
Beschaffung in Weltbankprojekten
Die Weltbank finanziert weltweit Entwicklungsprojekte mit einem erheblichen Investitionsvolumen. Aktuell umfassen laufende Projekte ein Gesamtvolumen von rund 250 Milliarden US-Dollar. Jährlich werden etwa 40.000 Beschaffungsmöglichkeiten veröffentlicht, für Bauleistungen, Lieferungen von Ausrüstung sowie Beratungs- und Dienstleistungen in Weltbank-finanzierten Projekten ausgeschrieben.
Viele dieser Aufträge entstehen während der Umsetzungsphase von Projekten. Während der frühen Projektentwicklung werden häufig zunächst Studien und Beratungsleistungen vergeben. Der größte Teil der Beschaffung erfolgt anschließend während der Implementierung der Projekte über internationale Ausschreibungen, die von den jeweiligen Projektträgern in den Partnerländern durchgeführt werden.
Neben laufenden Projekten befindet sich eine große Zahl neuer Vorhaben in Vorbereitung. Die Projektpipeline umfasst Jedes Jahr internationale Ausschreibungen im Wert von ca. 11 Milliarden Euro. Ein großer Anteil dieser Investitionen entfällt auf Infrastrukturvorhaben in Bereichen wie Energie, Transport und Wasser.
Für Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, sich bereits frühzeitig über geplante Projekte zu informieren und mögliche Beteiligungsoptionen zu prüfen.
Reform des Beschaffungssystems der Weltbank
Die Weltbank hat in den vergangenen Jahren ihr Beschaffungssystem weiterentwickelt, um Projekte stärker auf Qualität, Wirkung und nachhaltige Ergebnisse auszurichten. Ein zentrales Element dieser Reform ist die stärkere Berücksichtigung qualitativer Kriterien bei internationalen Ausschreibungen.
Während in vielen Ausschreibungsverfahren traditionell vor allem der Preis eine zentrale Rolle spielte, werden künftig Mindestgewichtungen für Qualitätskriterien vorgesehen. Dazu können beispielsweise technische Leistungsfähigkeit, Projektmethodik, Nachhaltigkeitsaspekte oder Umsetzungskompetenz zählen.
Ziel dieser Anpassungen ist es, komplexe Entwicklungsprojekte stärker an fachlicher Qualität, Innovation und langfristigen Wirkungen auszurichten.
Ein weiterer Bestandteil der Reform ist die frühzeitigere Einbindung von Marktakteuren. Bei größeren Projekten führt die Weltbank zunehmend sogenannte Early Market Engagement Formate durch. Dabei tauschen sich Fachabteilungen der Bank bereits vor Ausschreibungen mit Unternehmen aus, um sich über verfügbare Technologien, Lösungen und Marktangebote zu informieren.
Dieser Austausch kann dazu beitragen, Anforderungen realistischer zu definieren und Beschaffungsstrategien besser an die tatsächlichen Marktbedingungen anzupassen. Er ist entscheidend dafür, dass Innovationen frühzeitig berücksichtigt und Projekte auf belastbaren Business Cases aus der Wirtschaft aufbauen.
Konkrete Angebote für Unternehmen
- Wir informieren regelmäßig über Neuerungen im Beschaffungsprozess der Weltbank und über die Pipeline der Bank in relevanten Sektoren.
- Wir bieten Seminare mit Fachleuten, die Unternehmen dazu beraten, wie sie erfolgreich an Ausschreibungen teilnehmen können.
- Unsere Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, sich in Netzwerke einzubringen.
- Wir informieren über Delegationsreisen und bieten die Chancen, Experten von der Weltbank zu treffen.
Lokale Wertschöpfung und nachhaltige Lieferketten
Ein weiterer Schwerpunkt der Beschaffungsreform liegt auf der stärkeren Einbindung lokaler Wirtschaft und Arbeitskräfte. In bestimmten Bauprojekten kann vorgesehen sein, dass mindestens 30 Prozent der Arbeitskosten für lokale Beschäftigung eingesetzt werden.
