Namibia, Brasilien, Indonesien. Wo die Zukunft entschieden wird

Zwischen weiten Küstenlinien, tropischen Inselwelten und den klaren Horizonten der Wüste entstehen neue Räume für wirtschaftliche Zusammenarbeit. In Brasilien, Indonesien und Namibia verdichten sich globale Wirtschaftstrends zu konkreten Chancen für deutsche Unternehmen – getragen von Technologie, Partnerschaften und nachhaltigen Geschäftsmodellen.
Namibia positioniert sich als verlässlicher Partner für kritische Rohstoffe und zugleich als aufstrebender Standort für grünen Wasserstoff. Besonders dort, wo Investitionen mit lokaler Wertschöpfung und Qualifizierung verbunden werden, entstehen stabile und langfristig tragfähige Kooperationen. In Brasilien treffen exzellente Wind- und Solarressourcen auf wachsende industrielle Nachfrage und machen das Land zu einem Schlüsselmarkt für erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff. In Indonesien spielen Abfallwirtschaft und Recycling bei der Modernisierung eine große Rolle.
In diesen drei der vier Länder, die Prof. Axel Dreher im Interview mit der Redaktion als besonders aussichtisreiche Märkte nennt, arbeiten Mitarbeiter der AWE. Wie schätzen sie die Voraussetzungen und Chancen für deutsche Unternehmen in den Märkten ein? Was kann die AWE hier für Unternehmen tun?
Namibia. Die Schätze der Neuzeit

von Dr. Lutz-Heiner Otto
Namibia entwickelt sich zu einem strategisch wichtigen Partner für deutsche Unternehmen, insbesondere in den Bereichen kritische Rohstoffe wie Lithium, Seltene Erden, Kupfer, Kobalt und Graphit. Noch weiter fortgeschritten ist die Zusammenarbeit jedoch im Bereich grüner Wasserstoff, wo Namibia durch seine idealen klimatischen Bedingungen und politischen Rahmenbedingungen bereits eine führende Rolle einnimmt. Die EU-Namibia-Strategische Partnerschaft (seit 2022) stärkt diese Position weiter, indem sie sichere Lieferketten, lokale Wertschöpfung und hohe ESG-Standards fördert. Deutsche Mittelständler können von Investitionen in Bergbauprojekte, Verarbeitungsanlagen und erneuerbare Energien profitieren, wobei der grüne Wasserstoff- und PtX-Sektor aktuell die dynamischsten Entwicklungen aufweist.
Die AWE unterstützt deutsche Unternehmen systematisch beim Markteintritt durch kostenfreie Beratung zu Fördermitteln und Finanzierungsoptionen (z. B. über KfW oder DEG) sowie durch Vernetzung mit namibischen Partnern. Ergänzend nutzt die AWE ihre Präsenz auf Fachveranstaltungen und enge Partnerschaften mit Verbänden und Außenhandelskammern in Deutschland und dem südlichen Afrika, um deutsche Unternehmen gezielt zu vernetzen und den Aufbau tragfähiger Rohstoffpartnerschaften zu erleichtern.
Die Zusammenarbeit zwischen deutschen Unternehmen und namibischen Behörden oder Betrieben funktioniert besonders gut, wenn Vertrauen, Transparenz und lokale Wertschöpfung im Mittelpunkt stehen. Die politische Stabilität Namibias und die Offenheit des Landes für ausländische Investitionen schaffen ein günstiges Umfeld für Partnerschaften. Besonders intensiv und erfolgreich gestaltet sich die Zusammenarbeit zum Beispiel im Bereich der Qualifizierung von Fachkräften. Hier tragen gezielte Ausbildungsprogramme in Kooperation mit namibischen Berufsschulen und Universitäten sowie die Entsendung deutscher Experten für Schulungen vor Ort maßgeblich dazu bei, Qualifikationslücken zu schließen und langfristige Partnerschaften zu stärken. Diese Ansätze fördern nicht nur die Kompetenzentwicklung, sondern erhöhen auch die Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Projekte.
So erreichen Sie Lutz-Heiner Otto +264 81 810 7064, lutz-heiner.otto(at)giz.de
Brasilien. Das Powerhouse für erneuerbare Energien

