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Ukraine. Es ist alles etwas schwieriger geworden, aber es funktioniert

Auf dem Bild sieht man die  Belegschaft der Düvelsdorf Ukraine mit Jan Düvelsdorf (rechts) und Direktor Düvelsdorf Ukraine Andrej Denisenko (links) im Vordergrund.
Die Belegschaft der Düvelsdorf Ukraine mit Jan Düvelsdorf (rechts) und Direktor Düvelsdorf Ukraine Andrej Denisenko (links) im Vordergrund

Seit vier Generationen vertreibt das mittelständische Familienunternehmen aus Ottersberg Landmaschinen. Eine eigene Produktion entstand 2012 in Khmelnytskyi im Westen der Ukraine. Hier sind auch die meisten der 118 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Wir sprachen mit Jan Düvelsdorf, einem von drei Geschäftsführer:innen des Unternehmens, wie sie die Herausforderungen des Krieges meistern und welche Rolle die Investitionsgarantien des Bundes dabei spielen.

AWE: Herr Düvelsdorf, Ihr Unternehmen hat eine lange Tradition im Vertrieb von Landmaschinen. Können Sie uns erzählen, welche Rolle die Ukraine in Ihrer Unternehmensstrategie spielt?

Jan Düvelsdorf: Wir starteten unsere Aktivitäten in der Ukraine gemeinsam mit anderen deutschen Unternehmen vor mehr als zwanzig Jahren mit einem Einkaufsbüro. Als es darum ging, einen eigenen Produktionsstandort aufzubauen, wählten wir die Ukraine, nachdem wir  verschiedene Länder geprüft hatten. Ausschlaggebend hierfür waren neben den bereits bestehenden Kontakten insbesondere die geringen Lohnkosten sowie die hervorragende Qualifikation der lokalen Fachkräfte in der Metallverarbeitung. Nachdem wir drei Hallen aus alten Sowjetbeständen gekauft und von Grund auf saniert hatten, eröffnete Düvelsdorf 2012 seine Produktionsstätte in Khmelnytskyi. Hier werden seitdem unsere Landmaschinen produziert, die wir über unsere Zentrale in Ottersberg hauptsächlich in Deutschland vertreiben.

AWE: Wie hat der Krieg die Betriebsabläufe in Ihrem ukrainischen Werk beeinflusst?

Jan Düvelsdorf: Zu Beginn des Krieges herrschte große Unsicherheit. Wir mussten uns schnell an die neue Situation anpassen, wobei die Flexibilität und Kreativität unserer Mitarbeiter:innen vor Ort sehr geholfen haben. Die ukrainische Belegschaft ist sehr resilient, und die Produktion läuft weiter, wenn auch langsamer als vor dem Krieg. Weil es weniger Spediteure gibt und die polnische Grenze blockiert wird, dauern Transporte aus der Ukraine nach Deutschland nun zwei bis vier Wochen Vor dem Krieg hat eine Woche ausgereicht. Auch die Bearbeitungszeiten im Finanzverkehr haben sich aufgrund der Sanktionen verlängert. Der Alltag der Mitarbeiter:innen wird natürlich durch den Krieg sehr geprägt, von 120 Mitarbeiter:innen in der Ukraine ist die Belegschaft auf 93 Köpfe geschrumpft. Das Stromnetz läuft dagegen nach Ausfällen im Winter 2022/23 sehr stabil. Insgesamt kann man sagen, dass alles etwas schwieriger geworden ist, aber es funktioniert.

AWE: Welche spezifischen Maßnahmen haben Sie ergriffen, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

Jan Düvelsdorf: Wir haben verschiedene strategische Entscheidungen getroffen, um die Produktion zu stabilisieren. Wir haben zum Beispiel unsere Lagerbestände erhöht, um eventuelle Unterbrechungen in der Lieferkette abzufedern. Zudem haben wir in Notstromaggregate investiert, um bei Stromausfällen weiter produzieren zu können. Diese Investitionen wurden teilweise durch Kredite finanziert, die wiederum durch die Investitionsgarantien des Bundes abgesichert sind.

Investitionsgarantien des Bundes

Investitionsgarantien des Bundes bieten deutschen Unternehmen Schutz vor politischen Risiken für Direktinvestitionen im Ausland. Die Bundesregierung überwacht kontinuierlich die wechselnden Umstände in der Ukraine, um Unternehmen bestmöglich zu unterstützen. Ob eine Investitionsgarantie gewährt wird, entscheidet sie aufgrund der Risiken für jedes einzelne Projekt. Investitionen deutscher Firmen spielen eine wesentlicheRolle in der Ukraine-Strategie der Bundesregierung.

AWE: Die Investitionsgarantien spielen also eine wichtige Rolle. Können Sie er erläutern, wie Investoren sie beantragen können?

Jan Düvelsdorf: In der Tat sind die Investitionsgarantien für uns elementar. Sie helfen uns, die finanziellen Risiken zu mindern, die mit der Produktion in einem geopolitisch instabilen Umfeld verbunden sind.. Ein Mitarbeiter von PwC wies mich während einer Veranstaltung auf diese Absicherung hin und unterstützte uns während des gesamten Antragsprozesses. Wir mussten unsere wirtschaftliche Situation offenlegen und gewährleisten, dass wir soziale Standards einhalten. Obwohl diese formalen Standards in der Ukraine für uns neu waren, konnten wir sie dank der umfassenden Beratung erfüllen. Nach rund vier Monaten wurde der Kredit bewilligt, und es ist anzumerken, dass dies ohne die Investitionsgarantien deutlich schwieriger gewesen wäre.

AWE: Was beeindruckt Sie am meisten an der Art und Weise, wie Ihre Mitarbeiter:innen in der Ukraine auf die Kriegssituation reagieren?

Jan Düvelsdorf: Am meisten beeindruckt mich der unglaubliche Einsatz und die Widerstandsfähigkeit unserer ukrainischen Mitarbeiter:innen. Trotz der schwierigen Umstände gibt es einen starken Willen für ihr Land einzutreten. Dies äußert sich nicht nur in militärischen Anstrengungen, sondern auch darin, wie sie wirtschaftlichen Fortschritt anstreben. Jede Ukrainerin und jeder Ukrainer möchte dazu beitragen. Unter anderem in dieser Motivation der Mitarbeitenden liegen große Chancen für Unternehmen.
 

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AWE-Beraterin Carolin Welzel

Carolin Welzel

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