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Weltbank. Deutsche Unternehmen profitieren von neuen Beschaffungsregeln

Auf dem Foto sieht man Weltbankpräsident Ajay Banga mit Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan auf einer Veranstaltung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Weltbankpräsident Ajay Banga mit Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan auf einer Veranstaltung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Die Weltbank hat ihren Beschaffungsprozess reformiert. Die neue Gewichtung von Vergabekriterien zeigt eine klare Richtung: Weg von preisgetriebenen Ergebnissen, hin zu hochwertigen, nachhaltigen und lokal wirksamen Projekten. Damit steigen für deutsche Unternehmen die Erfolgsaussichten bei künftigen Ausschreibungen deutlich.

Als größte Entwicklungsinstitution weltweit finanziert die Weltbank tausende Projekte in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Digitalisierung, die dazu beitragen, Armut zu bekämpfen und Arbeitsplätze zu schaffen. Jährlich beläuft sich das internationale Vergabevolumen bei  Weltbank-finanzierten Projekten auf ca. 11 Milliarden US-Dollar. Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, sich an internationalen Projekten im Globalen Süden zu beteiligen und neue Absatz- und Kooperationschancen zu erschließen. Bislang war das Verfahren stark preisgetrieben: Unternehmen, die technisch überzeugende, aber im Vergleich teurere Angebote abgaben, hatten es schwer, zum Zuge zu kommen. Genau das ändert sich mit der im Jahr 2025 eingeführten Reform: Ob resiliente Energieinfrastruktur, nachhaltige Wasser- und Abfallbewirtschaftung oder digitale Verwaltung – bei der Bewertung von Angeboten zählen nun Qualitätskriterien in der Regel stärker als der Preis. Für deutsche Mittelständler, deren Stärke in hochwertigen, ressourcenschonenden und verlässlichen Technologien liegt, verbessert sich damit die Ausgangslage erheblich.

Was sich konkret ändert

Stärkere Gewichtung von Qualitätskriterien: Mit der im Jahr 2025 umgesetzten Reform des Weltbank-Beschaffungswesens 2025 gelten nun für die meisten internationalen Auftragsvergabe  neue Bewertungsmaßstäbe. Dort gilt nun: qualitative Kriterien, wie Nachhaltigkeit, Innovationsgrad, technische Qualität, werden nun mindestens zu 50 Prozent gewichtet. Welche Dimensionen im Einzelnen bewertet werden, hängt vom jeweiligen Projekt und Sektor ab. Zu typischen Qualitätsindikatoren zählen technische Leistungsfähigkeit und Umwelteinflüsse, aber auch zunehmend lokale Wertschöpfung, Ausbildungskonzepte und soziale Inklusion. Zu den Nachweisen machen die jeweiligen Ausschreibungen Vorgaben, zum Beispiel können Umweltzertifikate oder Lebenszyklus-Kosten Analysen gefordert werden.

Förderung lokaler Beschäftigung: Bei Bauaufträgen, die im internationalen Wettbewerb vergeben werden, gilt seit September 2025 zudem die Vorgabe, dass mindestens 30 Prozent der Lohnkosten an lokale Arbeitskräfte fließen müssen. Gleichzeitig werden Bieter aufgefordert, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für lokale Beschäftigte einzuplanen. So sollen Projekte künftig Wertschöpfung und Know-how vor Ort fördern.

Nachhaltige Lieferketten: Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Klimaschutz und Ressourceneffizienz. Über drei Viertel der weltweiten Emissionen entstehen in Lieferketten, weshalb die Länder zunehmend die Bedeutung einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung erkennen. Um diesen Wandel zu unterstützen, hat die Weltbank eine Reihe von Ressourcen entwickelt, die Ländern dabei helfen sollen, ihre Kompetenzen im Bereich der nachhaltigen Beschaffung auszubauen und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Unternehmen werden dazu aufgefordert, den CO₂-Fußabdruck ihrer Materialien und Produktionsprozesse zu messen, Emissionen zu reduzieren und auf zertifizierte, nachhaltige Produkte umzusteigen.

