Neue Lieferquellen aus der Ukraine: Qualität und verlässliche Partnerschaften

Wer bei der Ukraine vor allem an Wiederaufbau denkt, übersieht einen wichtigen Aspekt: Viele ukrainische Unternehmen produzieren trotz des Krieges kontinuierlich für internationale Märkte und bauen ihre Exportaktivitäten weiter aus. Gerade für deutsche Importeure, die ihre Lieferketten diversifizieren möchten, lohnt sich deshalb ein genauerer Blick.
Im Rahmen des Ukraine Special Programme des Import Promotion Desk (IPD), eine vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Initiative, kommen regelmäßig ukrainische Unternehmen nach Deutschland. Das IPD organisiert sogenannten Selling Missions, um ukrainische Unternehmen mit potenziellen Geschäftspartnern zusammenzubringen und den Aufbau langfristiger Geschäftsbeziehungen zu fördern. Die Gespräche mit zwei Exporteuren auf einer solchen Reise im Juni 2026 nach Hamburg zeigen, wie sie den deutschen Markt einschätzen, welche Investitionen sie in Qualität und Logistik getätigt haben und warum sie langfristige Partnerschaften mit deutschen Unternehmen anstreben.
Der deutsche Markt bleibt ein wichtiger Zielmarkt
Für Smakuli, einen Hersteller glutenfreier Backwaren, ist Deutschland bereits heute ein wichtiger Absatzmarkt. Seit letztem Jahr sind die Produkte in REWE-Märkten in Süddeutschland erhältlich. Das Unternehmen sieht Deutschland nicht nur als großen Markt. „Deutschland ist für uns ein Maßstab für Qualität und langfristige Partnerschaften“, beschreibt das Unternehmen seine Motivation für den Ausbau der Geschäftsbeziehungen.
Ähnlich bewertet auch das Unternehmen Profista den deutschen Markt, das hochwertigen Spezialitätenkaffees im Drip-Bag-Formatvertreibt. Profista hat ein eigenes Logistikzentrum im Raum Frankfurt (Oder) aufgebaut und beliefert von dort aus Kunden in Österreich, Frankreich, Spanien, Italien, Belgien und den Niederlanden.
Die beiden Beispiele zeigen exemplarisch, warum Deutschland für viele ukrainische Exporteure ein strategisch wichtiger Markt ist. Sie investieren gezielt in hochwertige Produkte und richten sich an qualitätsbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher sowie an langfristig orientierte Geschäftspartner.
Lieferfähigkeit trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Eine zentrale Frage für deutsche Importeure lautet: Können ukrainische Unternehmen zuverlässig liefern?
Die Antworten der Unternehmen bestätigen, dass sie sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt haben. Smakuli betreibt ein Lager in Polen und arbeitet mit internationalen Logistikunternehmen zusammen, um Kunden in der EU schnell beliefern zu können. Profista hält einen Pufferbestand von zwei bis drei Monaten in Deutschland vor und kooperiert mit Partnerunternehmen, um mögliche logistische Schwankungen auszugleichen. Damit schaffen beide Unternehmen bewusst Strukturen, die ihren europäischen Kunden auch unter schwierigen Bedingungen eine hohe Liefersicherheit bieten.
Innovation und Qualität als Antwort auf neue Herausforderungen
Der Krieg hat die Unternehmen vor große Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig hat er viele von ihnen dazu veranlasst, ihre Produkte weiterzuentwickeln, Prozesse zu optimieren und stärker in internationale Standards zu investieren.
Smakuli entwickelte zum Beispiel eine neue Produktlinie funktioneller Kekse. Zusätzlich investierten beide Unternehmen in Standards und Zertifizierungen. Sie produzieren nach dem Lebensmittelsicherheitsstandard FSSC 22000; Smakuli verfügt zusätzlich über eine Zertifizierung der Association of European Coeliac Societies für glutenfreie Produkte.
Wie das IPD den Zugang zu ukrainischen Lieferanten erleichtert
Für deutsche Unternehmen besteht die Herausforderung häufig weniger darin, ob geeignete Lieferanten existieren, sondern wie sie diese identifizieren können.
Das IPD unterstützt genau an dieser Stelle. Die Initiative identifiziert geeignete ukrainische Exporteure und bereitet sie gezielt auf europäische Märkte vor. Im Rahmen von Messen, Selling Missions, aber auch virtuellen B2B Meetings bringt das IPD die Unternehmen mit potenziellen Geschäftspartnern zusammen. So können sich deutsche Importeure im persönlichen Gespräch einen ersten Eindruck von Produkten, Produktion und Menschen machen. Gerade für Unternehmen, die erstmals mit der Ukraine zusammenarbeiten möchten, bietet das Programm einen niedrigschwelligen und verlässlichen Einstieg.
Warum sich ein genauer Blick lohnt
Die Gespräche mit den ukrainischen Unternehmen zeigen: Die Ukraine ist längst nicht nur ein Markt des Wiederaufbaus. Sie ist zugleich Herkunftsland hochwertiger Produkte und innovativer Unternehmen, die gezielt in Qualität, Lieferfähigkeit und internationale Partnerschaften investieren.
Für deutsche Importeure bietet sich damit die Chance, neue Lieferquellen zu erschließen und langfristige Geschäftsbeziehungen mit engagierten und zukunftsorientierten Partnern aufzubauen.
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