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Schnelleinstieg

Neue Märkte entstehen nicht von allein

Eine Frau steht hinter einem Rednerpult.
Am 7. Oktober 2025 stellt Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan Vertreter*innen der Wirtschaft den Aktionsplan „Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“ vor.

Michael Krake leitet seit rund zwei Monaten im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Unterabteilung „Wirtschaftliche Zusammenarbeit“. Die Redaktion sprach mit ihm über interessensgeleitete Entwicklungszusammenarbeit – und was sie für den Mittelstand bedeutet.

Redaktion: Deutsche Interessen spielen in der Entwicklungszusammenarbeit neuerdings eine größere Rolle. Was bedeutet das konkret für deutsche mittelständische Unternehmen? 

Krake: Deutsche Interessen sind sehr vielfältig und lassen sich sehr oft mit den Interessen von Entwicklungsländern verbinden. Denn diese haben Interesse an deutscher Qualität und Technologie. Wir sollten das nutzen, um einen angemessenen Anteil deutscher Unternehmen bei der Vergabe internationaler Aufträge zu erzielen. Auch Lieferkettenresilienz und Rohstoff- und Energiesicherheit in Deutschland können mit mehr Wertschöpfung und Jobs in Entwicklungsländern Hand in Hand gehen. Die Absatz- und Investitionsmärkte der Zukunft liegen daher auch auf unserem Nachbarkontinent Afrika. Und den Fachkräftemangel in Deutschland werden wir auch nur in Zusammenarbeit mit ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern beheben können.  

Redaktion: Viele Mittelständler sagen: Internationale Märkte sind zu riskant und zu komplex. Was entgegnen Sie? 

Krake: Ich treffe zunehmend Mittelständler, die eben auch die Chancen und nicht nur die Risiken im Erschließen neuer Märkte sehen. Das gilt insbesondere, zumal es sowohl aus unternehmerischer als auch gesamtwirtschaftlicher Perspektive wichtiger wird, Abhängigkeiten von einzelnen Handelspartnern zu verringern. Und schon jetzt gibt es im deutschen Mittelstand erfolgreiche Weltmarktführer sogenannte „hidden Champions“, die hoffentlich zum Nachahmen einladen. Natürlich müssen am Ende Unternehmen selbst Chancen und Risiken abwägen, die Entwicklungspolitik kann dabei unterstützen durch besondere Kenntnisse neuer Märkte, Netzwerke und natürlich auch Finanzierung. 

Redaktion: Der Mittelstand hat oft begrenzte Ressourcen für Internationalisierung. Wie stellen Sie sicher, dass gerade kleinere Unternehmen von der Entwicklungszusammenarbeit profitieren – und nicht nur große Konzerne? 

Krake: Mit den Programmen, die unter dem Dach „Partners in Transformation“ gebündelt sind, stößt das BMZ konkrete Projekte an, trägt zum Abbau von Investitionshürden bei und schafft Finanzierungsmöglichkeiten. Das BMZ bindet dabei Unternehmen gezielt ein, um gemeinsam mit ihnen Risiken zu reduzieren und neue Perspektiven zu eröffnen. Und auch durch Beratung, Vernetzung und Zugang zu attraktiven Finanzierungen unterstützt das BMZ deutsche Unternehmen – insbesondere den Mittelstand - beim Marktzugang in unseren Partnerländern.  

Redaktion: Viele Unternehmen empfinden Nachhaltigkeitsanforderungen als zusätzliche Belastung. Wird der Einstieg in neue Märkte dadurch nicht noch schwieriger? 

Krake: Nein. Nachhaltiges Wirtschaften ist vielmehr ein Markenzeichen deutscher und europäischer Unternehmen und oft zentraler für Qualität, effizientem Ressourceneinsatz und langfristigen unternehmerischen Erfolg. Was Unternehmen kritisieren, sind meist nicht die Anforderungen. Kritisch gesehen wir eher der Aufwand, der damit verbunden ist, zu belegen, dass man den Anforderungen gerecht wird.   

Redaktion: Aus Sicht von Unternehmern stellt sich oft die Frage: Wo liegen konkret die Geschäftschancen? Können Sie das greifbar machen? 

