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Ukraine: Deutsches Know-how ist beim Wiederaufbau gefragt

Bild der Stadt Kiew aus 2019 mit Blick auf den Dnjepr.

Hoffnungsschimmer in Zeiten des Krieges: Die Bundesregierung und zahlreiche internationale Institutionen planen seit längerem den Wiederaufbau der Ukraine und die Modernisierung des Landes. Mehr denn je sind innovative Ideen und die Unterstützung des Privatsektors gefragt, um die aktuellen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Key Facts

  • Die Ukraine Recovery Conference Mitte Juni 2023 zielte darauf ab, ein wirksames System des Wiederaufbaus für die Ukraine auf den Weg zu bringen. 
  • In den kommenden Jahren sind für den nachhaltigen und grünen Wiederaufbau vor allem auch private Investitionen gefragt.
  • Deshalb stellten die Partnerländer der Ukraine und die Europäische Union (EU) weitere 60 Milliarden US-Dollar an Unterstützung bereit. Außerdem sicherten sie zusätzliche Export- und Investitionsabsicherungen zu.
  • Trotz des Krieges sind viele deutsche Unternehmen weiterhin in der Ukraine tätig. Wer in schwierigen Zeiten Geschäftsbeziehungen aufbaut, könnte später in Friedenszeiten ein gefragter Partner für die Ukraine sein.

Wiederaufbau Ukraine: Chancen für deutsche Unternehmen

Aktuell gibt es auf Seiten der Ukraine und deren Partner ein großes Bestreben nach pragmatischen Lösungen. Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft betonte in einem Interview mit der AWE, dass „die deutschen Unternehmen der Ukraine die Treue halten. Wir können keine großen Abwanderungstendenzen beobachten. Die Firmen bleiben im Land, setzen in großen Teilen ihre Projekte und Aktivitäten fort und planen sogar neue Investitionen.“ 

Im Rahmen einer deutschen Wirtschaftsdelegation in die Ukraine, hatten Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, Wirtschaftsvertreter:innen und ein:e Vertreter:in der Förderbank KfW die Möglichkeit, sich vor Ort ein Bild der Sicherheitslage und des wirtschaftlichen Klimas zu machen. Die Gespräche mit ukrainischen Akteur:innen aus Wirtschaft und Politik schafften Klarheit für Unternehmen und auch das Wirtschaftsministerium brachte mit Export- und Investitionsgarantien neue wichtige Instrumente auf den Weg. Michael Kraus, Geschäftsführer Region-Ost der FIXIT GRUPPE sagte, für ihr Unternehmen sei die gewährte Garantie ein „Game-Changer“ für weitere Investitionen in die Ukraine gewesen.

Die Bundesrepublik bietet mit ihrem Sonderprogramm für Investitionsgarantien deutschen Unternehmen eine Absicherung vor politischen Risiken im Ausland. Selbst in Zeiten des Krieges können somit Investitionen in der Ukraine geschützt werden. Derzeit sichert die Bundesregierung elf Projekte in der Ukraine mit 21 Investitionsgarantien und einer Kapitaldeckung von insgesamt 221 Millionen Euro ab. 

Zusätzlich zu Investitionen, werden Exporteure mit Exportkreditgarantien gegen wirtschaftlich oder politisch bedingte Forderungsausfälle abgesichert. Die aktuell dynamische Lage in der Ukraine wird dabei fortlaufend vom Bund überprüft und Updates und Informationen werden auf der Länderseite Ukraine veröffentlicht.

Ukraine Recovery Conference 2023

Die Unterstützer:innen der Ukraine trafen sich am 21. und 22. Juni 2023 in London zur Ukraine Recovery Conference. Auch hier waren sich die Teilnehmenden einig, dass Investitionen von privaten Unternehmen eine Schlüsselrolle bei der Planung und Umsetzung des Wiederaufbaus zukommt. Deshalb stellten die Partnerländer der Ukraine und die Europäische Union (EU) zusätzliche 60 Milliarden US-Dollar an Unterstützung bereit. Außerdem sicherten weitere Partner Export- und Investitionsabsicherungen zu.

Daneben wurde die Plattform Ukraine Business Compact ins Leben gerufen. Fast 500 Unternehmen aus 42 Ländern und 21 Sektoren haben den Business Compact bereits unterzeichnet und bekräftigen dadurch ihre Zusage zur Unterstützung für den Wiederaufbau und die Modernisierung. Ziel der Plattform ist es, eine widerstandsfähige und agile Wirtschaft zu gestalten und die Ukraine als starken und prosperierenden Staat aus dem Krieg hervorgehen zu lassen.