Darüber hinaus gewinnen lokale Lieferketten und nachhaltige Produktionsweisen zunehmend an Bedeutung. Beschaffungsprozesse können beispielsweise Kriterien zur Energieeffizienz oder zur Reduktion von Emissionen entlang von Lieferketten berücksichtigen.
Diese Ansätze sollen dazu beitragen, Entwicklungsprojekte stärker mit wirtschaftlicher Entwicklung vor Ort und mit langfristigen Nachhaltigkeitszielen zu verbinden.
Was sich konkret ändert
Stärkere Gewichtung von Qualitätskriterien
Mit der im Jahr 2025 umgesetzten Reform des Weltbank-Beschaffungswesens 2025 gelten für die Vergabe von Aufträgen nun neue Bewertungsmaßstäbe. Es gilt nun: qualitative Kriterien, wie Nachhaltigkeit, Innovationsgrad, technische Qualität, werden nun mindestens zu 50 Prozent gewichtet. Welche Dimensionen im Einzelnen bewertet werden, hängt vom jeweiligen Projekt und Sektor ab. Zu typischen Qualitätsindikatoren zählen technische Leistungsfähigkeit und Umwelteinflüsse, aber auch lokale Wertschöpfung, Ausbildungskonzepte und soziale Inklusion. Zu den Nachweisen machen die jeweiligen Ausschreibungen Vorgaben, zum Beispiel können Umweltzertifikate oder Lebenszyklus-Kosten Analysen gefordert werden.
Förderung lokaler Beschäftigung
Bei Bauaufträgen gilt seit September 2025 zudem die Vorgabe, dass mindestens 30 Prozent der Lohnkosten an lokale Arbeitskräfte fließen müssen. Gleichzeitig werden Bieter aufgefordert, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für lokale Beschäftigte einzuplanen. So sollen Projekte künftig Wertschöpfung und Know-how vor Ort fördern.
Nachhaltige Lieferketten
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Klimaschutz und Ressourceneffizienz. Über drei Viertel der weltweiten Emissionen entstehen in Lieferketten. Deshalb nutzt die Weltbank ihre Beschaffungsregeln gezielt als Hebel, um CO₂-ärmere Lieferketten zu fördern. Unternehmen werden dazu aufgefordert, den CO₂-Fußabdruck ihrer Materialien und Produktionsprozesse zu messen, Emissionen zu reduzieren und auf zertifizierte, nachhaltige Produkte umzusteigen.
Early Market Engagement
Künftig sollen sich Kreditnehmerländer und Auftraggeber vor der offiziellen Ausschreibung mit potenziellen Bietern austauschen – das sogenannte Early Market Engagement. Für größere Projekte ab zehn Millionen US-Dollar sind Workshops, Webinare und Marktkonsultationen verpflichtend. Sie dienen dazu, Anforderungen besser abzustimmen und Märkte realistisch einzuschätzen. Unternehmen erfahren dadurch frühzeitig, welche Projekte geplant sind. So können sie sich gezielt vorbereiten, Kooperationspartner finden und Innovationen voranbringen.
Vereinfachte Prozesse
Mit der Reform sollen Unternehmen künftig zudem einfacher Projekte umsetzen können. Außerdem soll der gesamte Prozess verlässlicher werden: Künftig sind direkte Zahlungen durch die Weltbank bei großen internationalen Aufträgen möglich, was Liquiditäts- und Währungsrisiken mindert. Das Beschwerdesystem wurde modernisiert, und die Kreditnehmer der Bank erhalten mehr Unterstützung beim Management komplexer Beschaffungen. Zusammen sollen diese Maßnahmen ein transparenteres, stabileres Umfeld für Anbieter schaffen – ein Pluspunkt besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen.
