Das Land
Immer urbaner und besser ausgebildet
Ghana ist eine aufstrebende Demokratie in Westafrika mit ungefähr 35 Millionen Einwohner*innen. Knapp 60 Prozent von ihnen leben in Städten. Die Urbanisierung hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr zugenommen. Dies belastet die Städte, führt etwa zu schlechten Straßenverhältnissen und Stromausfällen.
Mit einem Medianalter von 21 Jahren ist Ghana ein junges Land. Da die ghanaische Regierung seit den neunziger Jahren verstärkt in Bildung investiert hat und immer mehr vor allem private Hochschulen gegründet wurden, gibt es viele gut ausgebildete Akademiker*innen und Fachkräfte. Die Amtssprache in Ghana ist Englisch, was inmitten von frankophonen Nachbarn in Westafrika ein Wettbewerbsvorteil ist.
Die Topografie in Ghana ist vielfältig: Küste, Savanne, Gebirge. Der Volta-Stausee bietet Potenzial für Wasserkraft, die Sonne für Photovoltaik. Ghana ist reich an Gold und Bauxit, ein Erz, aus dem Aluminium gewonnen wird.
Der Markt
Auf dem Weg zur 24-Stunden-Wirtschaft?
Ghanas Zukunftsbranchen stehen im Zeichen der „Reset Agenda“ von Präsident John Mahama und seiner sozialdemokratischen Partei National Democratic Congress (NDC). Mit einem Paket von vier Milliarden US-Dollar will die NDC die Wirtschaft nachhaltiger und digitaler gestalten. Bis 2030 könnte der Wert der ghanaischen Digitalwirtschaft von einer auf fünf Milliarden US-Dollar ansteigen. Chancen bieten hier Finanztechnologien, KI und IT-Outsourcing. Ghana ist außerdem Teil der „Global Gateway“-Initiative der Europäischen Union (EU), die bis 2027 rund 300 Milliarden Euro in nachhaltige Projekte investiert, zum Beispiel in den sicheren Abbau von Bauxit.
Des Weiteren sollen erneuerbare Energien, faire Jobs in der Landwirtschaft und die Impfstoffproduktion gefördert werden. Langfristig will John Mahama Ghana zu einer 24-Stunden-Wirtschaft aufbauen, in der das Land rund um die Uhr produktiv ist.
Die Wirtschaft
Wirtschaft wächst, doch Abhängigkeit bleibt
Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 114,7 Milliarden US-Dollar in 2025 stellt Ghana die zehntstärkste Wirtschaft Afrikas und liegt damit weltweit im Mittelfeld. Die Wirtschaftsleistung wächst kontinuierlich, etwa um sechs Prozent im Jahr 2025 und damit mehr als in Subsahara-Afrika im Durchschnitt (3,5 Prozent).
Die wichtigsten Eckpfeiler der Wirtschaft sind Landwirtschaft, Bergbau und die Ölproduktion. Ghana ist dabei noch sehr von Öl-, Gold- und Kakao-Exporten abhängig. Ebenso fällt es dem Staat trotz des Wirtschaftswachstums schwer, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zwischen 80 und 90 Prozent der Menschen arbeiten immer noch im informellen Sektor, also in einem Job, der nicht staatlich erfasst und reguliert wird. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent. Die Inflation sank im Jahr 2025, blieb aber zweistellig.
Wussten Sie, dass...
- es in Ghana mit 38,3 Millionen mehr Mobilfunkverbindungen als Einwohner*innen gibt?
- der Volta-Stausee mit einer Fläche von fast 8.500 Quadratmetern einer der größten Stauseen der Welt ist?
- sich die Zahl der Internetnutzer*innen seit 2017 von 11 auf 24 Millionen Menschen mehr als verdoppelt hat? (70 % der Bevölkerung)
Die Politik
Ein Stabilitätsanker für die Region
Mit einer stabilen Demokratie und freien Wahlen gilt Ghana als Stabilitätsanker der Region. Die Regierung von Präsident John Mahama gilt als sehr offen für ausländische Investoren. Der Freedom House Index bewertet Ghana mit 80/100 Punkten als „frei“. Im internationalen Corruption Perception Index (CPI) liegt Ghana auf Platz 76 und damit im Mittelfeld. Soziale Ungleichheit und die Diskriminierung von LGBT+-Gruppen sind ebenfalls problematisch in Ghana.
Derzeit verzögert sich die Ratifizierung eines Wirtschaftspartnerschaftsabkommens (WPA) zwischen der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) und der EU. Deshalb hat Ghana interimsmäßig ein bilaterales Abkommen mit der EU vereinbart. Dieses Abkommen gewährt ghanaischen Exporteuren zoll- und quotenfreien Zugang zum EU-Markt; im Gegenzug soll Ghana bis 2029 80 Prozent des Zoll-Volumens auf EU-Importe beseitigen.
Die Chancen
Vielfältige Chancen und Fördermöglichkeiten
Deutschland und Ghana verbindet eine lange Entwicklungspartnerschaft (seit 1975). Zahlreiche Institute und Stiftungen sind hier aktiv. Unternehmen schätzen die politische Stabilität als Grundlage für Investitionen. Google beispielsweise eröffnete im Jahr 2025 das AI Community Centre in Accra. Auch einige deutsche Unternehmen wie DHL, Krones oder Liebherr sind vor Ort.
Förder- und Beratungsinstrumente verschaffen Unternehmen und Institutionen in Ghana einen guten Einstieg: develoPPP, der Import Promotion Desk, das Darlehensprogramm Impact Connect oder Kammer- und Verbandsförderungen der sequa GmbH. Die AWE steht als erster Ansprechpartner bereit und begleitet nachhaltige Projekte. In folgenden Sektoren steckt besonders viel Investitionspotenzial:
- Bergbau
- Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie
- Gesundheits- und Pharmawirtschaft
- Informations- & Kommunikationstechnik
- Landwirtschaft
- Maschinenbau





