Das Land
Einzigartige Schnittstelle zwischen Nord und Süd
Mexiko hat eine einzigartige Position inne: Sprachlich gehört das Land zu Lateinamerika, doch geografisch ist es Teil Nordamerikas. Tatsächlich überflügelte Mexiko 2024 sowohl China als auch Kanada und gilt nun als der größte US-Handelspartner mit einem Handelsvolumen von fast 850 Milliarden US-Dollar. Das unterstreicht die Bedeutung der mexikanischen Wirtschaft als Schnittstelle zwischen Nord und Süd.
Zwar gehört Mexiko laut Weltbank zu den Ländern mit gehobenem mittlerem Einkommen. Doch eine tiefe soziale Spaltung prägt die Gesellschaft, denn über ein Drittel der Bevölkerung lebt in Armut. Das betrifft besonders die ländlichen Regionen sowie die indigenen Völker.
Mexiko ist ein sehr urbanes und relativ junges Land. 82 Prozent der 130 Millionen Einwohner*innen leben in Städten. Das Durchschnittsalter liegt bei etwas über 29 Jahren. Mit einer Alphabetisierungsrate von 95 Prozent gehört Mexiko zum oberen Mittelfeld.
Der Markt
Ambitionierte Wachstumspläne
Die Automobilindustrie spielt eine wichtige Rolle für die mexikanische Wirtschaft, denn sie sorgt für ein Viertel aller Exporte. Dort ist die Umrüstung auf E-Mobilität ein großes Thema. Das ist besonders für Zulieferer relevant. Zudem fertigt das Land viele Elektronik- und Haushaltsgeräte sowie die dazugehörenden Sensoren – die zweite wichtige Branche des Landes.
Doch dabei soll es nicht bleiben. Mit ihrem „Plan México“ strebt die Regierung an, zur zehntgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufzusteigen. 270 Milliarden Euro an Investitionen stehen dafür bereit. Diese sollen nicht nur in die etablierten Sektoren fließen, sondern auch neue oder bisher weniger starke Branchen voranbringen. Dazu gehören neben der Flugzeug- auch die Halbleiter- und Textilindustrien sowie die erneuerbaren Energien. Die Regierung will die erneuerbaren Energien, aber auch andere Bereiche der grünen Wirtschaft, wie die Kreislaufwirtschaft oder den Ökotourismus, stärken – etwa indem sie die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften fördert.
Die Wirtschaft
Die Zollpolitik sorgt für Unsicherheit
Die mexikanische Wirtschaft war eigentlich mit viel Schwung aus der Coronakrise gekommen und 2021 um über sechs Prozent gewachsen. Anschließend hatte sich der Trend gedreht und das Wachstum wurde sukzessive geringer. 2025 dürfte den Tief- aber auch Wendepunkt dieser Entwicklung markiert haben: 2026 sehen die Prognosen für die mexikanische Wirtschaft bereits optimistischer aus und 2027 soll der BIP-Zuwachs mit 2 Prozent weiter anziehen. Das schlägt sich allerdings nur verzögert auf dem Jobmarkt nieder. Die Arbeitslosenquote steigt 2026 moderat auf 3,1 Prozent an.
Zwei Sektoren dominieren die mexikanische Wirtschaft: Industrie und Bergbau auf der einen Seite sowie Handel, Gaststätten und Hotels auf der anderen. Gemeinsam steuern die beiden Bereiche gut die Hälfte der Wirtschaftsleistung bei. Europa pflegt enge Beziehungen mit dem lateinamerikanischen Land – besonders Deutschland als wichtigster Handelspartner in der EU.
Wussten Sie, dass…
- Mexiko weltweit der viertwichtigste Standort für Direktinvestitionen deutscher Unternehmen ist?
- in Mexiko 300.000 direkte Arbeitsplätze durch deutsche Unternehmen bestehen?
- es in Mexiko 2.100 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung gibt – mehr als in jedem anderen lateinamerikanischen Land?
Die Politik
Die Lage ist unruhig
Die Partei Morena (Movimiento Regeneración Nacional) hält seit 2018 die politische Macht in den Händen. Zunächst unter Präsident Andrés Manuel López Obrador und nun Präsidentin Claudia Sheinbaum verfolgt Morena eine Politik sozialer Programme und institutioneller Reformen. Zu letzteren gehört die umstrittene Direktwahl von Richter*innen, die Kritiker*innen zufolge Gewaltenteilung und Demokratie gefährden könnte. Weiterhin plagt das Land die organisierte Kriminalität und die im internationalen Vergleich hohe Korruption (Platz 141 von 182 Ländern im CPI 2025).
Mexiko gilt als „teilweise frei“ mit einem Freedom House Score von 58/100. Der Gini-Koeffizient liegt bei 43,5 und zeigt eine hohe soziale Ungleichheit an.
Die Chancen
Viele Anknüpfungspunkte für deutsche Unternehmen
Der aktuelle Kurs der Regierung zeigt: Mexiko will seine Wirtschaft zukunftsfähig machen. Davon können auch deutsche Firmen profitieren. Förderung können sie zum Beispiel über develoPPP erhalten. Gleichzeitig unterstützt die AWE deutsche Unternehmen dabei, entwicklungspolitisch relevante Projekte in Mexiko zu identifizieren und umzusetzen. Die größten Chancen ergeben sich für Unternehmen in fünf Bereichen:
- Automobilindustrie und E-Mobilität: schon jetzt das wichtigste Standbein der mexikanischen Wirtschaft.
- Elektronik und Haushaltsgeräte: ist bereits stark und soll weiterwachsen.
- Erneuerbare Energien: Ein Teil des Geldes aus dem Plan México soll in erneuerbare Energien fließen und etwa die Dekarbonisierung der Industrie vorantreiben.
- Flugzeugindustrie: Der Sektor wird immer wichtiger für Mexikos Wachstumsziele.
- Aus- und Weiterbildung von Fachkräften: für die grüne Wirtschaft und die alternde Gesellschaft.