Early Market Engagement: Nun wird von den Kreditnehmerländern und den öffentlichen Auftraggebern erwartet, dass sie bereits vor der offiziellen Ausschreibung mit potenziellen Bietern in Kontakt treten – das sogenannte Early Market Engagement. Für größere Projekte ab zehn Millionen US-Dollar sind Workshops, Webinare und Marktkonsultationen verpflichtend. Diese Formate tragen dazu bei, die Anforderungen besser abzustimmen und die Märkte realistisch einzuschätzen. Unternehmen erhalten frühzeitig Einblick in geplante Projekte, was ihnen eine strategische Vorbereitung und die Identifizierung von Kooperationspartnern ermöglicht. Zudem können die öffentlichen Auftraggeber, aktuelle Innovationen in der Branche besser bewerten und Marktfeedback zu den betreffenden Anforderungen einholen, um die Beschaffungsstrategie darauf abzustimmen.

Vereinfachte Prozesse: Mit der Reform sollen Unternehmen künftig zudem einfacher Projekte umsetzen können. Außerdem soll der gesamte Prozess ver-lässlicher werden: Künftig sind direkte Zahlungen durch die Weltbank bei gro-ßen internationalen Aufträgen möglich, was Liquiditäts- und Währungsrisiken mindert. Das Beschwerdesystem wurde modernisiert, und die Kreditnehmer der Bank erhalten mehr Unterstützung beim Management komplexer Beschaffungen. Zusammen sollen diese Maßnahmen ein transparenteres, stabileres Umfeld für Anbieter schaffen – ein Pluspunkt besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen.

Typische Stolperfallen vermeiden

Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 500 Verträge mit der Weltbank abgeschlossen – ein Volumen von rund 1,45 Milliarden US Dollar. Trotzdem gilt der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich unter den Auftragnehmern der Weltbank als unterrepräsentiert. Eine der größten Hürden: Unternehmen kennen die Prozesse und Plattformen der Weltbank meist nicht ausreichend, und wenn sie sie kennen, schrecken sie vor formalen Anforderungen zurück. Viele Unternehmen scheitern zudem an vermeidbaren Formfehlern, etwa fehlende Bietsicherheiten, unvollständige Unterlagen oder nicht unterschriebene Formulare.

Die Weltbank empfiehlt daher, am Early Market Engagement teilzunehmen,  Ausschreibungsunterlagen frühzeitig und gründlich zu prüfen, offene Punkte rechtzeitig zu klären und die neuen Bewertungsmaßstäbe in der Angebotskonzeption nachzuweisen, um die Erfolgschancen zu verbessern. Ebenso wichtig ist die lokale Einbindung: Joint Ventures, Partnerschaften mit regionalen Firmen oder der Einsatz lokaler Fachkräfte werden oft positiv bewertet. Kleinere Aufträge können zudem zu größeren Projektpaketen zusammengeführt werden: ein Vorteil für spezialisierte Mittelständler, um an größeren Vergaben teilnehmen zu können, ohne die eigene Kapazitätsgrenze zu überschreiten.

Roadshow durch Deutschland

Um Unternehmen über die Chancen zu informieren, die sich für sie aus diesen Reformen im Beschaffungswesen ergeben, hat die Weltbank gemeinsam mit der Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE), Germany Trade & Invest (GTAI) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine deutschlandweite Roadshow gestartet. Nach einem Auftaktwebinar am 19. März wird die Roadshow mit sektorspezifischen Veranstaltungen verschiedene Städte besuchen. Geplant sind Roundtables zu den Sektoren Wasser und Abwasser,Abfall- und Kreislaufwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, erneuerbare Energie und Digitalisierung, die von Mai bis November 2026 stattfinden werden. In den Roundtables  präsentieren Weltbank-Expert*innen beispielhafte Ausschreibungen, erläutern Bewertungsverfahren und diskutieren Innovationsansätze. Ziel der Roadshow ist es, Wissen zu vermitteln, direkte Kontakte zu knüpfen und Hürden beim Einstieg in Weltbank-Vergaben zu senken. 

"Wir legen mehr Wert auf Qualität, Nachhaltigkeit und verlässliche Partnerschaften"

Patricia Wratil ist seit April 2025 Sonderbeauftragte der Weltbank für Deutschland und leitet das Berliner Büro der Weltbank. Zuvor war sie im Bundeswirtschaftsministerium, im Deutschen Bundestag sowie am Wissenschaftszentrum Berlin tätig. Sie hat einen Masterabschluss der London School of Economics (LSE) und einen Bachelorabschluss der Universität Düsseldorf in Sozialwissenschaften.

