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Fair geht vor

Das Bild zeigt die fünf Unternehmer:innen, die faire, soziale und grüne Geschäftsmodelle vorstellten.vor
Fünf Unternehmer:innen stellten faire, soziale und grüne Geschäftsmodelle vor

Ohne unternehmerisches Denken, Innovationskraft und die finanziellen Ressourcen der Wirtschaft ist die sozial-ökologische Transformation nicht denkbar. In fünf Kurzpräsentationen demonstrierten Unternehmer:innen auf der Partners in Transformation-Veranstaltung, wie  faire, soziale und grüne Geschäftsmodelle aussehen, von denen alle profieren. 

1000 Liter Trinkwasser für 50 Cent

Sauberes Trinkwasser ist vielerorts rar, mit dem Klimawandel verschärft sich das Problem. Die Boreal Light GmbH kann helfen. Das Unternehmen produziert Wasserentsalzungssysteme, die mit Solarenergie laufen. Die Anlagen seien einfach zu bedienen und man könne 1.000 Liter Trinkwasser direkt aus dem Ozean für nicht mehr als 50 Cent herstellen, erklärte Geschäftsführer Dr. Hamed Beheshti. Er wolle sich nicht in technischen Details verlieren, so Beheshti, denn: „Viel wichtiger sind die Partnerschaften vor Ort.“ So versorge das System nun zum Beispiel ein Krankenhaus im nordkenianischen Lodwar mit Trinkwasser. Das überschüssige Wasser aus den Entsalzungsanlagen nutzten die Menschen vor Ort zur Fischzucht und zum Anbau von Obst oder Gemüse und versorgten damit das Krankenhaus.   

Nachdem 2022 russische Bomben viele Leitungen in der Ukraine zerstört und kontaminiert hatten, mangelte es auch dort an trinkbarem Wasser. „Mit der großzügigen finanziellen Unterstützung der DEG Impulse gGmbh, einer Tochtergesellschaft der Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (KfW-DEG) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben wir in der Ukraine eine weitere Partnerschaft gegründet. Zusätzlich hat uns die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bei der Abwicklung des Transports der Systeme unterstützt. So haben wir in der Stadt Mykolaiv das größte europäische Wasserentsalzungssystem installieren können.“ Das Projekt sei ein gutes Beispiel dafür, wie Technologien, die wir in Deutschland entwickeln und herstellen, dabei helfen, aktuelle Herausforderungen zu meistern, betonte Beheshti.

1000 Ausbildungsplätze in Ecuador 

Wie wichtig Netzwerke und Partnerschaften für die Menschen vor Ort in den Partnerländern sind, machte Dr. Wolfgang Epp von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen in seinem Vortrag deutlich. Die IHK kooperiert in Ecuador mit dem Textilverein, Metallverbänden und Aus- und Fortbildungsanbietern. „Es ist uns mit unseren Partnern und rund 200 Betrieben gelungen, knapp 1.000 junge Menschen in Ausbildungen zu bringen – mit einer hohen Zufriedenheitsquote“, so Epp. Gerade Frauen würden nun verstärkt auch technische Berufe in der Verfahrens- oder Textiltechnik wählen, zudem entstünden Start-ups vor Ort. 

Fit für die Konkurrenz mit Robotern

Laila Berchane vom marokkanischen Unternehmen Robots & More wagte einen Blick in die Zukunft, speziell auf die Jobs von morgen. Digital Detox Therapeut:innen oder Timehacker? Die Unternehmerin rechnet damit, dass zukünftig fast 65 Prozent der Studierenden in heute noch unbekannten Arbeitsfeldern beschäftigt sein werden. Dabei werden sie voraussichtlich im direkten Wettbewerb mit Robotern stehen: „Wir müssen neue Fähigkeiten erlernen, damit wir in diesem Wettkampf nicht verlieren“, sagte die Gründerin. Robots & More will deshalb Klassenzimmer verändern: Robotik und projektbasiertes Lernen sollen Schüler:innen auf die Zukunft vorbereiten. „Wir etablieren Partnerschaften mit Schulen und stellen die richtigen Geräte bereit, die sie im Unterricht nutzen können“, erklärte Berchane.  
  