Krake: Das BMZ unterstützt Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre operative Tätigkeit vor Ort ausbauen wollen. Aber nicht nur das - auch Projekte mit Unternehmen in den Partnerländern des BMZ können deutsche Schlüsseltechnologie einsetzen, verbesserte Produkt- und Produktionsstandards einführen.  So schaffen wir einen konkreten Mehrwert auch für die deutsche und europäische Wirtschaft. Durch Projekte der „Partners in Transformation“ wurden 2025 private Investitionen in Höhe von 565 Millionen Euro angestoßen – ermöglicht durch den Einsatz öffentlicher Mittel. So entstehen Kooperationen, die wirtschaftliche Chancen eröffnen und gleichzeitig Entwicklung voranbringen.  

Redaktion: Was würden Sie einem mittelständischen Unternehmen sagen, das noch zögert, international aktiv zu werden? 

Krake: Ich würde ihnen raten, mit international erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern zu sprechen. Das finde ich überzeugender als Ratschläge der öffentlichen Hand.  

Redaktion: Kritiker sagen, Entwicklungszusammenarbeit werde zur Wirtschaftsförderung umetikettiert. Was entgegnen Sie? 

Krake: Nur weil wir das Zusammenspiel von Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit verbessern, geben wir nicht unser entwicklungspolitisches Kernmandat auf. Auch unsere Partner in Entwicklungsländern fordern vor allem mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit.  

Redaktion: Woran werden Sie messen lassen, ob diese Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit erfolgreich ist? 

Krake: Es gibt kaum ein anderes Politikfeld, das so gründlich evaluiert wird wie die Entwicklungszusammenarbeit. Von daher bin ich sicher, dass unabhängige Institutionen in einigen Jahren bewerten werden, wie gut es gelungen ist, die Entwicklungszusammenarbeit fokussierter, strategischer und partnerschaftlicher aufzustellen. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen investiert Deutschland gezielt dort, wo Entwicklungspolitik und Wirtschaft zusammenwirken und echte Partnerschaften entstehen. Denn gemeinsam erzielen wir die größte Wirkung – für die Menschen in unseren Partnerländern ebenso wie für die Menschen in Deutschland. 

Zur Person

Portraitfoto von Michael Krake
Michael Krake, Leiter der Unterabteilung „Wirtschaftliche Zusammenarbeit“ im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Michael Krake ist Wirtschaftswissenschaftler und hat sich auf internationale Zusammenarbeit und Entwicklung spezialisiert. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Politik, Diplomatie und Privatwirtschaft.

Derzeit ist er Leiter der Unterabteilung für Wirtschaftliche Zusammenarbeit im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Von 2022 bis 2025 war er in Washington, D.C. bei der Weltbankgruppe als Exekutivdirektor für Deutschland tätig. Herr Krake war hier Mitglied des Ausschusses für Entwicklungseffektivität und des Haushaltsausschusses der Weltbankgruppe.

Vor seinem Eintritt in den WBG-Vorstand war Michael Krake in leitenden Positionen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) tätig. Zuletzt war er dort Unterabteilungsleiter für Nachhaltige Lieferketten, Ernährung und ländliche Entwicklung und zuvor kommissarischer Abteilungsleiter für Globale Gesundheit, Privatwirtschaft, Handel und ländliche Entwicklung sowie Unterabteilungsleiter für Privatwirtschaft, Handel, Beschäftigung und digitale Technologien.

Von 2007 bis 2012 lebte und arbeitete Michael Krake für die Bundesregierung in Ostafrika – zunächst als Leiter der Entwicklungszusammenarbeit in Uganda und anschließend als Regionalkoordinator für Dürrevorsorge und Resilienz in Kenia.

Michael Krake ist Mitglied der von der Global Perspectives Initiative eingerichteten Expertenkommission „Deutschland und der Globale Süden“.

Vor seinem Eintritt in den Bundesdienst war er als Unternehmensberater bei McKinsey & Company tätig. Er studierte in Bonn und New York und schloss sein Studium als Volkswirt ab.

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