Im Gespräch erläutert Patricia Wratil, Sonderbeauftragte der Weltbank für Deutschland, wie deutsche Unternehmen von den Beschaffungsreformen der Weltbank profitieren. 

Redaktion: Die Weltbank hat ihr Beschaffungssystem grundlegend überarbeitet. Welche strategische Rolle spielt diese Reform für deutsche Mittelständler?

Patricia Wratil: Die Reform des Beschaffungssystems der Weltbank ist ein strategischer Schritt – und sie eröffnet gerade für deutsche Mittelständler neue Chancen. Ziel der Reform war es, Beschaffung stärker an Qualität auszu-richten und gleichzeitig den Zugang für leistungsfähige Unternehmen zu verbessern. Weg vom starken Fokus auf den niedrigsten Preis, hin zu einer umfassenderen Bewertung mit Blick auf die Qualität der Angebote. Für den deutschen Mittelstand ist das besonders relevant. Viele Unternehmen sind technisch stark, innova-tiv und liefern zuverlässig – aber sie wollen und können nicht immer über den niedrigsten Preis konkurrie-ren. Das reformierte System berücksichtigt solche Stärken nun deutlich mehr, indem Qualitätsmerkmale mindestens zu 50% gewichtet werden.
Ein zweiter Punkt ist, dass die Verfahren flexibler  geworden sind und mehr Raum für den Dialog mit der Wirtschaft bieten. Zum Beispiel haben wir bei den meisten Ausschreibungen verpflichtend einen struktu-rierten Prozess des frühzeitigen Marktdialogs eingeführt. Das erleichtert es mittelständischen Unterneh-men, sich gezielt auf Projekte vorzubereiten, proaktiv Partner für Konsortien und Joint Ventures zu suchen und strategisch zu entscheiden, wo sie ein Angebot einreichen wollen. 

Redaktion: Mit der neuen Beschaffungsreform stärkt die Weltbank Faktoren wie Qualität, Nachhaltigkeit und lokale Wirkung. Inwiefern ist das auch ein Signal an Industrieländer wie Deutschland: weg vom Preiswett-bewerb – hin zu Partnerschaften, die auf Vertrauen und langfristige Entwicklung setzen?

Patricia Wratil: Wir wollen mit der Reform deutlich machen, dass nachhaltige Entwicklung mehr braucht als kurzfristige Kosteneffizienz. Gleichzeitig rückt in den Fokus, wie etwas umgesetzt wird:  Qualität, Nachhaltigkeit, soziale und ökologische Standards sowie lokale Wertschöpfung fördern langfristige und verlässliche Partnerschaften mit hochwertigen Lösungen. Für deutsche Unternehmen ist das eine gute Nachricht, da sie inter-national nicht als reine Lieferanten auftreten, sondern als langfristige Partner, die Wissen teilen, lokale Kapazitäten aufbauen und Verantwortung übernehmen.

Wie soll die Zusammenarbeit zwischen der Weltbank und der deutschen Wirtschaft künftig aussehen und weiterentwickelt werden?

Patricia Wratil: Wir wollen die Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft früher und besser gestalten. Dafür kommen wir rechtzeitig ins Gespräch: bevor Projekte in die Ausschreibung gehen. So können deutsche Unternehmen besser nachvollziehen, welche Schwerpunkte gesetzt werden und wo ihre Expertise besonders gefragt ist. Vom Berliner Büro der Weltbankgruppe aus setzen wir deshalb gezielt auf Formate, die Orientierung geben: Informationsveranstaltungen, Dialogformate und direkte Gespräche – gerade auch mit dem Mittelstand. Um unsere neuesten Reformen bekannt zu machen, setzen wir aktuell eine gezielte Procurement Roadshow für den deutschen Markt um, bei der wir mit Webinaren, sektorspezifischen Roundtables sowie Messe- und Unternehmensbesuchen deutsche Unternehmen informieren. 
Unser Ziel ist es dabei Transparenz zu schaffen, Erwartungen frühzeitig zu klären und Unternehmen dabei zu unterstützen, sich erfolgreich in Ausschreibungen zu positionieren. Dabei sehen wir die deutsche Wirt-schaft als strategischen Partner der Weltbank. Denn deutsche Unternehmen bringen Know-how, Innovati-onskraft und internationale Erfahrung mit und können so dazu breitragen, dass Entwicklungsprojekte wirksamer und nachhaltiger sind. 

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Katy Schröder

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