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Diversifizierung im Energiesektor: Herausforderung und Chance

Teilnehmende der Paneldiskussion zur Diversifizierung im Energiesektor
Von links nach rechts: Holger Lösch, Carolin Welzel, Carina Brehm & Martin Wimmer

Die Klimaziele von Paris, der Atomausstieg, der Ausbau der Erneuerbaren Energien – der Energiesektor ist seit Jahren geprägt von Herausforderungen und Wandel. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine rückt jetzt auch die Energiesicherheit zunehmend in den Vordergrund. Das erklärte Ziel von Europäischer Union und Bundesregierung: Mehr Unabhängigkeit von russischen Öl- und Gaslieferungen. Wie kann das kurz- aber auch langfristig gelingen?

Die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung nahm diese Frage zum Anlass, im Rahmen eines hochrangig besetzten Webtalks Perspektiven für den Energiesektor und seinen Einfluss auf Industrie und Wirtschaft zu erörtern. Die 30-minütige Paneldiskussion zum Thema "Energiesektor im Stresstest: Wie verändert der Krieg in der Ukraine die Märkte?“ beim Tag der Industrie am 20. und 21. Juni 2022 moderierte AWE-Seniorberaterin Carolin Welzel.  Am Panel nahmen teil (im Bild von links nach rechts)

  • Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) 
  • Carolin Welzel (Moderation), Senior Beraterin, Agentur für Wirtschaft & Entwicklung
  • Carina Brehm, Vice President Strategy, Sustainability and Technology Office Transmission, Siemens Energy AG 
  • Martin Wimmer, Chief Digital Officer und kommissarischer Leiter der Unterabteilung "Transformation der Wirtschaft; Digitalisierung" im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 
  • Dr. Kirsten Westphal, Executive Director Analysis & Research bei der H2Global-Stiftung (nicht im Bild) 

Mittel- und langfristige Chancen erkennen

Holger Lösch, Vize-Hauptgeschäftsführer des BDI, wies einleitend auf eine unmittelbare Gefährdung für die deutsche Industrie hin: „Wir werden uns nicht kurzfristig und komplett von russischen Öl- und Gaslieferungen lösen können. Das heißt, wir sind in einer Risikosituation.“  

Mittel- und langfristig ginge die aktuelle Entwicklung jedoch mit einem Push für Technologien einher, die eine echte Transformation darstellen. Daher sei es jetzt wichtig, die richtigen Weichen zu stellen, um kurzfristig aus der Abhängigkeit herauszukommen und gleichzeitig echte Zukunftsaussichten zu schaffen.  

Ein Drahtseilakt, bei dem es vor allem auf das richtige Timing ankomme: Denn im Rahmen dieser Transformation dürften Wertschöpfung und Wachstum nicht aus den Augen verloren werden, so Lösch. So werde vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse auch ein neuer Fokus deutlich: Weg von nur sauberer Energie – hin zu sauber, sicher und bezahlbar. Perspektivisch würden zudem nicht mehr nur bodenstoffreiche Länder den Energiemarkt dominieren. All jene Länder, die jetzt in erneuerbare Energien investieren, könnten dann auch zu Playern auf einem zunehmend technologiegetriebenen Energiemarkt aufsteigen. Diese Länder auf ihrem Weg zu unterstützen, sei eine große Chance für die deutsche Industrie.  

Dass der Hauptfokus für viele Unternehmen mittlerweile beim Thema Versorgungssicherheit liegt, bekräftigte auch Carina Brehm von der Siemens Energy AG. Um im industriellen Umfeld die eigenen Ziele zu erreichen, müssten Produktionsprozesse transformiert werden. Eine mögliche Strategie sei zum Beispiel die Nutzung von Abwärme aus Industrieprozessen oder die Diversifizierung der eigenen Energiequellen durch Nutzung von Photovoltaik-Anlagen. Grundsätzlich sei die Krise jedoch nur gemeinschaftlich von Gesellschaft, Politik und Industrie zu meistern. 

Grüner Wasserstoff: eine echte Perspektive?

