Tourismus und Entwicklung
Tourismus bietet großes Potenzial für nachhaltige Entwicklung. Die deutsche Reise- und Touristikbranche ist ein wichtiger Partner für Länder des Globalen Südens, um nachhaltige und erfolgreiche lokale Wertschöpfungsketten in der Tourismusbranche aufzubauen. Davon profitieren auch die Reiseunternehmen:
- Tourismus gehört mit einem Anteil von rund zehn Prozent am globalen BIP zu den größten Wirtschafts- und Wachstumsbranchen.
- Der Globale Süden bietet Tourismusunternehmen vielfältige Chancen, um ihr Angebotsportfolio zu diversifizieren und sich durch nachhaltige Angebote am Markt zu profilieren.
- Nachhaltige Tourismusinfrastrukturen tragen entscheidend zur langfristigen Attraktivität und wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Reisezielen sowie zu stabilen lokalen Lieferketten bei.
- Tourismusunternehmen profitieren von Partnerschaften zur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften in den Zielregionen.
- Die deutsche Wirtschaft kann durch den Aufbau nachhaltiger Tourismusangebote im Globalen Süden nicht nur Entwicklung fördern, sondern Risiken minimieren und resiliente Geschäftsmodelle aufbauen.
Tourismuswirtschaft: Treiber für Wachstum und Entwicklung
Tourismusbranche: Nachhaltige Wachstumschancen im Globalen Süden nutzen
Die Tourismusbranche gehört seit Jahrzehnten zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen. Mit immer mehr internationalen Reisenden steigt auch die wirtschaftliche Bedeutung: 2023 trug der Tourismussektor rund zehn Prozent zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. 2024 übertraf die Branche das Vor Corona Niveau. Etwa jeder zehnte Arbeitsplatz weltweit steht in direktem Zusammenhang mit dem Tourismus. Immer mehr Menschen interessieren sich für authentische, naturverträgliche und verantwortungsvolle Reiseformen. Nachhaltiger Tourismus zählt zu den stärksten Wachstumstrends: Reisende wollen mit ihrem Aufenthalt positive Wirkung erzielen – für Umwelt, Kultur und lokale Wirtschaft. Über die Hälfte aller Deutschen haben bereits ein Entwicklungs oder Schwellenland besucht, und viele von ihnen achten inzwischen bewusst auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung bei ihrer Reiseentscheidung.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert aktuell mehr als 50 Projekte mit Tourismusbezug. Tourismusprojekte sind dabei meist Teil umfassender Programme zur Förderung von Resilienz und sektorübergreifender Entwicklung. Die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft ist dabei ein wichtiger Hebel: Unternehmen bringen Innovationskraft, Know-how sowie Kapital ein und tragen Mitverantwortung für soziale und ökologische Standards in den Destinationen. Reiseunternehmen werden im Rahmen der Partnerschaften und Förderprogramme ermutigt, über ihre Geschäftsmodelle hinaus zu lokaler Wertschöpfung und nachhaltiger Regionalentwicklung beizutragen.
Die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) bietet Anknüpfungspunkte für Tourismusunternehmen und hat Mitarbeiter*innen in Regionen, die touristisch attraktiv und wirtschaftlich relevant sind. Typische Anknüpfungspunkte für nachhaltige Tourismusprojekte sind:
- ländliche Entwicklung (z.B. in Albanien),
- regionale Wertschöpfung (z.B. in Malawi und Tunesien),
- soziale Inklusion (z.B. Laos),
- Diversifizierung von Einkommen (z.B. in Südosteuropa)
- Kultur- und Umweltschutz (z.B. in Tunesien).
Vor Ort vernetzen wir Unternehmen mit NGOs und Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit und helfen, passende Partner zu finden.
Standorte mit Wachstumsperspektiven für nachhaltigen Tourismus
Südliches Afrika
Afrika ist die am schnellsten wachsende Tourismusregion der Welt. Im vergangenen Jahr (2025) wuchs der Tourismussektor im südlichen Afrika um etwa zehn Prozent – angetrieben durch Safari-, Geschäfts- und Abenteuertourismus. In Ländern wie Südafrika, Namibia und Kenia entstehen Solar Lodges, klimaneutrale Hotels und Safariangebote mit lokaler Wertschöpfung. Auch Äthiopien und die Seychellen verzeichneten starken Zuwachs als Tourismusdestinationen.
Durch steigende Einnahmen wird vermehrt in erneuerbare Energien, Infrastrukturausbau, Naturschutz und Digitalisierung investiert. Partner wie die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank fördern Programme zu Naturtourismus, Einbindung lokaler Gemeinden, Fachkräfteentwicklung, Klimaanpassung und Biodiversitätsschutz.
Diese Entwicklungen bieten hervorragende Einstiegspotenziale für Tourismusanbieter.
