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Schnelleinstieg

Ein Fuß in der Tür. Wirtschaftliche Perspektiven in Syrien

Auf dem Bild sieht man Männer vom deutschen Unternehmen Iproplan und dem syrischen Energieministerium NERC, die zusammenarbeiten.
Das deutsche Unternehmen Iproplan arbeitet eng mit dem syrischen Energieministerium NERC zusammen.

Syrien steht seit dem Ende des Krieges vor einer gewaltigen Aufgabe: dem Wiederaufbau. Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Energie – der Bedarf ist enorm. Genau darin liegen Chancen für deutsche Unternehmen, die Know-how, Technologie und langfristiges Engagement mitbringen. Mit dem InfoDesk Syrien bietet die AWE interessierten Unternehmen nun ein Beratungsangebot zu Fördermöglichkeiten.

Wie findet man den Einstieg in einen Markt, der sich nach jahrelanger Isolation gerade erst wieder öffnet? Lohnt sich das überhaupt? Und wie unterstützen die deutsche Bundesregierung oder die Europäische Union Unternehmen dabei? Vor diesen Fragen stehen Firmen aktuell, die über ein Investment in Syrien nachdenken. Der InfoDesk Syrien der AWE liefert Antworten: Er bietet deutschen Unternehmen umfassende Beratung zu Finanzierungs- und Unterstützungsprogrammen für den Einstieg in den syrischen Markt – von EU-Mitteln bis hin zu Instrumenten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Das Ziel: den Markteintritt erleichtern und eine Win-Win-Win-Situation für die Privatwirtschaft, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und die Partner in Syrien schaffen.

Erste Schritte. Chemnitzer Unternehmen iproplan in Aleppo 

Auf dem Bild sieht man Saad Baradiy, der das iproplan-Planungsbüro in Aleppo leitet.
Der Deutsch-Syrer Saad Baradiy leitet das iproplan-Planungsbüro in Aleppo.

Dass das keine abstrakte Vision ist, zeigt das Planungsbüro iproplan aus Chemnitz. Das Unternehmen war bereits vor dem Krieg in Syrien aktiv, hat sein Engagement 2025 wiederaufgenommen – und macht nun vor, wie der Einstieg in einen herausfordernden, aber zukunftsträchtigen Markt gelingen kann. „Wir haben uns zuerst an der von Deutschland finanzierten Sanierung von fünf Krankenhäusern beteiligt“, sagt der Deutsch-Syrer Saad Baradiy, der nun das iproplan-Auslandsbüro in Aleppo leitet. Dort macht der promovierte Maschinenbauingenieur, was er in Deutschland schon seit Jahren tut: Energieeffizienz-Standards in die Bauplanung einbringen und Baufachleute in diesem Bereich ausbilden. Besonders im Bereich Wärmeschutz ist Baradiy aktiv: „Es gibt zwar auch in Syrien eine Wärmeschutzverordnung“, sagt er, „aber die wird seit 15 Jahren nicht angewendet und ist schon lange nicht mehr auf dem technisch aktuellsten Stand.“ Für iproplan arbeitet er daher vor Ort daran, gemeinsam mit den zuständigen Ministerien und politisch Verantwortlichen einen modernen, technisch aktuellen und nachhaltigen Energieeffizienz-Code zu entwickeln. Er soll im syrischen Bauplanungsrecht angewendet werden. 

In diesem Projekt findet klassischer Know-how-Transfer statt – und solche Projekte sind förderfähig durch das develoPPP-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „DeveloPPP ist eine große Hilfe: Die Förderung trägt 50 Prozent der Kosten“, erklärt Baradiy. 
Gemeinsam mit syrischen Partnern, etwa den Ingenieurskammern vor Ort, bildet iproplan nun Multiplikatoren aus. Dafür hat Baradiy im Februar 2026 in Damaskus einen Kick-off-Workshop zum Thema Energieeffizienz und Wärmeschutzverordnung ausgerichtet – eine Veranstaltung, zu dem Bau- und Energiefachleute aus dem ganzen Land angereist sind. Auch den syrischen Nachrichten war es einen Beitrag wert. Die Ausbildung einer bestimmten Zahl von Multiplikatoren – Ingenieur*innen, Architekt*innen, Bautechniker*innen – ist einer der Indikatoren, mit denen das BMZ den Erfolg der Förderung über das develoPPP-Programm misst. „40 Multiplikatoren war das Ziel“, sagt Baradiy: „Wir erwarten mehr als 1.000 Anfragen.“

Netzwerke für den Neustart

Arbeit für Baufachleute gibt es genug: Denn das jahrelang isolierte Land öffnet sich gerade erst wieder und steht nach über einem Jahrzehnt Krieg nun vor dem Wiederaufbau. Nicht nur Gebäude, auch Straßen, Schienen, Stromnetze und Transportknotenpunkte, die entweder durch den Krieg zerstört wurden oder noch nie richtig ausgebaut waren, sollen jetzt nach und nach aufgebaut und modernisiert werden. Baradiy hat aus diesem Grund zuletzt einen Experten für Abfallbeseitigung von der Universität Rostock mit Entscheidungsträgern der Stadtverwaltung Aleppo bekanntgemacht. In den Ämtern sitzen neue Köpfe, sagt Baradiy, aber die Strukturen seien die alten, und gelegentlich müsse er im Energieministerium noch das Prinzip eines Förderprogramms wie develoPPP erklären. „Dass Deutschland private Unternehmen in einem anderen Land fördert, sorgt hier gelegentlich noch für irritierte Nachfragen“, sagt Baradiy. In Syrien sei dieses Prinzip noch nicht allgemein bekannt. 
Eine Herausforderung bleibt aktuell der Geldtransfer, auch die Postzustellung oder Dienste wie Google Maps funktionieren noch nicht immer einwandfrei bzw. sind in Syrien nicht verfügbar. Doch trotz dieser völlig anderen Rahmenbedingungen, mit denen es deutsche Unternehmen in Syrien zu tun bekommen, lohnt sich das Engagement – davon ist Baradiy und mit ihm iproplan überzeugt. „Hier bereits jetzt präsent zu sein ist die beste Möglichkeit, frühzeitig Partnerschaften aufzubauen und Netzwerke zu knüpfen“, sagt Baradiy. 

Dafür braucht es in Syrien ernstgemeinte Ansätze zur Zusammenarbeit, inhaltlich fundierte Kooperation mit lokalen Partnern und langfristig angelegtes Engagement. Es ist daher wichtig, frühzeitig Kontakte zu knüpfen und Interesse zu zeigen, findet Baradiy: „Dann sind wir diejenigen, auf die unsere syrischen Partner zugehen werden, wenn das Land durchstartet und die konkreten Aufträge zu vergeben sind.“

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