Eine mögliche Perspektive: grüner Wasserstoff. Der Technologie werde eine große Rolle bei der Versorgungssicherheit deutscher Unternehmen zu Teil, so Kirsten Westphal. Allerdings wies die Leiterin der H2Global-Stiftung auch auf bestehende Hürden beim flächendeckenden Einsatz hin: „Die große Herausforderung beim Wasserstoff ist natürlich die Frage: Wie schnell bringen wir die Kosten runter für die Technologien und wie schnell schaffen wir einen Markthochlauf, wo möglichst viele flexibel diesen Stoff einsetzen können?“ Dies sei zunächst durch Zwischenschritte zu erreichen.

Regionale Cluster zur weiteren Erforschung grüner Energiequellen sollen zeitnah zur Diversifizierung der Energieversorgung führen. Das Credo: Flexibilität. Ob grüner Wasserstoff, Wärmeenergie oder andere Stoffkreisläufe, die Industrie müsse ihren Strom künftig aus unterschiedlichen Quellen beziehen und dürfe sich nicht mehr von einzelnen Lieferanten abhängig machen.

Einfluss auf die Entwicklungszusammenarbeit

Eine große Herausforderung ist die Verknappung und Verteuerung des Energieangebots für Entwicklungsländer. Um den kurzfristigen Wegfall von Energiequellen zu kompensieren, fehlt es oft an Ressourcen. Zentral sei an dieser Stelle der Ausstieg aus den fossilen Energien und der Umstieg auf erneuerbare Quellen, erklärte Martin Wimmer vom Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ).  

Dafür benötige es mehr Diversifizierung bei der Stromerzeugung. „Hierbei wollen wir die Wirtschaft stärker in die Zusammenarbeit mit dem globalen Süden einbinden.“, so Wimmer. Gleichzeitig gelte es aber auch Technologien zu diversifizieren, zum Beispiel durch den Einsatz von Wasserstoff. „An dieser Stelle investieren wir seit langer Zeit über die KfW im Bereich der Finanziellen Zusammenarbeit aber auch mit der GIZ im Bereich der technischen Zusammenarbeit. So unterstützen wir unsere Partnerländer, mit unseren Industriepartnern in Deutschland so ins Geschäft zu kommen, dass langfristig eine Diversifizierung erreicht wird und die Menschen davon profitieren.“ Möglich sei dies, das betonte Wimmer, ausschließlich mit erneuerbaren Energien: „Strategien der 1950er- und 1960er- Jahre werden uns mit Sicherheit nicht in die Zukunft führen.“ 

Herausforderung Netzausbau

7500 Kilometer Netz, das erneuert, erweitert und modernisiert werden muss: Um die ambitionierten Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu erreichen, hat der Netzausbau in Deutschland weiterhin Priorität. Für die Beschleunigung dieses Prozesses gebe es verschiedene wirksame Hebel, betonte die Siemens-Netzexpertin Carina Brehm. Neben der Standardisierung von Komponenten wie Transformatoren, seien beschleunigte Genehmigungsverfahren notwendig. Gleichzeitig gelte es, die Stromnetze als kritische Infrastruktur zu schützen: zum einen vor Cyberattacken und zum anderen – im Falle von Sicherheitsgefährdungen – durch den Ausschluss von Equipment-Herstellern, die nicht zu geostrategischen Partnern Deutschlands gehören. 

Auch aus globaler Perspektive spielt der Ausbau der Netzinfrastruktur eine übergeordnete Rolle. Beispiel Afrika: Bisher findet bei der Stromversorgung vieler Länder keine Vernetzung statt. Das heißt, dass Energieaustausch und -handel ausbleiben. Mithilfe deutscher Industrieunternehmen können hier Netze geschaffen werden, die durch Interkonnektivität erneuerbarer Energien eine nachhaltig stabile Energieversorgung schaffen – mit nicht zu unterschätzenden positiven Effekten auf die Volkswirtschaften der jeweiligen Entwicklungs- und Schwellenländer.  

Dass die Karten auf einem technologiegetriebenen Energiemarkt neu gemischt werden, unterstrich abschließend Martin Wimmer: „Auf dem neu ausgehandelten globalen Markt müssen sich Deutschland und Europa neu bewähren.“  

Sie haben Fragen zum Thema? Ihr Kontakt in der AWE

Carolin Welzel
Expertin für Internationale Organisationen 
+49 (0)30 726256-97 

Verick Schick
Experte für Klimaschutz, Energieeffizienz und Nachhaltige Energiesysteme
+49 (0)30 726256-90

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