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Loyal, motiviert, mobil: Warum sich die Fachkräftesuche im Ausland lohnt

Drei Facharbeiter, zwei Frauen und ein Mann, stehen und lächeln.
Junge, gut ausgebildete Menschen aus Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit warten auf eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Unternehmen in Deutschland finden nicht immer die passenden Fachkräfte – vor allem der Mittelstand stößt an seine Grenzen. Gleichzeitig warten in vielen Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit gut ausgebildete junge Menschen auf eine Chance. Wer sich auf internationale Azubis einlässt, gewinnt nicht nur neue Fachkräfte, sondern auch loyale, engagierte Mitarbeitende.

Mehr als jedes dritte Unternehmen in Deutschland kann offene Stellen nicht besetzen, weil es nicht genügend qualifiziertes Personal gibt. Das ist ein Ergebnis des DIHK-Fachkräftereports 2025/2026. Zwar ist die Zahl der Unternehmen, die in der Umfrage der DIHK von Schwierigkeiten mit Stellenbesetzungen berichten, im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Aber das Problem trifft nun vor allem die Unternehmen, bei denen einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr wohl einen spürbaren Unterschied machen können: den Mittelstand. Die Folgen: Aufträge bleiben liegen, Umsätze gehen verloren. 

Unternehmen können dem begegnen, indem sie ihren Blick bei der Fachkräftesuche gezielt über die Landesgrenzen hinaus erweitern und passende Bewerberinnen und Bewerber in Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ansprechen. Besonders in vielen Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit leben junge, motivierte Menschen, die gerne arbeiten würden, aber keine Arbeit finden. Sie würden die Extrameile gehen, und zwar sowohl im übertragenen als auch im buchstäblichen Sinn. Diese Menschen sind bereit, ihr berufliches Glück auch im Ausland zu suchen, zum Beispiel in Deutschland beim Nürnberger Unternehmen Industrieservice Europa. Dort arbeitet der kenianische Ingenieur Julius Kalume seit 2025 bei der Planung von Solaranlagen mit – nachdem er an einem vom Mutterkonzern des Industrieservice Europa entwickelten Qualifizierungsprogramm in Nairobi teilgenommen hatte. 

Win-Win statt Brain Drain

Institutionen wie die GIZ arbeiten in den Partnerländern in Pilotprojekten und -programmen daran, beide Bedarfe zusammenzubringen. Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft führt die GIZ beispielsweise Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekte durch. Eine Win-Win-Situation: Partnerunternehmen profitieren von der Leistungsbereitschaft der Auszubildenden. Die Partnerländer profitieren vom Aufbau neuer Qualifizierungsstrukturen vor Ort.

Die Sorge, damit möglicherweise zu einem unerwünschten Brain Drain in den Partnerländern beizutragen, ist unbegründet: „Nur dort, wo ein starker Überhang an jungen, gut ausgebildeten Menschen besteht, die der heimische Arbeitsmarkt nicht absorbieren kann, sind Projekte mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit möglich“, sagt Oliver Wagener, Business Scout der AWE bei der IHK Düsseldorf. Wo dieser Überhang nicht besteht, ziehen sich Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zurück.

Wagener hat ein konkretes Beispiel: „Auf dem Westbalkan waren wir früher mit Beratungszentren für Fachkräftemigration sehr aktiv. Das ist inzwischen ausgelaufen, weil es dort – etwa bei Pflegefachkräften – einen eklatanten Mangel gibt und die jeweiligen Regierungen kein Interesse mehr an einer Förderung der Abwanderung haben.“ In einem Gastbeitrag skizziert Wagener, was die AWE für Unternehmen tun kann, die sich dafür interessieren, ihren Fachkräftemangel im Rahmen eines Projekts in der EZ anzugehen.

Azubis aus Partnerländern erfolgreich rekrutieren

Portraitbild von Fikri Tiraki
Fikri Tiraki ist Recruiter beim Personalberatungs-Spezialisten Hays

