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Das 1x1 der Entwicklungszusammenarbeit für Unternehmen

Entwicklungszusammenarbeit gilt als komplexes Unterfangen. Finden Sie einen schnellen Einstieg.

Hand bedient digitales Dashboard mit Symbolen für Logistik, Produktion, Team und steigende Kennzahlen

Viele deutsche Unternehmen verfügen über Spezialwissen, Produkte oder Dienstleistungen, die auch in Entwicklungs- und Schwellenländern gebraucht werden – etwa in Bereichen wie Bildung, Energie, Landwirtschaft oder Handwerk. Wer sich dort engagiert, kann neue Märkte erschließen und Partnerschaften aufbauen und zugleich zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Doch wie gelingt der Einstieg in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ)? Wenn Sie sich engagieren wollen, ist die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) Ihr erster Ansprechpartner. Die AWE verfügt über ein breites Netzwerk an Partnern, auch in Schwellen- und Entwicklungsländern und unterstützt Sie in jeder Phase Ihres Projekts. Hier können Sie Beratung erhalten, wenn Sie 

  • in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren oder tätig werden wollen, 
  • Projekte planen, etwa in Infrastruktur, Energie, Bildung, Landwirtschaft, und 
  • Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten nutzen möchten.

1. Vom Geschäftsmodell zur Projektidee

Am Anfang steht eine klare Frage: Was kann mein Unternehmen in oder mit Entwicklungs- oder Schwellenländern realisieren? Das kann zum Beispiel die Erschließung eines neuen Marktes, die Diversifizierung von Lieferketten oder die Anwerbung von qualifiziertem Personal sein. Entscheidend ist, dass das Engagement auch für die Wirtschaft im Partnerland relevant ist.

Für Unternehmen, die erste Schritte in der EZ erwägen, ist die AWE die erste Adresse. Wir bieten kostenfreie Erstberatung, Informationen zu Förderprogrammen und vermitteln relevante Kontakte. Unser Ziel: Unternehmer*innen strukturiert auf ihrem Weg ins entwicklungspolitische Engagement zu begleiten.

Was ist Entwicklungszusammenarbeit?

Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Außen- und Nachhaltigkeitspolitik. Sie ist ein Instrument, dass dazu dient, Deutschlands geopolitische Interessen zu unterstützen und faire und vertrauensvolle Beziehungen zu Entwicklungs- und Schwellenländern aufzubauen. Außerdem verfolgt die EZ das Ziel, gemeinsam m Armut zu bekämpfen, Frieden zu fördern, Menschenrechte zu stärken und nachhaltige wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung zu unterstützen. 

Deutschland versteht EZ als partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Dabei orientiert sich die deutsche EZ an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen. 

Konzipiert wird die deutsche EZ durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das BMZ setzt entwicklungspolitische Schwerpunkte, die sie mit anderen Ressorts der Bundesregierung aushandelt. Die Umsetzung erfolgt von sogenannten Durchführungsorganisationen (siehe Infografik), unter anderem durch die GIZ (für technische Zusammenarbeit) und die KfW Entwicklungsbank (für finanzielle Zusammenarbeit).

2. Einstiegsmöglichkeiten prüfen: Welche Wege gibt es?

Ein zentraler Zugang besteht über öffentlich geförderte Programme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ):

Staatliche Programme

  • Ein wichtiges Instrument ist develoPPP – ein BMZ-Programm für Unternehmen, die innovative Projekte mit entwicklungspolitischem Mehrwert umsetzen wollen. Hier winken Co-Finanzierungen, Beratung durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und Unterstützung bei der Projektentwicklung. Unternehmen, die an develoPPP teilnehmen, bilden Private-Private-Partnerships (PPP). Das heißt, sie bringen 50 Prozents des gesamten Investitionsvolumens in das Projekt. Die andere Hälfte stellt der öffentliche Partner zur Verfügung.
  • Auch die DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) begleitet Unternehmen finanziell und strategisch, zum Beispiel mit Darlehen (via ImpactConnect) oder Beteiligungen. Die Darlehen erfolgen mit attraktiven Zinsen, die umso geringer ausfallen, wenn das Vorhaben einen besonders transformativen Impact zum Ziel hat.
  • Auch über den Import Promotion Desk (IPD) der sequa gGmbH und des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) können Unternehmen Unterstützung erhalten, etwa wenn es darum geht, Kontakte zu zuverlässigen Lieferanten und Kooperationspartnern für Lebensmittel, digitale Services und nachhaltigen Tourismus zu knüpfen.
  • Wenn Sie Waren exportieren oder im Ausland Projekte durchführen wollen, können Sie von der IPEX-Bank der KfW Kredite erhalten. Ihr Vorhaben sollte dabei digitales und nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen.

