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Fragen und Antworten zum Sorgfaltspflichtengesetz

Die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Sorgfaltspflichtengesetze – sowohl in Deutschland als auch auf der EU-Ebene – werfen viele Fragen auf. Nachstehend beantworten wir einige der wichtigsten Fragen. 

Bei diesen Inhalten handelt es sich um das Verständnis des Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte zum aktuellen Stand des Gesetzentwurfs der Bundesregierung, den Sie hier herunterladen können. Sie sind als allgemeine Informationen gedacht und stellen keine rechtliche Beratung dar. Für individuelle, kostenfreie und vertrauliche Beratung für Ihr Unternehmen oder unsere anderen Unterstützungsangebote kontaktieren Sie uns gerne direkt.

Wir weisen zudem darauf hin, dass der Entwurf des deutschen Sorgfaltspflichtengesetzes noch nicht in den Bundestag eingebracht wurde und möglicherweise noch verändert wird. 

  1. Es gibt schon den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP). Warum jetzt auch noch ein Sorgfaltspflichtengesetz?
  2. Welche Unternehmen sind vom deutschen Sorgfaltspflichtengesetz betroffen?
  3. Welche Sorgfaltspflichten müssen Unternehmen, die unter das Gesetz fallen, umsetzen?
  4. Auf welchen Bereich der Lieferkette beziehen sich die Sorgfaltspflichten?
  5. Werden deutsche Unternehmen jetzt dafür haftbar gemacht, was ihre Zulieferer im Ausland tun?
  6. Was ist mit „substantiierter Kenntnis“ von möglichen Menschenrechtsverletzungen gemeint, und was muss das Unternehmen dann tun?
  7. Der Gesetzentwurf spricht von einer „angemessenen“ Umsetzung von Sorgfaltspflichten. Was ist mit „Angemessenheit“ gemeint?
  8. Was sind die Folgen für kleinere deutsche Unternehmen – insbesondere auch KMU – die an größere/vom Gesetz betroffene Unternehmen liefern?
  9. „Mit dem Gesetz wird die Verantwortung, die eigentlich beim Staat liegt, auf Unternehmen abgewälzt. Als einzelnes Unternehmen kann ich doch nichts tun, um schwierige Situationen in einzelnen Ländern zu verändern.“
  10. In vielen Ländern gelten nicht die gleichen Menschenrechtsstandards wie bei uns in Deutschland. Warum wird von Unternehmen verlangt, dass sie im Ausland höhere Standards als die dort geltenden umsetzen?
  11. Ein Gesetz könnte zur Folge haben, dass deutsche Unternehmen sich aus Entwicklungsländern zurückziehen. Das ist doch sicher nicht gewollt?
  12. Welche Berichtspflichten gibt es für betroffene Unternehmen? Wie wird sichergestellt, dass der dafür notwendige Aufwand zumutbar ist?
  13. Wer kontrolliert das Gesetz und wie?
  14. Gibt es Sanktionen für Unternehmen?
  15. Wie verhält sich der deutsche Gesetzentwurf zum momentan laufenden EU-Gesetzgebungsprozess?

Unsere Antworten

  1. Es gibt schon den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP). Warum jetzt auch noch ein Sorgfaltspflichtengesetz?

    Um ihrer Verantwortung zum Schutz der Menschenrechte gerecht zu werden, veröffentlichte die Bundesregierung 2016 den Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) – die Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte für Deutschland. 

    Der NAP war ein wichtiger erster Schritt und setzte auf eine Umsetzung der Vorgaben durch Unternehmen auf freiwilliger Basis.

    Der Status dieser freiwilligen Umsetzung wurde von 2018 bis 2020 im Rahmen eines breit angelegten Monitoring-Prozesses überprüft. Dabei wurde geprüft, inwieweit in Deutschland ansässige Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht wie im NAP gefordert nachkommen. 