Frühinformationen zu Projekten
Für Unternehmen kann es entscheidend sein, sich frühzeitig über geplante Investitionen und Projektentwicklungen zu informieren. Zwischen der Veröffentlichung einer Ausschreibung und der Abgabefrist für Angebote liegt häufig nur ein begrenzter Zeitraum.
Frühe Informationen über geplante Projekte und Investitionen können daher eine wichtige Grundlage für strategische Vorbereitung, Partnersuche und Projektplanung sein.
Eine zentrale Informationsquelle zu internationalen Entwicklungsprojekten ist die Plattform von Germany Trade & Invest, auf der regelmäßig Informationen zu internationalen Ausschreibungen und Projektvorhaben veröffentlicht werden.
Veranstaltungen und Schulungen
Die AWE bietet regelmäßige Präsenzveranstaltungen und Webinare an. In Online-Seminaren und Präsenzformaten wie Schulungen teilen wir unser Wissen rund um Veränderungen in der Beschaffungspolitik. Außerdem fördern wir Netzwerk- und Konsortialbildungen und vermitteln Zugang zu lokalen Kooperations- und Konsortialpartnern, zu relevanten Entscheidungsträgern, Fachdialogen und Networking-Events.
Sektoren und Zusammenarbeit in Weltbank-Projekten
Die Weltbank investiert weltweit in eine Vielzahl von Entwicklungssektoren. Viele dieser Projekte werden im Rahmen internationaler Ausschreibungen umgesetzt und erfordern unterschiedliche technische, organisatorische und fachliche Kompetenzen.
Zu den wichtigen Sektoren gehören unter anderem
- Wasser- und Abwasserinfrastruktur
- Abfall- und Kreislaufwirtschaft
- Energieversorgung und Energienetze
- Gesundheitssysteme und medizinische Infrastruktur
- digitale Infrastruktur und Informationstechnologie
Die Umsetzung größerer Projekte erfolgt häufig durch internationale Konsortien, in denen unterschiedliche Kompetenzen zusammengeführt werden. Dazu können beispielsweise Bauunternehmen, Technologieanbieter, Beratungsunternehmen sowie lokale Projektpartner gehören.
Kooperationen spielen insbesondere bei komplexen Infrastrukturprojekten eine wichtige Rolle. Unternehmen arbeiten dabei häufig mit lokalen Partnern oder internationalen Konsortialpartnern zusammen, um technische, finanzielle und regionale Expertise zu bündeln.
Was die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) für Sie tun kann
Die AWE unterstützt Unternehmen dabei, Zugänge zur Weltbank gezielt zu erschließen und sich für die Beteiligung an Ausschreibungen strategisch zu positionieren.
Im Mittelpunkt steht die Vernetzung mit den richtigen Ansprechpartnern: Die AWE bringt Unternehmen mit relevanten Fachverantwortlichen und Entscheidungsträgern der Weltbank zusammen und schafft so direkte Zugänge zu aktuellen Entwicklungen und konkreten Vorhaben.
Durch kuratierte Austauschformate, Fachveranstaltungen und gezielte Vernetzungsangebote entstehen passgenaue Kontakte und neue Kooperationsmöglichkeiten. Unternehmen erhalten die Möglichkeit, sich frühzeitig zu orientieren, Partner zu finden und sich in einem komplexen Umfeld fundiert aufzustellen.
Kooperations- und Konsortialbildung
Viele Weltbankprojekte werden von internationalen Konsortien umgesetzt. Unternehmen arbeiten dabei häufig mit weiteren technischen Partnern, Beratungsunternehmen oder lokalen Akteuren zusammen.
Die AWE unterstützt Unternehmen auch bei der Anbahnung solcher Kooperationen, beispielsweise durch Netzwerkveranstaltungen, Fachdialoge oder Delegationsreisen, bei denen Kontakte zu potenziellen Projektpartnern in verschiedenen Regionen entstehen können.

