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Vom Fachkräftemangel zur Partnerschaft

Oliver Wagener

Die AWE verbindet Unternehmen mit Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, der GIZ und Partnern vor Ort, berät zu Fördermöglichkeiten und begleitet beim Aufbau von Partnerschaftsprojekten – zum Beispiel in Kenia. Dort qualifizieren deutsche Unternehmen gemeinsam mit lokalen Partnern junge Fachkräfte für Arbeitsplätze in Deutschland.

Von Oliver Wagener, Business Scout Agentur für Wirtschaft und Entwicklung bei der IHK Düsseldorf
 

Seit letztem Jahr lebt der Kenianer Julius Kalume in Nürnberg und hilft dort mit, Photovoltaikanlagen zu planen. Er gehört zur ersten Gruppe junger kenianischer Ingenieure, die ein von einem Privatunternehmen initiiertes Qualifizierungsprogramm in Nairobi [KW1.1]absolviert haben. Anschließend kamen sie nach Deutschland – ausgebildet und mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche.

Dieses Beispiel habe ich nicht zufällig ausgewählt: Kenia ist eines unserer wichtigsten Partnerländer in der Fachkräfteausbildung, auch für die reguläre Arbeitsmigration nach Deutschland. Die AWE ist dort sehr aktiv und arbeitet eng mit der deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Nairobi zusammen. Wir vernetzen deutsche Unternehmen mit Entscheidern und Organisationen vor Ort und beraten dazu, ob und welche Fördermittel in Frage kommen. Mit dem Partners in Transformation Desk Ostafrika stehen seit 2024 außerdem unsere spezialisierten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vor Ort für alle bereit, die in der Region investieren wollen.

Im November 2025 haben wir gemeinsam mit der AHK Kenia eine Wirtschaftsdelegationsreise für deutsche Unternehmen organisiert. Das Ziel: Fachkräfte vor Ort kennenzulernen und das kenianische Berufsbildungssystem zu verstehen. Mitgereist sind auch Vertreter des Bayerischen Gartenbauverbands GaLaBau. Denn die Mitglieder des Verbands haben ein akutes Nachwuchsproblem: Die deutschen Fachkräfte sind durchschnittlich 48 Jahre alt, es fehlt an jungen Leuten im Beruf. In Kenia hingegen gibt es viele motivierte, junge Leute auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive – aber den Beruf des Landschaftsgärtners gibt es nicht. 

An dieser Stelle wird die GIZ tätig und hilft in einem gemeinsamen Projekt mit dem Bayerischen Gartenbauverband ganz praktisch: Aus einem großen Bewerberpool trifft die GIZ eine Vorauswahl – die Bewerberinnen und Bewerber können sich dann in einem Praxis-Assessment in Nairobi beweisen, bevor sie schlussendlich einen Ausbildungsvertrag in einem deutschen Unternehmen bekommen. Eine Vertreterin des Verbands begleitet die Kandidatinnen und Kandidaten im Betrieb in Deutschland.
 

AWE: Schnittstelle zwischen den Stakeholdern

Genau solche Projekte macht die AWE möglich – als Schnittstelle zwischen Unternehmen in Deutschland, Programmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) und den Akteuren vor Ort. Dank unserer Kontakte und weit verzweigten Netzwerke in Unternehmen, Institutionen und zu Organisationen vor Ort und in Deutschland wissen wir, wo gerade welcher Bedarf an Fachkräften ist – und welche Entwicklungsprogramme dabei helfen könnten, diesen Bedarf zu decken. 

Business Scouts wie ich stellen Kontakte her zwischen solchen Initiativen und Unternehmen, die einen konkreten Bedarf haben. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) sind dabei zentrale Partner der Entwicklungszusammenarbeit: als wichtige Multiplikatoren zu den Unternehmen mit akutem Fachkräftemangel. Und nicht zuletzt: Wir wissen, welche Förderprogramme es gibt und welche Projekte der EZ in welchen Partnerländern gerade umgesetzt werden. Wir vernetzen Menschen miteinander, Unternehmen und Ideen bis hin zur Anbahnung von Partnerschaftsprojekten, etwa über das Programm develoPPP. Es richtet sich an deutsche Unternehmen, die innovative Projektideen in unseren Partnerländern umsetzen wollen. Die letzte develoPPP-Ausschreibungsrunde hatte nicht zufällig das Oberthema Fachkräftemigration: Diesen Aspekt unserer Arbeit stärker in den Vordergrund zu stellen, ist gewünscht.
 

Unser Angebot: Lassen Sie uns Wege finden

Wer sich als Unternehmen in Projekten mit Partnerländern zur Fachkräfteausbildung engagiert, muss das also nicht alleine tun. So hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) etwa erst vor Kurzem die Fachkräfteallianz ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Plattform für Akteure, die sich bereits für eine faire Frachkräftegewinnung engagieren und sich sowohl stärker vernetzen als auch sichtbar machen wollen. Die Allianz ist ein weiterer Baustein, um die verschiedenen Ansätze aus der Entwicklungszusammenarbeit mit denen der deutschen Wirtschaft und weiteren Akteuren besser zusammenzuführen. 

Unser Angebot an Unternehmen: Sprechen Sie uns an. Wir kennen die Programme, wir kennen die Akteure vor Ort und wir stellen die nötigen Kontakte her – oder wissen, wer Ihnen sonst weiterhelfen kann. Egal, ob es darum geht, ein bestehendes GIZ-Programm zu nutzen, ein eigenes Partnerschaftsprojekt aufzubauen oder einfach erst einmal zu verstehen, welche Möglichkeiten es gibt: Wir helfen dabei, den richtigen nächsten Schritt zu gehen. 

Zur Person

Oliver Wagener ist Business Scout und Koordinator des IHK-Hub der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung am Standort Düsseldorf. Für interessierte Unternehmen fungiert er als erste Anlaufstelle für eine Kooperation mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und im Besonderen mit der AWE. Insbesondere KMU mit Interesse an nachhaltigen Projekten in Entwicklungs- und Schwellenländern erhalten beim IHK-Hub kostenfreie Beratung zu Projekten, Ausschreibungen und Förderprogrammen.

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