    Die Ergebnisse zeigten, dass lediglich 13 bis 17 Prozent der betrachteten Unternehmen die NAP-Anforderungen erfüllten, womit das von der Bundesregierung gesetzte Ziel von mindestens 50 Prozent „NAP-Erfüllern“ verfehlt wurde. 

    In diesem Fall sieht der Koalitionsvertrag vor, dass die Bundesregierung gesetzgeberisch tätig wird und sich auch auf europäischer Ebene für verbindliche Sorgfaltspflichten einsetzt. 

    Mehr Informationen zum NAP finden Sie hier.

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  2. Welche Unternehmen sind vom deutschen Sorgfaltspflichtengesetz betroffen?

    Der Gesetzentwurf sieht vor, dass folgende Unternehmen unter das Gesetz fallen:

    • Unternehmen, ungeachtet ihrer Rechtsform, die ihre Hauptverwaltung, ihre Hauptniederlassung, ihren Verwaltungssitz oder ihren satzungsmäßigen Sitz in Deutschland haben
    • Ab 2023: Unternehmen mit mindestens 3.000 Mitarbeitenden (inkl. Leiharbeiter*innen), das sind ca. 600 Unternehmen in Deutschland
    •  Ab 2024: Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden (inkl. Leiharbeiter*innen), ca. 2.891 Unternehmen in Deutschland

    Bei verbundenen Unternehmen (im Sinne des § 15 Aktiengesetz) werden die Arbeitnehmerzahlen gemeinsam berücksichtigt.
     

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  3. Welche Sorgfaltspflichten müssen Unternehmen, die unter das Gesetz fallen, umsetzen?

    Unternehmen, auf die das Gesetz Anwendung findet, sind zu angemessenen Sorgfaltspflichten in der gesamten Lieferkette verpflichtet. Sie sollen ein Sorgfaltspflichtensystem einrichten, dass sich in seiner Grundstruktur an den Kernelementen menschenrechtlicher Sorgfalt des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) anlehnt. 

    Die Sorgfaltspflichten umfassen nach §3 des Gesetzentwurfs:

    • Einrichtung eines menschenrechtlichen Risikomanagements
    • Festlegung einer betriebsinternen Zuständigkeit
    • Durchführung regelmäßiger Risikoanalysen (einmal im Jahr und anlassbezogen)
    • Verankerung von Präventionsmaßnahmen im eigenen Geschäftsbereich und gegenüber unmittelbaren Zulieferern
    • Ergreifen von Abhilfemaßnahmen
    • Einrichtung eines Beschwerdeverfahrens
    • Umsetzung von Sorgfaltspflichten in Bezug auf Risiken bei mittelbaren Zulieferern 
    • Dokumentation und Berichterstattung.

    Unternehmen sind verpflichtet, die Wirksamkeit der Präventionsmaßnahmen, Abhilfemaßnahmen und des Beschwerdemechanismus jährlich oder bei wesentlichen Änderungen zu prüfen.

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  4. Auf welchen Bereich der Lieferkette beziehen sich die Sorgfaltspflichten?

    Die Sorgfaltspflichten für Unternehmen beziehen sich grundsätzlich auf die gesamte Lieferkette, sind aber in der Praxis abgestuft: 

    • Eigener Geschäftsbereich und unmittelbare Zulieferer (direkte Vertragspartner): Pflicht zu Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen 
    • Mittelbare Zulieferer (in der Kette bis hinunter zum Rohstofflieferanten): Pflicht zu Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen nur, wenn das Unternehmen „substantiierte Kenntnis“ (siehe Frage 6) über eine Menschenrechtsverletzung hat. 

    Die Lieferkette wird von der Gewinnung der Rohstoffe zur Lieferung des Produktes an den Endkunden definiert. Sie „erfasst alle Schritte, die im Inland und im Ausland zu der Herstellung eines Produktes oder zu der Erbringung einer Dienstleistung notwendig sind.“ Dazu gehört auch die Inanspruchnahme von notwendigen Dienstleistungen, wie zum Beispiel der Transport oder die Zwischenlagerung von Waren.

