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Ghana. Frauen haben das Recht auf einen eigenen Platz am Tisch

Adelaide Amoah kannte ihren Platz. Jahrelang sah sie zu, wie Männer im Eastern Regional Hospital in Koforidua Ideen entwickelten und Aufgaben erledigten, während sie deren Arbeit abtippte. „Uns fehlten die Stimme und das Selbstvertrauen, uns einzubringen“, erinnert sie sich, „selbst wenn wir Ideen hatten.“

Thomas Kofi Brusah, leitender Optiker, glaubte, er behandle Frauen fair. Dann zwang ihn die Schulung, sein eigenes Zuhause unter die Lupe zu nehmen. Er hatte eine dreizehnjährige Tochter. Er war nie darauf gekommen, dass sie allein aufgrund ihres Geschlechts mehr Schwieirgkeiten und weniger Chancen begegnete als ihre Brüder. In seinem Stamm wird Besitz an männliche Kinder vererbt. Frauen erledigen die gesamte Hausarbeit zusätzlich zu ihrem Beruf. „Trotz identischer Arbeitszeiten tragen Frauen die schwerere Last“, erkannte er. „Das ist unfair und ungerecht.“

Beide nahmen im September 2025 an einer von der GIZ finanzierten Schulung zu Arbeitsschutz sowie zur Prävention geschlechtsbasierter Gewalt in Tema teil. Der Kurs wurde von UNI Global Union und der Health Services Workers' Union umgesetzt. Die Trainingsstruktur folgte einem klaren Plan: Zunächst lernten die Frauen im geschütztem Rahmen Selbstvertrauen und Strategien aufzubauen, bevor sie gemeinsam mit männlichen Kollegen in Workshops zu sensiblen Themen arbeiteten. Den Männern wurde ihre Rolle bei der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit nahegebracht. Unter anderem verstanden sie, wie sie  Gespräche führen können, um unbewusste Unterstellungen zutage zu fördern.

Einen Schritt nach vorn machen

Für Adelaide veränderte sich zuerst die Sprache, bevor sie es im Verhalten wahrnehmen konnte. Die Schulung machte ihr klar, dass es rechtliche Schutzmechanismen gibt – Frauen sich aber auch aktiv positionieren müssen, um sie zu nutzen. „Mir wurde bewusst, dass wir Frauen uns weiterqualifizieren und selbstbewusst unseren Platz am Tisch einfordern müssen“, sagt sie. „Das Gesetz unterstützt uns, aber wir müssen auch selbst einen Schritt nach vorn machen.“
Zurück am Arbeitsplatz begann sie, sich zu Wort zu melden. Ihre Ideen werden nun diskutiert, weiterentwickelt und respektiert. „Ich fühle mich gesehen und wertgeschätzt“, sagt sie. Sie hat Fortbildungen begonnen, klärt Kolleginnen über ihre Rechte auf, ermutigt sie zum Sprechen und greift ein, wenn männliche Kollegen abwertende Sprache verwenden. Als eine Kollegin wegen ihres Arbeitsplans eingeschüchtert wurde, schritt Adelaide ein. Ihr Fazit ist klar: „Ich glaube heute fest daran, dass Frauen alles können, was Männer können – und sogar besser, wenn sie die Chance und Unterstützung erhalten.“

Erkennen, was er übersehen hatte

Thomas’ Veränderung begann zu Hause. Er  begann Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und offen mit seinen Kindern über gleiche Chancen zu sprechen.
Die Veränderungen sind sichtbar. Sein 16-jähriger Sohn unterstützt inzwischen seine jüngere Schwester bei den Hausaufgaben und ermutigt sie, sich auszuruhen, damit sie sich besser konzentrieren kann. „Diese Veränderungen sind das Ergebnis offener Gespräche und eines tieferen Verständnisses für gleiche Chancen“, sagt Thomas.
Am Arbeitsplatz achtet er heute stärker auf seine Worte und sein Verhalten und bemüht sich um ein inklusives Umfeld. „Die wertvollste Erkenntnis aus der Schulung war die Bedeutung kollektiver Stärkung“, reflektiert er. „Wahre Leistung besteht nicht darin, allein an die Spitze zu gelangen, sondern andere mitzunehmen und sicherzustellen, dass alle eine Chance auf Erfolg haben.“

Das Design, das Veränderung möglich machte

Der gestufte Ansatz des Trainings in Tema – erst reine Frauensitzungen, dann gemischte Gruppen – schuf die Voraussetzung für beide Veränderungsprozesse. Adelaide konnte Selbstvertrauen im Kreis von Kolleginnen aufbauen, bevor sie in gemischten Gruppen sprach. Thomas erhielt das Handwerkszeug, um männliche Annahmen sichtbar zu machen, die sonst unreflektiert bleiben. In Kombination entstand ein Wandel, den keiner der beiden Gruppen allein bewirkt hätte.
Adelaide plant nun, über ihre Gewerkschaftsrolle weitere Beschäftigte – insbesondere Frauen – zu Arbeitsschutz, Gesundheit am Arbeitsplatz und Geschlechterrechten zu schulen und zu begleiten. Thomas setzt sich dafür ein, Frauenrechte zu unterstützen, zuzuhören und Kolleginnen zu stärken, damit sie ihr Potenzial entfalten können.
„Der Weg zur Gleichberechtigung ist nicht abgeschlossen“, sagt Thomas, „und ich bin entschlossen, Teil der Lösung zu sein.“

Adelaide Amoah ist leitende Verwaltungsmanagerin und Sekretärin der Health Services Workers' Union am Eastern Regional Hospital in Koforidua. Thomas Kofi Brusah ist leitender Optiker. Beide nahmen an der Women's Leadership und OSH/GBVH-Schulung teil, die im September 2025 in Tema im Rahmen des GIZ-geförderten Capacity Building in the Care Sector-Programms von UNI Global Union in Partnerschaft mit der HSWU durchgeführt wurde.

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