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Nachhaltiges Reisen: Zwischen Fernweh und Fridays For Future

Einerseits boomt der Massentourismus – andererseits wächst das Klimabewusstsein. Wie muss Tourismus in Zukunft also aussehen, um nachhaltig positiv zu wirken? Ist nachhaltiger und entwicklungsfreundlicher Tourismus überhaupt möglich? Bei der Veranstaltung „Zwischen Fernweh und #FridaysForFuture – (wie) geht nachhaltiges Reisen?“ am 3. Juli 2019 in Bonn standen diese und weitere Fragen im Mittelpunkt. Rund 200 Gäste folgten der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und des Bonner General-Anzeigers. Auf dem Podium diskutierten Ulrike Braun, Leiterin Nachhaltigkeit bei DER Touristik, und Reisebloggerin Inka Chall von www.blickgewinkelt.de mit Andreas Hofmann, Berater für Tourismus bei der GIZ; Lutz Warkalla aus der Redaktion des Bonner General-Anzeigers moderierte.

Die Reisebloggerin: "Ich bin viel mehr vor meiner Haustür unterwegs"

Allein 2018 wurden weltweit 1,4 Milliarden internationale touristische Ankünfte verzeichnet, Tendenz steigend. Der Tourismus ist Devisenbringer und schafft Arbeitsplätze. Gleichzeitig bringt er kulturelle, soziale und ökologische Herausforderungen mit sich – vor allem in den Zielländern. Wie kann Tourismus gestaltet sein, damit er den Menschen dort wirtschaftliche und soziale Perspektiven bietet und gleichzeitig die Umwelt schont? Wie lassen sich die Potenziale des Tourismus nutzen und seine Risiken minimieren? Den negativen Impact in etwas Positives umzuwandeln, empfahl Reisebloggerin Inka Chall und forderte ein Verbot von Inlandsflügen und einen bewussteren Umgang mit Flugreisen generell. In Fällen, bei denen man darauf nicht verzichten könne, könnten zum Beispiel Kompensationen helfen. „Ich selbst bin vor zwei bis drei Jahren richtig aufgewacht. Seitdem nutze ich keine Inlandsflüge mehr und bin viel mehr vor meiner Haustür unterwegs – auch Brandenburg hat viel zu bieten!“ 

Dass Tourismus in fernen Ländern positive Effekte haben kann, zeigte Ulrike Braun von DER Touristik: „Nachhaltigkeit darf dabei kein Luxus sein. Gerade das Massenprodukt kann ein großer Hebel sein – zum Beispiel, wenn bettenreiche Hotels das Büfett nachhaltiger gestalten, indem sie regionale Lebensmittel beziehen und Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung ergreifen.“ Verantwortungsvoll gestaltete Ausflugsmodelle fördern lokale Beschäftigung und tragen zum Ressourcen- und Tierschutz bei. Auch soziale Aspekte wie die Förderung der Menschenrechte und der Schutz vor sexueller Ausbeutung müssen laut Braun bei der Gestaltung von Reiseprodukten berücksichtigt werden.

Der Berater: "Wenn keine Gäste kommen, ist auch niemandem geholfen"

„Wenn keine Gäste mehr ins Land kommen, ist auch niemandem geholfen“, unterstrich Andreas Hofmann von der GIZ die Bedeutung des Tourismus für viele Entwicklungs- und Schwellenländer. „Wenn man Tourismus für nachhaltige Entwicklung und Fortschritt einsetzt, können alle davon profitieren“. Wichtig sei die enge Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche in Deutschland sowie mit Hotels und Investoren vor Ort – aber auch mit lokalen Behörden, Politik und Bildungseinrichtungen. Ziel sei es, über Risiken und Chancen aufzuklären und die Bevölkerung einzubeziehen. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert die GIZ den Austausch zwischen deutscher Tourismusindustrie und anderen Branchenakteuren, um Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Konsens herrschte darüber, dass sowohl die Tourismusbranche als auch Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Verantwortung übernehmen sollten. Tourismusunternehmen können für mehr Transparenz sorgen: zum Beispiel durch die Kennzeichnung negativer Auswirkungen eines Reiseangebots und die Integration von Produkten mit positiver Wirkung. Reisende selbst können verantwortlich handeln, indem sie auf ihren ökologischen Fußabdruck achten und ihr Reiseverhalten hinterfragen. 

Die AWE-Expertin: "Nachhaltiger Tourismus bietet Chancen für alle Beteiligten"

Nachhaltigkeit und Verantwortung sind die Leitmotive der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Tourismus. Derzeit werden von der GIZ im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums mehr als 60 Projekte durchgeführt, die eine Tourismuskomponente haben. Zudem hat die Arbeit zahlreicher Fachleute vor Ort einen Tourismusschwerpunkt. 

Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist auch im Bereich Tourismus eines der Kernthemen des BMZ. Es gibt bilaterale Kooperationen mit einzelnen Unternehmen, außerdem bringt der Branchendialog „Tourismus für nachhaltige Entwicklung“ Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Tourismuswirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Auch die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE) ist an diesem Dialog beteiligt, zuständig ist AWE-Senior-Beraterin Karla Beteta. „Wir möchten deutsche und europäische Tourismusunternehmen ermutigen, sich in Entwicklungs- und Schwellenländer zu engagieren und Wirtschaft und internationale Zusammenarbeit zusammenzudenken“, sagt sie. „Nachhaltiger Tourismus bietet Chancen für alle Beteiligten, und es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, mit dem Privatsektor zu kooperieren. Dafür informieren wir in erster Linie über die Potenziale der Förder- und Finanzierungsinstrumente und zeigen Zusammenhänge auf, bringen unsere interkulturelle und branchenbezogene Erfahrung ein. Dieses Netzwerken ist das Herzstück unserer Arbeit.“

Der Branchendialog „Tourismus für nachhaltige Entwicklung“ erarbeitet Lösungen für touristische Regionen, um dort die negativen Effekte des Tourismus zu minimieren und die Potenziale der Branche für eine nachhaltige Entwicklung zu nutzen. Der Marktanteil der im Branchendialog vertretenen Reiseveranstalter liegt aktuell bei 44 Prozent. 

Informationen zum Tourismus als Motor für nachhaltige Entwicklung finden Sie auf den Sonderseiten des BMZ unter www.bmz.de/webapps/tourismus 

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