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  5. Werden deutsche Unternehmen jetzt dafür haftbar gemacht, was ihre Zulieferer im Ausland tun?

    Von Unternehmen wird keine Garantie erwartet, alle Risiken in der Lieferkette zu beheben. Erwartet wird aber, dass sich Unternehmen die Risiken in ihren Lieferketten genau anschauen und sich mit geeigneten Maßnahmen, wie z. B. Schulungen bemühen die Risiken zu beheben oder zu mildern.

    Zudem soll es keine Haftung für das Verhalten Dritter in der Lieferkette geben. Es ist bereits jetzt grundsätzlich möglich, Unternehmen nach deutschem oder ausländischem Recht in Haftung zu nehmen; eine Änderung der zivilrechtlichen Haftungsgrundlagen ist nicht vorgesehen. Da die bestehenden Haftungsgrundlagen nicht für Menschenrechtsverletzungen in Wertschöpfungsketten geschaffen wurden, ist das in der Praxis schwer und vieles in diesem Zusammenhang unklar.

    Neu im Gesetzentwurf ist, dass Betroffene die Möglichkeit haben, inländische Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NRO) für die Führung von Zivilprozessen als Prozessstandschafter zu ermächtigen. Dabei ist erforderlich, dass die Gewerkschaft oder NRO eine auf Dauer angelegte eigene Präsenz hat, nicht gewerbsmäßig handelt und sich laut ihrer Satzung nicht nur vorübergehend für Menschenrechte einsetzt.

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  6. Was ist mit „substantiierter Kenntnis“ von möglichen Menschenrechtsverletzungen gemeint, und was muss das Unternehmen dann tun?

    Unternehmen müssen bei mittelbaren Zulieferern (mit denen sie keine direkte Vertragsbeziehung haben) Sorgfaltsprozesse umsetzen, wenn sie „substantiierte Kenntnis“ über mögliche Menschenrechtsverletzungen in der tieferen Lieferkette haben. 

    Von „substantiierter Kenntnis“ ist laut der Gesetzesbegründung auszugehen „wenn dem Unternehmen tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen, die eine menschenrechtliche oder umweltbezogene Verletzung bei einem mittelbaren Zulieferer möglich erscheinen lassen“. Hierbei handelt es sich um „überprüfbare und ernst zu nehmende Informationen über eine mögliche menschenrechtliche oder umweltbezogene Verletzung“.

    Diese tatsächlichen Anhaltspunkte können zum Beispiel darin liegen, dass: 

    • das Unternehmen über seinen Beschwerdemechanismus Informationen erhalten hat
    • die zuständige Behörde das Unternehmen informiert hat 
    •  Menschenrechtsorganisationen über Missstände berichten 
    • allgemein bekannt ist, dass in der Region oder Branche des mittelbaren Zulieferers besondere menschenrechtliche Risiken bestehen
    • es in der Vergangenheit zu Vorfällen bei dem mittelbaren Zulieferer kam.

    Wenn diese substantiierte Kenntnis vorhanden ist, muss das Unternehmen:

    • eine Risikoanalyse durchführen
    • angemessene Präventionsmaßnahmen gegenüber dem Verursacher der Verletzung verankern
    • ein Konzept zur Minimierung und Vermeidung der relevanten Verletzung erstellen und umsetzen 
    • gegebenenfalls seine Grundsatzerklärung aktualisieren.
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  7. Der Gesetzentwurf spricht von einer „angemessenen“ Umsetzung von Sorgfaltspflichten. Was ist mit „Angemessenheit“ gemeint?

