Das Land
Mehr als nur Rohstoffe
Brasilien ist voller Gegensätze – es versorgt die Welt mit Rohstoffen, darunter Eisenerz, Kaffee oder Rindfleisch. Gleichzeitig behauptet sich das Land als aufstrebender Technologiestandort. Fast zwei Drittel seiner 216 Millionen Einwohner*innen sind zwischen 15 und 64 Jahren alt, während die Lebenserwartung seit Jahrzehnten kontinuierlich steigt. 2024 lag sie bei 76,02 Jahren. Mit der 24-fachen Fläche Deutschlands entwickelt sich Brasilien zudem zum Öko-Energiegiganten. Es hat riesiges Potenzial bei Wasser-, Wind- und Sonnenkraft sowie Biomasse.
Der Markt
Digitalisierung und grüne Transformation eröffnen neue Geschäftsfelder
Brasilien investiert verstärkt in erneuerbare Energien. Bundesstaaten wie Piauí bauen ihre Hafeninfrastruktur für den Export von grünem Wasserstoff nach Europa aus. So entsteht etwa der Green Energy Park Piauí in der Sonderwirtschaftszone Parnaíba, der 10,8 Gigawatt grünen Wasserstoff günstig produzieren wird.
Kreislaufwirtschaft auf dem Vormarsch
Auch die Kreislaufwirtschaft wächst. Nicht umsonst fand das World Circular Economy Forum 2025 in São Paolo erstmalig in Lateinamerika statt. Deutsche Unternehmen profitieren von Investitionsförderungen in Deponien, Recycling und Energiegewinnung aus Abfall („waste-to-energy“). Digitale Services stehen ebenfalls im Fokus – dafür nötige Kompetenzen vermittelt unter anderem das AWE-Projekt Women Going Digital. Die Verwaltung São Paulos investiert etwa über 200 Millionen US-Dollar in die Verwaltungsdigitalisierung.
Die Wirtschaft
Wachstumskurs mit kleinen Dämpfern
Brasiliens Wirtschaft wuchs 2024 um 3,4 Prozent. 2025 soll das Wachstum zwar auf 1,9 Prozent zurückgehen, langfristig aber stabil bleiben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei rund 2,12 Billionen US-Dollar, die Arbeitslosenquote bei aktuell 6,5 Prozent.
Wichtige Wirtschaftssektoren sind Industrie und Bergbau (21,9 Prozent Anteil am BIP), Handel, Gaststätten und Hotels (12 Prozent), Transport, Logistik und Kommunikation (6,9 Prozent) sowie die Agrarwirtschaft (6,9 Prozent).
Brasilien erzielte 2024 einen Handelsüberschuss von knapp 60 Milliarden US-Dollar, vor allem aus Rohstoffexporten. Zu den wichtigsten Exportwaren gehören Soja, Fleisch und Erdöl. Die Wirtschaftsbeziehungen zur EU sind eng – besonders zu Deutschland als drittwichtigstem Lieferland.
Wussten Sie, dass...
- in Brasilien über 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen?
- Brasilien die neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt ist?
- das Land eine der größten Start-up-Szenen in Lateinamerika hat?
Die Politik
Politisch stabil, aber unter Druck
Brasilien will im Jahr 2025 eine umfassende Steuerreform umsetzen. Diese soll es erleichtern, Konsumsteuern zu erheben, und Bürokratie abbauen. Die Zollpolitik ist komplex – insbesondere die jüngst von Donald Trump verhängten US-Importzölle von 50 Prozent sorgen für Verunsicherung. Politisch ist das Land stabil, aber polarisiert, was Reformen erschweren kann. Freedom House schätzt Brasilien zwar politisch und gesellschaftlich insgesamt mit 72 von 100 Punkten als „frei“ ein. Allerdings zeigt der Gini-Koeffizient mit einem Wert von 51,6 hohe Ungleichheit an und der Korruptionsindex von Transparency International liegt bei 34 von 100 (Rang 107 weltweit).
Die Chancen
Fünf Sektoren mit Potenzial für deutsche Firmen
Brasilien vereint wirtschaftliche Größe, Ressourcenvielfalt und Innovationskraft – ideale Anknüpfungspunkte für deutsche Unternehmen mit entwicklungspolitischem Engagement.
Unterstützung und Förderung bieten unter anderem das develoPPP-Programm und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die AWE berät Unternehmen bei der Umsetzung entwicklungspolitisch relevanter Projekte vor Ort.
Chancen bestehen besonders in fünf Bereichen:
- Erneuerbare Energien (Solar, Wind, Biomasse)
- Dekarbonisierung der Industrie
- Nachhaltige Landwirtschaft
- Digitale Lösungen in Bildung, Gesundheit und Verwaltung
- Kritische Rohstoffe für Elektromobilität, Energiespeicherung und Hightech-Industrien (Lithium, Niob, Kobalt)
Zudem berät die AWE zu Wasser- und Abfallwirtschaft.