Die marokkanischen Schüler:innen sind von den neuen Lehrplänen begeistert. Vor allem das Interesse an MINT-Fächern wächst auch bei Mädchen, die immer noch häufig jung verheiratet werden. „Wir versuchen diese benachteiligte Bevölkerungsgruppe mit einzubeziehen“, so Laila Berchane. Schülerinnen in dem abgelegenen marokkanischen Dorf Tasguint, in der Taroudant Region ermöglichte Robots & More beispielsweise die Teilnahme an einem Wettbewerb. Sie mussten hier mit einem selbst konstruierten und programmierten Roboter einige Aufgaben im Zusammenhang mit Logistik und Lieferketten lösen: „Die Mädchen sind durch das Projekt zum ersten Mal aus ihrem Dorf herausgekommen und haben im Wettbewerb den zweiten Platz belegt. Als die Schülerinnen ins Dorf zurückkehrten, wurden sie mit einem Tanz gefeiert, der normalerweise bei einer frühen Hochzeit getanzt wird.“ 

94 % der Frauen in Textilfabriken geht es besser

Auch das schwedische Modeunternehmen Lindex engagiert sich für Frauen und Geschlechtergleichstellung in Entwicklungsländern. „Frauen sind nicht selten Opfer von Gewalt und es gibt zu wenig Frauen in Führungspositionen“, stellte Ann-Karin Dahlberg, Direktorin für Nachhaltigkeit bei Lindex in ihrem Pitch fest. Das Unternehmen wählte deshalb in Zusammenarbeit mit der GIZ rund 27 Fabriken in Bangladesch aus und sensibilisierte dort die Führungskräfte für Genderthemen, führte Gleichstellungspläne ein und entwarf gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen neue Karrierewege für Frauen. Außerdem gründete Lindex ein Frauencafé für Trainings und Wissensvermittlung. 
 
 „Die GIZ war der perfekte Partner“, betonte Dahlberg. „Die Partnerschaft in diesem dreijährigen Programm hat wirklich tolle Ergebnisse gezeigt. 94 Prozent der befragten Frauen haben eine Verbesserung bei ihren eigenen Chancen am Arbeitsplatz und der Arbeitsplatzatmosphäre wahrgenommen.“ Lindex erreichte mit dem Projekt circa 114.000 Mitarbeiter:innen, 80 Prozent davon sind weiblich.  

v.l.n.r. Dr. Hamed Beheshti, Laila Berchane, Ann Kathrin Dahlberg, Dr. Wolfgang Epp, Matti Spieker

95 % der Mitarbeiter können jetzt bei ihren Familien leben

In enger Kooperation mit der lokalen Landwirtschaft produziert das deutsch-kenianische Unternehmen LIMBUA Bio-Macadamianüsse, Bio-Macadamia- und Avocadoöl sowie getrocknete Mangos für den Handel in Europa und den USA. „Wir arbeiten mit über 7.000 kenianischen Kleinbauern zusammen. Das sind Bauern, die zwischen einem halben und einem Hektar Land haben und auf engem Raum zusammenleben“, erklärte Geschäftsführer Matti Spiecker. LIMBUA hat für die deutsch-kenianische Zusammenarbeit eine Software entwickelt und arbeitet mit Mobile Payment-Systemen. Außerdem setzt das Unternehmen auf faire Personalstrukturen: „Mehr als 95 Prozent unserer 700 Mitarbeiter kommen aus den umliegenden Gemeinden. Die meisten können zu Fuß zur Manufaktur gehen und so bei ihren Familien leben und nicht zum Beispiel in Slums in der Großstadt. Natürlich sind alle kranken- und rentenversichert.“  

Das Projekt wird seit 2020 durch das Förderprogramm AfricaConnect der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) unterstützt. Spieker bedankte sich für die gute Zusammenarbeit: „Gerade in der letzten Phase, als es um die Skalierung ging, haben wir sehr eng mit der DEG in dem Programm AfricaConnect zusammengearbeitet. Das Team leistet wirklich tolle Arbeit und hat viel Vertrauen in uns gesetzt.“  
  
Die fünf Projekte zeigen, wie die Menschen und die Wirtschaft von guten Partnerschaften und Investitionen in die globale sozial-ökologische Zukunft profitieren. „Wir haben heute erfahren, welche Auswirkungen die privatwirtschaftliche Beteiligung haben kann. Wir müssen es allerdings schaffen, in unserer Wertschöpfungskette die Veränderungen herbeizuführen, die möglich sind“, brachte es Ann-Karin Dahlberg auf den Punkt. 

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