei der Anwerbung ausländischer Investitionen verfolgt die Äthiopische Investitionskommission klare Prioritäten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem leicht Industriellen Sektor, der als exportorientierter Wirtschaftszweig zur Erhöhung der Deviseneinlagen beiträgt. In der Konsumgüterindustrie hat sich Äthiopien auf Bereiche der Textil-, Lederwaren- und Lebensmittelverarbeitung spezialisiert. Das ostafrikanische Land bietet dabei besonders günstige Bedingungen für die Herstellung von Bekleidungswaren:

Äthiopien will Zentrum der afrikanischen Textilindustrie werden. Wir haben große Baumwollplantagen, niedrige Lohnkosten, eine zuverlässige Stromversorgung und den niedrigsten Strompreis in Afrika.“

Aschalew Tadesse, Direktor für Investitionen bei der Äthiopischen Investitionskommission

Neues Textilzentrum Afrikas: Äthiopien bietet optimale Bedingungen zur Herstellung von Bekleidungswaren.

Diverse europäische und US-amerikanische Firmen wie Decathlon oder PVH haben in den letzten Jahren Produktionsstätten in Äthiopien errichtet.

Weitere Schwerpunkte der Äthiopischen Investitionskommission sind der Ausbau des Tourismus, der Energieversorgung sowie der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Einen besonderen Stellenwert nimmt auch die Förderung der Produktion von Pharmazeutika ein. Jährlich gibt die äthiopische Regierung rund 200 Millionen US-Dollar für die Einfuhr von grundlegenden Humanarzneimitteln aus. Damit dieser Bedarf künftig aus eigener Produktion gedeckt werden kann, möchte die EIC ausländische Investoren ins Land holen:

„Deutschland ist ein führendes Land im Bereich der Pharmaindustrie. Wir möchten deutsche Investoren ermutigen, in unsere Pharmaparks zu kommen. Die Regierung verpachtet das Land für 45 Jahre an die Investoren.“

Aschalew Tadesse, Direktor für Investitionen bei der Äthiopischen Investitionskommission

Handelsbeziehungen 2019 Äthiopien.

Kooperation mit Deutschland

Traditionell pflegen Äthiopien und Deutschland gute Beziehungen zueinander. Beispielsweise ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt Äthiopiens in Europa. Als Reformpartnerland ist Äthiopien außerdem seit 2019 ein Schwerpunktpartner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Unter anderem unterstützt Deutschland die wirtschaftliche Entwicklung und berufliche Bildung des Landes. Auch im Rahmen der G20-Initiative “Compact with Africa“ konnte die Zusammenarbeit vertieft werden:

„Äthiopien hat sehr vom "Compact with Africa" profitiert. Das Programm ist von gegenseitigem Nutzen.  Für unsere Investitionskommission ist die Durchführung eines Ausbildungs- und Kapazitätsaufbauprogramms in diesem Rahmen sehr gewinnbringend.“

Aschalew Tadesse, Direktor für Investitionen bei der Äthiopischen Investitionskommission

Ihr Kontakt in der AWE

Ina Dettmann-Busch 
Senior Beraterin für Handel 
Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
+49 30 726256-86

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