von Eric Neumann
Brasilien entwickelt sich zu einem der attraktivsten Wachstumsmärkte für erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff in Lateinamerika. Exzellente Wind- und Solarressourcen, große Flächenpotenziale, wettbewerbsfähige Erzeugungskosten sowie eine wachsende Nachfrage aus Industrie und Exportmärkten eröffnen deutschen Technologieanbietern und Investoren attraktive Geschäftsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Anlagenbau und Komponenten über PtX bis zu industriellen Anwendungen. Entscheidend für den Erfolg sind verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, starke lokale Partner, gesicherte Abnahmeverträge (Offtaker), tragfähige Finanzierungsstrukturen sowie eine enge Verzahnung von Technologie, Industrie und Politik vor Ort.
Die AWE begleitet Unternehmen systematisch beim Markteintritt und bei der Entwicklung konkreter Projekte in Brasilien. Über Projektformate wie D4iD – ein Co-Creation- und Accelerator-Programm für industrielle Dekarbonisierung mit Fokus auf Deep-Tech-Lösungen u. a. in den Bereichen Wasserstoff, Elektrolyse, Energiespeicher, industrielle Abwärmenutzung und digitale Zwillinge – erhalten Unternehmen frühzeitigen Zugang zu skalierbaren Innovationen und Pilotprojekten.
Ergänzend vernetzt die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) deutsche Unternehmen über ihre Präsenz auf Fachveranstaltungen – wie etwa der Intersolar South America und dem Kick-off EU–Brasilien bei Invest São Paulo – gezielt mit Industriepartnern sowie relevanten Förder- und Finanzierungsakteuren.
So erreichen Sie Eric Neumann, +55 11 5180-4552, E-Mail schreiben
Indonesien. Der Kreislauf der Dinge.

von Philipp Gläser
Kurzfristig, also in den kommenden ein bis zwei Jahren, ergeben sich die größten Marktchancen im Bereich der klassischen Abfallwirtschaft und unmittelbar umsetzbarer technischer Lösungen. Indonesien steht unter politischem Druck, Deponien zu modernisieren, offene Ablagerung zu reduzieren und funktionierende Sammel- und Verwertungssysteme aufzubauen. Kommunen, Industrieparks und private Betreiber suchen deshalb nach praktikablen, schnell implementierbaren Lösungen. Besonders gefragt sind Sortier-, Aufbereitungs- und Recyclingtechnologien, insbesondere für Kunststoffe und organische Abfälle, ebenso wie Deponiesanierung, Gas- und Sickerwasserbehandlung. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil deutscher Anbieter liegt in integrierten Betriebskonzepten einschließlich Schulung, Wartung und Service.
Mittelfristig, also in einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren, verschiebt sich der Fokus von einzelnen Projekten hin zum Aufbau funktionierender Gesamtsysteme. Mit zunehmender EPR-Regulierung und wachsendem Druck aus Exportmärkten werden geschlossene Materialkreisläufe für Industrie und Markenhersteller unverzichtbar. Dadurch entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten beim Aufbau von Rücknahmesystemen und Producer-Responsibility-Organisationen, bei digitalen Nachweis- und Trackinglösungen sowie im hochwertigen Kunststoffrecycling, etwa für lebensmitteltaugliche Rezyklate. Gleichzeitig gewinnen Industrie-Symbiosen in Industrieparks an Bedeutung, in denen Wasser-, Energie- und Reststoffströme effizient miteinander verknüpft werden. Deutsche Unternehmen können hier nicht nur Technologie liefern, sondern integrierte Systemlösungen anbieten, die Effizienz, regulatorische Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zugleich erhöhen.
Die AWE unterstützt über den Partners in Transformation (PiT) Desk deutsche Unternehmen beim Markteintritt in Indonesien, indem sie diese mit relevanten Stakeholdern und Programmen der Entwicklungszusammenarbeit vernetzt. Sie erleichtert den Zugang zu lokalen Partnern – etwa Städten, Verbänden oder Betreibern – und begleitet die gezielte Platzierung von Demonstrations- und Pilotvorhaben. Diese strukturierte Anbahnung ermöglicht es Unternehmen, erste Referenzen aufzubauen und Marktrisiken zu reduzieren.
Darüber hinaus berät die AWE kostenfrei zu Förder- und Finanzierungsinstrumenten und unterstützt bei der Entwicklung tragfähiger Projekte. Über Wirtschaftsdelegationen, Dialogplattformen sowie ihre Kooperationen mit Verbänden und Außenhandelskammern in Deutschland und Indonesien fördert sie den Aufbau langfristiger Wirtschaftspartnerschaften und die nachhaltige Skalierung von Geschäftsaktivitäten.
So erreichen sie Philipp Gläser: +49 6196 79-7208, E-Mail schreiben
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