Ganz praktische Tipps für Unternehmen, die als Partner der Entwicklungszusammenarbeit Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren möchten, hat Recruiter Fikri Tiraki vom Personalberatungs-Spezialisten Hays. Seine zwei wichtigsten Hinweise: „Die bürokratischen Hürden in Deutschland mögen unbezweifelbar hoch sein, aber sie sind handhabbar, wenn man sie von Anfang an einpreist – und sich im Zweifel Unterstützung sucht.“ Mit Unterstützung meint der Recruiting-Experte nicht nur externe Beratung, wie Hays sie anbietet, sondern zum Beispiel Unterstützung durch Berufsverbände und Handwerkskammern. Der Verband der bayerischen Garten- und Landschaftsbauer etwa arbeitet gemeinsam mit der GIZ in einem Pilotprojekt in Kenia  daran, dort Nachwuchskräfte für den Beruf des Garten- und Landschaftsbauers zu gewinnen. Eine Verbandsmitarbeiterin kümmert sich in Deutschland um die frischgebackenen Azubis – ausbildende Betriebe müssen das in diesem Modell nicht alleine stemmen. Denn was zunächst nach hohem Aufwand klingt, lohne sich am Ende, sagt der Experte: „Schon einen neuen Azubi vom Flughafen abzuholen, kann der Grundstein für eine stabile und vor allem langjährige Mitarbeitendenbindung sein.“ 

Der zweite Tipp betrifft die Sprachbarriere: Die sollte kein Unternehmen davon abhalten, vielversprechende Kandidatinnen und Kandidaten einzustellen. „Die meisten lernen Deutsch erst fließend zu sprechen, wenn sie tatsächlich hier sind und sich ins Kollegium integrieren“, erzählt Tiraki von seinen Erfahrungen. Das formale Sprachniveau auf dem Papier sage wenig über die tatsächlichen Sprachfähigkeiten aus – und noch weniger über berufliche Eignung und Motivation.

Vor allem für klassische Handwerksberufe im mittelständischen Umfeld sieht der Profi-Recruiter daher gute Chancen, mit Projekten in Partnerländern der EZ neue Fachkräfte für sich zu gewinnen: „Fliesenleger, Gas-Wasser-Installation, Bäckerei – all das sind Berufe, für die Betriebe in Deutschland händeringend Nachwuchs suchen“, beobachtet er. Unternehmen, die sich darauf einlassen, auch in Partnerländern der EZ auf Fachkräftesuche zu gehen, haben bei aller Mühe deshalb viel zu gewinnen: „Da kommen hochmotivierte, leistungsfähige und im wahrsten Sinne des Wortes bewegliche Leute“, sagt Tiraki: „Wer sie für sich gewinnen kann, der kriegt in der Regel für viele Jahre tatkräftige Unterstützung im Unternehmen.“ 

36%

der Unternehmen in Deutschland können offene Stellen nicht besetzen,

weil Fachkräfte fehlen. Quelle: DIHK Fachkräftereport 2025/26
48

das Durchschnittsalter der Fachkräfte im deutschen Garten- und Landschaftsbau

– der Nachwuchs bricht weg. Quelle: Bayerischen Gartenbauverbands GaLaBau
50%

> als 50% der Bevölkerung in Kenia sind unter 25 Jahre alt

– ein riesiges Potenzial an jungen Talenten. Quelle: United Nations Population Fund

Kein Widerspruch: Fachkräftemangel trotz steigender Arbeitslosenzahlen?

Deutschland steht vor einem scheinbaren Widerspruch: Die Arbeitslosenzahlen sind gestiegen, doch Unternehmen klagen weiter über Fachkräftemangel. Dieser Widerspruch löst sich auf, wenn man die Struktur des Arbeitsmarktes genauer betrachtet. Während Stellen zum Beispiel im industriellen Sektor abgebaut werden, bleiben in Handwerksberufen Positionen unbesetzt: Rund 200.000 offene Stellen können nicht besetzt werden, schätzt der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Diese Lücken kann der heimische Arbeitsmarkt allein nicht so schnell schließen, wie es nötig wäre – Umschulungen brauchen Zeit, die Qualifikationsanforderungen sind hoch. Hinzu kommt der demografische Wandel: Die Babyboomer scheiden in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben aus und hinterlassen eine Versorgungslücke, die ohne gezielte Zuwanderung kaum zu bewältigen sein wird.

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Oliver Wagener

Vom Fachkräftemangel zur Partnerschaft

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Oliver Wagener von der AWE erläutert, wie in Kenia deutsche Unternehmen gemeinsam mit lokalen Partnern junge Fachkräfte für Arbeitsplätze in Deutschland qualifizieren.

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Auf dem Foto sieht man: Esther Philips, Project Manager, WEALTH COLLECT Holding GmbH und Jürgen Kasel, Projektmanager Industrieservice Europa (ISE) GmbH.

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