Auch die ukrainische Seite hat Instrumente für den Privatsektor angekündigt. Während der Ukraine Recovery Conference stellte Ukraine Invest, das Investitionsförderungsbüro der ukrainischen Regierung, einen ausführlichen Leitfaden zum Wiederaufbau mit dem Privatsektor bereit. Der Bericht zeigt Potenziale, Investitionsanreize und Anlaufstellen der ukrainischen Wirtschaft, die Unternehmen den Einstieg in ihrer Branche erleichtern sollen. Zudem hat die ukrainische Regierung mit DREAM ein staatliches, digitales Ökosystem für alle Wiederaufbauprojekte gestartet. Kommunen können Projekte erstellen und internationalen Partnern vorstellen, um finanzielle Mittel zu gewinnen und den Bauprozess zu verwalten. Das Ökosystem setzt auf Standards für Integrität, Rechenschaftspflicht, Effizienz und Transparenz, um Vertrauen zwischen der Regierung, den Bürgern, Unternehmen und Finanzinstituten aufzubauen.

Aktuelle Bilanz und erste Schritte

Damit sich die ukrainische Wirtschaft wieder erholen kann, müssen die Entscheider:innen die Mittel nun sinnvoll investieren und Maßnahmen priorisieren. Zusammen mit der ukrainischen Regierung und der Europäischen Kommission veröffentlichte die World Bank einen Bericht, der die aktuellen Schäden und Bedarfe der ukrainischen Bevölkerung und Wirtschaft  auswertet.

Mit dieser Auswertung ist der Grundstein für einen stufenweisen und branchenspezifischen Wiederaufbau gelegt, mit dem internationale Finanzinstitutionen, Regierungen und der Privatsektor nun gemeinsam arbeiten können. 

Damit Maßnahmen schnellstmöglich und an den richtigen Stellen umgesetzt werden, stellten zudem die Boston Consulting Group (BCG) und die European Investment Bank (EIB) ein Strategie-Ranking bereit, das Projekte branchenorientiert priorisiert und sie finanziell und zeitlich einordnet.
Der Plan sieht vor, den Wiederaufbau in kurz-, mittel-, und langfristige Investitionen zu unterteilen. 

  • Kurzfristig ist vor allem Geld für humanitäre, wirtschaftliche und geopolitische Unterstützung vorgesehen.
  • Mittel- und langfristig soll die Ukraine nach dem Prinzip „Build Back Better“ wiederaufgebaut und mit nachhaltigen und modernen Energie-, Industrie- und Infrastrukturprojekten zu einem starken EU-Partner werden.

Am stärksten betroffene Sektoren

38%

Wohngsbau

38 Prozent der Wohngebäude sind zerstört oder beschädigt.
26%

Verkehr- und Infrastruktur

Im Verkehr- und Infrastrukturbereich sind 26 Prozent von den Kriegsfolgen betroffen.
8%

Energie

Die ukrainische Energieinfrastruktur ist zu acht Prozent beschädigt.

Welche Investitionen haben den größten Effekt?

Die Wiederherstellung des Handels und die Modernisierung der Industrie und Infrastruktur sind von großer Bedeutung für die Ukraine. Nicht zuletzt hängt auch der Lebensunterhalt von Millionen von Ukrainer:innen stark von einer intakten Wirtschaft ab. Sobald die Kernbranchen wieder funktionstüchtig sind, birgt die Ukraine darüber hinaus ein erhebliches Potenzial für mittel- und langfristige Investitionen in nachhaltige und digitale Technologien. 

Auch die International Finance Corporation (IFC) spricht von enormen Möglichkeiten für Investitionen des Privatsektors in einen grünen Wiederaufbau der Ukraine. Zusätzlich zu den geschätzten 140 Milliarden US-Dollar an potenziellen Beiträgen der Privatwirtschaft in den kommenden zehn Jahren, könnten weitere 295 Milliarden US-Dollar an Investitionsmöglichkeiten durch „Building Back Stronger and Greener“ geschaffen werden.

Branchenübersicht

InfoDesk Ukraine & Östliche Partnerschaft
Für Informationen zu aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und für eine Übersicht zu Anlaufstellen und Netzwerken, steht Ihnen unsere Ukraine-Expertin Carolin Welzel und der AWE InfoDesk Ukraine & Östliche Partnerschaft zur Seite.
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Carolin Welzel

Internationale Organisationen, develoPPP, InfoDesk Ukraine und Östliche Partnerschaft

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