Erneuerbare Energien: Vielfältige Chancen im Globalen Süden

Viele Länder des Globalen Südens beschleunigen den Ausbau erneuerbarer Energien und entwickeln sich zu attraktiven Energiemärkten. Für deutsche Unternehmen der Branche eröffnen sich dadurch Chancen für Investitionen und langfristiges Wachstum. Business Scouts stehen ihnen beratend zur Seite.
In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern setzt man verstärkt auf erneuerbare Energien – oft mit deutlich günstigeren natürlichen Bedingungen als in Deutschland und Nordeuropa. Denn in den meisten Ländern des Globalen Südens ist die Sonneneinstrahlung viel höher und relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt. Ein großer Teil des Strombedarfs lässt sich so direkt mit Solarenergie decken – das macht Geschäftsmodelle kalkulierbarer. „Zusammen mit Batteriespeichern lässt sich grundlastfähiger Strom zum Beispiel in Indien bereits für fünf bis sieben US-Cent pro Kilowattstunde bereitstellen – deutlich günstiger als in Deutschland“, stellt Jan Knaack von der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) fest. Für deutsche KMU, die spezialisierte Komponenten, Ingenieurleistungen oder digitale Lösungen anbieten, ergeben sich dadurch vielversprechende Anknüpfungspunkte. Jenseits des reinen Strompreises sind laut Knaack die Versorgungssicherheit und Zuverlässigkeit für Industrie und Gewerbe entscheidend.
Mit großen Schritten voran
Besonders attraktiv sind Länder mit guten politischen Rahmenbedingungen und teilweise liberalisierten Strommärkten – etwa Brasilien, Indien und Südafrika. Indien treibt die Energiewende dabei besonders forciert voran und bindet private Unternehmen gezielt ein: Anfang 2026 hatte Indien bereits rund 270 Gigawatt Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien installiert. Diese tragen dazu bei, einen wesentlichen Teil der Spitzenstromlast Indiens abzudecken, gerade in den heißen Sommermonaten, wenn Millionen Kühl- und Klimageräten landesweit mit Strom versorgt werden müssen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist seit 2017 an der Entwicklung in Indien beteiligt und fördert mit der KfW die deutsch-indische Solarpartnerschaft mit einer Milliarde Euro, überwiegend in Form zinsvergünstigter, rückzahlbarer Darlehen. Unter anderem, um Solarparks und den Bau von Photovoltaikanlagen und neuerdings auch Energiespeichern voranzutreiben. Das ruft auch deutsche Unternehmen auf den Plan, die ihre indischen Partner mit High-Tech-Produktionsanlagen, Spezialbauteilen und fortschrittlicher Speichertechnologie beliefern.
Märkte im Aufbau
Auch kleinere Märkte wie Sambia, Senegal und Kolumbien entwickeln sich rasch und bieten dank zahlreicher Projekte Chancen für die Zusammenarbeit von lokalen und deutschen Unternehmen. In Kolumbien unterstützt ein Projekt des BMZ seit 2025 die Entwicklung von investitionssicheren Rahmenbedingungen, Strategien und den Zugang zu Finanzierungen, um auch für deutsche Unternehmen Chancen bei Kolumbiens Energiewende zu ermöglichen. Da Frauen in Kolumbien in der Energiewirtschaft unterrepräsentiert sind, werden auch sie gezielt in Projekte eingebunden. Sambia: Ein 2025 begonnenes BMZ-Projekt unterstützt die Ausbildung junger Fachkräfte im Energiesektor. Das stärkt den lokalen Arbeitsmarkt, ermöglicht Wertschöpfung und flankiert mittelfristig den Einstieg auch deutscher Unternehmen in die Region. Senegal: Das 2023 abgeschlossene Programm Peseree II kooperierte mit Hochschulen beim Aufbau von Studienangeboten zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.
Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Sie treffen auf ausgebildete Fachkräfte, die mit den Themen vertraut sind. So müssen sie nicht erst selbst Personal teuer und langwierig schulen. Klar ist: Ausgebildete Fachkräfte sind entscheidend für deutsche Unternehmen. „Qualitativ hochwertige Technik zu liefern, zahlt sich nur dann aus, wenn Technikerinnen und Techniker vor Ort die Anlagen entsprechend installieren und bedienen können“, merkt Nikolaus Supersberger von der AWE an.
Business Scouts als Vermittler
Neben der Bereitstellung von fähigen Arbeitskräften zählt für erfolgreiche Partnerschaften, wie gut Unternehmen die Rahmenbedingungen verstehen und sich lokal vernetzen können. Gerade für KMU ist hier eine gezielte Beratung wichtig. Die Business Scouts der AWE arbeiten genau an dieser Schnittstelle. „Wir helfen Unternehmen, neue Märkte einzuordnen, Chancen und Risiken zu bewerten und die passenden Förder- und Finanzierungsinstrumente zu finden“, betont Supersberger.
Wie eine erfolgreiche Partnerschaft aussehen kann, zeigt unter anderem ein Projekt in der Ukraine: Das Berliner Unternehmen Boreal Light hat hier solargetriebene Entsalzungsanlagen zur Trinkwasseraufbereitung installiert. Produktion und Installation in der Südukraine wurden mithilfe des Programms develoPPP realisiert. Dieselbe Technik setzte das kenianische Tochterunternehmen WaterKiosk ein, um Krankenhäuser in Ostafrika mit Trinkwasser zu versorgen. „Dass wir Unternehmen zusammenbringen, ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit“, so Knaack.
Bessere Bedingungen schaffen Chancen
Global haben sich die Rahmenbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien in vielen Ländern sehr stark verbessert. Politische Entscheidungsträger haben erkannt, dass ohne private Investitionen Ausbauziele kaum erreichbar sind. Es entstehen klarere rechtliche Regelwerke, transparentere Vergabeverfahren und Programme, die Risiken teilen und Finanzierungen strukturieren. „Besonders durch aktuelle Konflikte und Engpässe in den Lieferketten zeigen sich erneuerbare Energien im Vergleich zu fossilen Brennstoffen resilient und zukunftsträchtig,“ resümiert Knaack.
Zu den Personen
Jan Michael Knaack ist als Business Scout for Development für die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE) tätig und beim Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V. (BVES) mit Schwerpunkt Energiewirtschaft und Energiespeicherung aktiv. Seit Oktober 2021 arbeitet er für die GIZ, unter anderem zu Fragestellungen der Energiespeicherung in Brasilien, zuvor für 15 Jahre beim Bundesverband Solarwirtschaft vor allem im Aufbau von internationalen Märkten und Projekten.
Dr. Nikolaus Supersberger ist Business Scout for Development bei der Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE). In dieser Funktion ist er an den Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) entsandt. Dort berät er Unternehmen des Energiesektors zu den Förderprogrammen des Bundes, um den Markteinstieg in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erleichtern. Supersberger ist seit 2010 für die GIZ tätig, dort hat er unter anderem mehrere Jahre das Ägyptisch-Deutsche Komitee für Erneuerbare Energien in Kairo geleitet. Von 2001 bis 2010 forschte er am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie zur Transformation von Energiesystemen und zu Geopolitik.
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