Südostasien
Auch Südostasien gehörte 2025 zu den wachstumsstärksten Tourismusregionen weltweit. Besonders Vietnam mit einem Wachstum von über acht Prozent und Indonesien mit dem schnellsten Wachstum seit zwei Jahren zählen zu den Top-Performern. Diese Destinationen setzen verstärkt auf klimafreundliche Infrastrukturprojekte, energieeffiziente Hotelstandards sowie auf Strategien zur Reduzierung von Plastik und Abfall in beliebten Küstenregionen.
Gleichzeitig fördern Regierungen und Entwicklungsbanken Innovationen zur Bewältigung der Klimafolgen und unterstützen Betriebe beim Übergang zu umweltfreundlicheren Geschäftsmodellen. In Indonesien konnten durch nachhaltige Tourismusentwicklungsprogramme bereits 1,2 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden.
Zudem entwickelt sich der Sektor digital weiter: Datenbasierte Besucherlenkung, KI gestützte Buchungssysteme und smarte Energie und Verkehrsmanagementlösungen schaffen neue Märkte.
Durch Partnerschaften mit der Entwicklungszusammenarbeit können Unternehmen vor Ort nachhaltige Lösungen und attraktive Angebote entwickeln – von klimafreundlichen Hotels und Kreislaufwirtschaft Projekten bis hin zu Bildungsinitiativen für Fachkräfte im Tourismussektor.
Lateinamerika
Zu den besucherstärksten Reisezielen Lateinamerikas zählen unter anderem Länder wie Brasilien, Kolumbien und Mexiko. Brasilien verzeichnete 2025 den höchsten Zuwachs an internationalen Ankünften weltweit – rund 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Wachstum ist Ergebnis gezielter staatlicher Strategien, die nachhaltige Infrastruktur, internationale Konnektivität und ökologische Standards stärker fördern.
Zahlreiche Entwicklungsinitiativen begleiten die Region auf diesem Weg und unterstützen Länder beim Aufbau nationaler Strategien für nachhaltigen Tourismus, um Kapital gezielt in grüne Investitionen zu lenken – etwa energieeffiziente Hotels, kulturorientierte Stadterneuerungen oder regenerative Tourismusangebote in ländlichen Regionen. Auch Sektoren wie erneuerbare Energien, Biodiversitätsschutz und Fachkräfteentwicklung eröffnen Kooperations- und Marktperspektiven.
Osteuropa
Osteuropa zählt seit mehreren Jahren zu den dynamischsten Tourismusregionen Europas. Zentral- und Osteuropa verzeichneten 2024 die stärkste Wachstumsrate aller europäischen Regionen im internationalen Tourismus. Länder entlang der Adria und in den Karpaten verzeichnen besonders hohe Zuwächse im Natur-, Outdoor- und Kulturtourismus. Gleichzeitig treiben steigende Einnahmen Investitionen in nachhaltige Infrastruktur voran – etwa in energieeffiziente Hotels, Abfall- und Abwassersysteme, sowie den Ausbau von Wander-, Rad- und Schutzgebietsangeboten. Besonders Albanien hat sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenziel zu einer zunehmend gefragten Destination entwickelt. Das Land empfing 2024 rund knapp zwölf Millionen ausländische Tourist*innen – ein Wachstum von 15 Prozent gegenüber 2023.
Entwicklungsinitiativen der GIZ wie das Programm „Green Transition for Circular Economy“ unterstützt Unternehmen beim Aufbau ressourceneffizienter Betriebsprozesse – etwa durch Abfallreduktion, Wiederverwertung und nachhaltige Energie- und Materialnutzung in touristischen Betrieben. Ein weiteres praktisches Beispiel ist der Peaks of the Balkans-Fernwanderweg, der als gemeinsames Angebot Albaniens, Montenegros und des Kosovos mit Unterstützung der GIZ entwickelt wurde. Damit entstehen vielfältige Chancen für Unternehmen – von natur- und kulturorientierten Angeboten über nachhaltige Infrastruktur- und Mobilitätslösungen bis hin zu Dienstleistungen rund um Regionalentwicklung und Fachkräfte-Qualifizierung.
Unterstützungsangebote für Unternehmen
Die AWE organisiert ihre Unterstützungsangebote für die Tourismusbranche auch über den im Jahr 2016 gegründeten Branchendialog Tourismus für nachhaltige Entwicklung.
- Multi-Akteurs-Partnerschaft: Rund 30 Unternehmen der Reisebranche, Tourismusverbände, Nichtregierungsorganisationen und Universitäten engagieren sich im Branchendialog.
- Arbeitsgruppen und Projektteams bearbeiten laufend aktuelle Themen rund um Tourismus und Entwicklung.
- Die AWE organisiert den Branchendialog in enger Abstimmung mit dem BMZ und stellt Kontakte zu Tourismusprojekten der GIZ in den Destinationen und politischen Akteuren in Deutschland her.