    Die Frage der Angemessenheit taucht oft in dem Zusammenhang auf, welche Einflussmöglichkeiten z.B. ein Unternehmen auf einen wesentlich größeren Zulieferer hat. Grundsätzlich ist bei der Umsetzung der Sorgfaltspflichten – also Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen – „die angemessene Weise eines Handelns, das den Sorgfaltspflichten genügt“, durch folgende Kriterien definiert:

    • Art und Umfang der Geschäftstätigkeit
    • Einflussvermögen des Unternehmens auf den unmittelbaren Verursacher der Verletzung
    • Die typischerweise zu erwartende Schwere der Verletzung, der Umkehrbarkeit der Verletzung, und der Wahrscheinlichkeit des Verletzungseintritts 
    • Die Art des Verursachungsbeitrages zu dem Risiko.

    Mit der Verwendung dieses flexiblen Begriffs soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Unternehmen und ihre Lieferketten sich stark unterscheiden.

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  8. Was sind die Folgen für kleinere deutsche Unternehmen – insbesondere auch KMU – die an größere/vom Gesetz betroffene Unternehmen liefern?

    Wenn kleinere Unternehmen direkte Zulieferer von Unternehmen sind, die unter das Gesetz fallen, dann können sie durch ihre Vertragsbeziehung (in der z.B. menschenrechtsbezogene Erwartungen festgeschrieben sein könnten) durchaus von Sorgfaltspflichten betroffen sein. 

    Viele Pflichten nach dem Gesetzentwurf können jedoch ihrer Natur nach nicht weitergegeben werden. Auch wenn ein großer unter das Gesetz fallender Abnehmer von einem kleineren Zulieferer etwa verlangt, dass er in gewissem Umfang Risiken analysiert, treffen ihn keine Berichterstattungs- und Offenlegungspflichten gegenüber der Behörde und der Öffentlichkeit. Auch mit Kontrollmaßnahmen oder Sanktionen durch das BAFA hätte er nicht zu rechnen.

    Bereits jetzt sind zahlreiche Unterstützungsangebote für kleine und mittelständische Unternehmen verfügbar. So bietet der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte im Auftrag der Bundesregierung individuell, kostenlos und vertraulich Beratung zur Verankerung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten in Unternehmensprozessen an. 

    Zudem gibt es mit dem KMU Kompass ein neues Online-Tool, das sich speziell an den Anfordernissen für KMUs orientiert und bei der Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfalt unterstützt.

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  9. „Mit dem Gesetz wird die Verantwortung, die eigentlich beim Staat liegt, auf Unternehmen abgewälzt. Als einzelnes Unternehmen kann ich doch nichts tun, um schwierige Situationen in einzelnen Ländern zu verändern.“

    Die Anforderungen des Sorgfaltspflichtengesetzes orientieren sich an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. In diesem international anerkannten Referenzrahmen wird klar geregelt, dass 

    1. Staaten zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet sind („staatliche Schutzpflicht“), sowie
    2. Unternehmen eine Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte haben („unternehmerische Sorgfaltspflicht“).

    Mit dem Sorgfaltspflichtengesetz erhalten Unternehmen einen klaren, verhältnismäßigen und zumutbaren gesetzlichen Rahmen zur Erfüllung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten, der auf die Leitlinien für die unternehmerische Verantwortung der UN-Leitprinzipien basiert.

    Viele Unternehmen haben sich seit Veröffentlichung der UN-Leitprinzipien bzw. des NAP bereits mit den Anforderungen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht beschäftigt und entsprechende Prozesse umgesetzt. Über 70 Unternehmen haben sich zudem für eine klare deutsche Regelung ausgesprochen.

    Die Vorteile eines Gesetz werden vor allem bei der Rechtsklarheit, der Transparenz und der Wettbewerbsgleichheit gesehen.

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  10. In vielen Ländern gelten nicht die gleichen Menschenrechtsstandards wie bei uns in Deutschland. Warum wird von Unternehmen verlangt, dass sie im Ausland höhere Standards als die dort geltenden umsetzen?

    Von Unternehmen wird nicht verlangt, sicherzustellen, dass allen in ihrer Produktions- und Lieferkette beschäftigten Menschen alle Menschenrechte vollumfänglich gewährleistet werden. Die menschenrechtliche Schutzpflicht hat der Staat und hier vorrangig der Staat, in dem die Menschen leben.

    Insofern wird von Unternehmen nicht erwartet, dass sie in anderen Ländern ähnliche Menschenrechtsstandards wie beispielsweise in Deutschland garantieren.

    Es wird aber erwartet, dass ein „angemessenes und wirksames“ Risikomanagementsystem in Bezug auf Risiken für Menschenrechte und umweltrechtliche Pflichten eingerichtet wird (§ 4 Abs. 1).

    Die Angemessenheit basiert auf den folgenden Kriterien: Art und Umfang der Geschäftstätigkeit, das Einflussvermögen des Unternehmens auf den unmittelbaren Verursacher der Verletzung, die typischerweise zu erwartende Schwere der Verletzung, die Umkehrbarkeit der Verletzung, und die Wahrscheinlichkeit des Verletzungseintritts sowie Art des Verursachungsbeitrages zu dem Risiko (§ 3 Abs. 2).

    „Wirksam“ sind nach § 4 Abs. 2 „Maßnahmen, die es ermöglichen, Risiken zu erkennen, Verletzungen geschützter Rechtspositionen oder Verstößen gegen umweltbezogene Pflichten vorzubeugen, sie zu beenden oder zu minimieren, wenn das Unternehmen diese Risiken, Verletzungen oder Verstöße innerhalb der Lieferkette verursacht oder dazu beigetragen hat.“

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  11. Ein Gesetz könnte zur Folge haben, dass deutsche Unternehmen sich aus Entwicklungsländern zurückziehen. Das ist doch sicher nicht gewollt?

    Im Gesetz ist ausdrücklich der Grundsatz „Befähigung vor Rückzug“ verankert. Das heißt, dass Unternehmen ermutigt werden, sich nicht aus Regionen mit schwachen Standards zurückzuziehen, sondern sich vor Ort gemeinsam mit ihren Zulieferern oder innerhalb der Branche um eine Risikominimierung zu bemühen.

    Auch bei schweren Menschenrechtsverstößen ist ein Abbruch der Geschäftsbeziehung nur geboten, wenn die folgenden Faktoren gegeben sind:

    • schwerwiegende Verletzung oder Verstoß
    • Versuche der Risikominderung scheitern innerhalb der festgelegten Zeit 
    • es stehen keine anderen milderen Mittel zur Verfügung
    • die Erhöhung des Einflussvermögens ist nicht aussichtsreich

    Zudem gibt es auch andere Gründe, warum Unternehmen in bestimmten Ländern operieren. Beispielsweise erscheint eine Verlagerung der industriellen Produktion nach etwa Deutschland vor dem Hintergrund der Lohnkosten und Kosten für Umweltauflagen wenig wahrscheinlich. Auch Rohstoffe können nicht in allen Ländern gewonnen werden.

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  12. Welche Berichtspflichten gibt es für betroffene Unternehmen? Wie wird sichergestellt, dass der dafür notwendige Aufwand zumutbar ist?

    Unternehmen müssen dem BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) jährlich einen Bericht über die Umsetzung der Sorgfaltspflichten vorlegen, sowie einen Bericht online veröffentlichen.

    Der Bericht muss nachvollziehbar Auskunft geben darüber

    • ob und welche menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken das Unternehmen identifiziert hat 
    • was das Unternehmen zur Erfüllung seiner Sorgfaltspflichten unternommen hat 
    • wie das Unternehmen die Auswirkungen und die Wirksamkeit der Maßnahmen bewertet 
    • welche Schlussfolgerungen es aus der Bewertung für zukünftige Maßnahmen zieht 

    Der Bericht muss spätestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahrs online öffentlich zugänglich gemacht werden und für sieben Jahre verfügbar sein. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sind dabei gebührend zu wahren.

    Es wird an einem elektronischen Berichtsformat gearbeitet. Bestehende Berichtspflichten (z.B. CSR-Berichterstattung) sollen darin integriert werden, um Parallelstrukturen zu vermeiden.

    Des Weiteren werden „Anerkennungsmechanismen“ für bestehende Zertifizierungssysteme diskutiert.

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  13. Wer kontrolliert das Gesetz und wie?

    Die Umsetzung des Gesetzes wird durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kontrolliert.

    Unternehmen müssen mindestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahres Ihren Bericht übermitteln, die Behörde prüft die Berichte und führt zudem Kontrollen bei Unternehmen durch.

    Die Behörde kann den Unternehmen konkrete Handlungen vorgeben, einen Plan innerhalb von drei Monaten einfordern, Personen vorladen und Auskunft verlangen, Geschäftsräume betreten sowie Unterlagen und Aufzeichnungen einsehen und prüfen. 

    Zur Durchsetzung kann die Behörde Zwangsgelder verhängen. Diese können bis zu €50.000 betragen.

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  14. Gibt es Sanktionen für Unternehmen?

    Das Gesetz sieht Bußgelder vor, wenn Unternehmen ordnungswidrig (vorsätzlich oder fahrlässig) handeln. 

    Im Gesetzentwurf sind Fälle genannt, unter anderem, wenn eine Risikoanalyse nicht oder nicht vollständig ist, Abhilfemaßnahmen nicht oder nicht rechtzeitig ergriffen werden, die Dokumentation nicht erfolgt.

    Zudem können Unternehmen bis zu drei Jahre von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden.

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  15. Wie verhält sich der deutsche Gesetzentwurf zum momentan laufenden EU-Gesetzgebungsprozess?

    Im April 2020 kündigte EU-Justizkommissar Reynders einen Entwurf für die EU-weite verbindliche Regelung von Sorgfaltspflichten in Lieferketten an. Zugleich hat der Rechtsausschuss des Europaparlaments einen Berichtsentwurf mit einem Vorschlag für eine europäische Regelung ausgearbeitet. Im März 2021 stimmte dann das Europaparlament mit deutlicher Mehrheit (504 von 695 Stimmen) für den sogenannten „Legislativbericht über menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten von Unternehmen“. Das bedeutet, dass das Europaparlament der EU-Kommission empfiehlt, eine europäische Richtlinie zu Sorgfaltspflichten einzuführen. Als nächster Schritt soll bis Sommer 2021 die EU-Kommission einen Richtlinienentwurf vorlegen.

    Es lässt gegenwärtig nicht abschließend sagen, wie genau eine europäische Regelung aussehen wird. Die aktuellen Entwicklungen lassen aber vermuten, dass eine europäische Regelung weitergehende Pflichten für Unternehmen vorsieht.

    Beispielsweise soll die geplante europäische Richtlinie für Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden, aber auch börsennotierte Unternehmen sowie Unternehmen jeder Größe, die in Risikobereichen operieren, gelten. Die Sorgfaltspflichten – die explizit auch Umwelt- und Governancerisiken umfassen – gelten für die gesamte Wertschöpfungskette. Zudem sieht der Richtlinienvorschlag vor, dass die Mitgliedstaaten ihre zivilrechtlichen Haftungsgrundlagen ändern, so dass Betroffene Unternehmen auf Schadensersatz in Anspruch nehmen können, wenn die gebotene Sorgfalt nicht eingehalten wurde und hierdurch ein Schaden entstanden ist.
    Als Richtlinie müssen die in das nationale Recht der Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Gegenwärtig sieht der Richtlinienvorschlag einen Umsetzungszeitraum von 2 Jahren vor. Dadurch entsteht gegebenenfalls auch Anpassungsbedarf für das deutsche Gesetz.

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