Ausschreibungen von multilateralen Organisationen

Eine weitere, häufig unterschätzte Möglichkeit sind Ausschreibungen: Öffentliche Entwicklungsorganisationen oder Finanzinstitute wie die GIZ, die KfW Entwicklungsbank, die Vereinten Nationen (UVN), die Weltbank oder die Europäische Union (EU) vergeben regelmäßig Aufträge an private Unternehmen – von Beratungsleistungen über Bauprojekte bis hin zu digitalen Lösungen. Solche Ausschreibungen sind nicht nur ein direkter Zugang zu internationalen Projekten, wie zum Beispiel zum Wiederaufbau der Ukraine. Sie sind auch transparent, offen und mit kalkulierbarem Risiko. Allerdings erfordert die Teilnahme in der Regel eine gewisse Erfahrung im internationalen Projektgeschäft.

Internationale Ausschreibungen von EU und UN eröffnen Unternehmen Möglichkeiten für neue Märkte, Aufträge und Partnerschaften. Über die Portale TED (Tenders Electronic Daily) und dem UN Global Marketplace (UNGM) finden sie passende Projekte, können ihr Know-how global einsetzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit international ausbauen.

Fördermittel für eigeninitiierte Projekte

Zunehmend engagieren sich Unternehmen auch durch selbst initiierte Vorhaben mit Wirkung im Partnerland. Wer daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell mit sozialem oder ökologischem Nutzen entwickelt, kann zum Beispiel im Rahmen eines Social Business tätig werden. Social Businesses können potenziell auf weitere Förderungen zurückgreifen, zum Beispiel bei der KfW.

Auch bei der Umsetzung von Sorgfaltspflichten, zum Beispiel im Rahmen des Lieferkettengesetzes, eröffnen sich Chancen: Qualifizierungsmaßnahmen oder Umweltstandards in Partnerländern lassen sich gezielt mit Förderprogrammen verknüpfen.

Vier Säulen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

  1. Finanzielle Zusammenarbeit (FZ): Vergabe von Zuschüssen, Krediten und Förderungen durch etwa die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der Deutschen Investitionsgesellschaft (DEG)
  2. Technische Zusammenarbeit (TZ): Ausgeführt etwa durch die GIZ, die Projekte koordiniert und Kontakte zu den Partnerländern knüpft
  3. Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen: Etwa durch Kooperation mit Organisationen wie Misereor und Brot für die Welt
  4. Multilaterale Zusammenarbeit: Mit internationalen Organisationen wie die Vereinten Nationen oder der Weltbank

3. Starke Partner finden

Kein nachhaltiges Projekt entsteht im Alleingang. Unternehmen brauchen lokale Partner – sei es eine Nichtregierungsorganisation (NGO) oder ein regionales Unternehmen. Auch die GIZ unterstützt als erfahrene Durchführungsorganisation bei der Umsetzung, vom Aufbau der Lieferkette bis zur Qualifizierung von Arbeitskräften. Zudem bieten die Auslandshandelskammern (AHKs) in vielen Ländern praktische Hilfe bei Marktzugang, Netzwerken und rechtlichen Fragen.

4. Vom Plan zur Praxis

Mit einem klaren Ziel, verlässlichen Partnern und Fördermitteln beginnt die konkrete Planung:

  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Was sind Wirkung und Mehrwert?
  • Welche Risiken gibt es vor Ort?
  • Welche Regularien und Normen sind vor Ort relevant?
  • Wie sieht die Finanzierung aus?

Ein strukturierter Projektplan bildet die Basis für die Antragstellung – bei Bedarf unterstützt Sie die AWE bei jedem Schritt. Einen Überblick über mögliche Förder- und Finanzierungslösungen sowie Inspiration für Projekte erhalten Sie in unserer Förderdatenbank Entwicklungsländer. Zudem ermitteln wir gemeinsam mit Ihnen, welche Förderung als bestes zu Ihnen passt und welche Kriterien Sie erfüllen müssen.

5. Geschäft absichern

Projekte der Entwicklungszusammenarbeit unterliegen besonderen Bedingungen. Im Vergleich zu anderen wirtschaftlichen Expansionsvorhaben können Sie diese besonders absichern. Das BMZ stellt drei Instrumente zu Verfügung:

Exportkreditgarantien

Durchgeführt von der Euler Hermes AG. Schützen bei Exporten in riskante Auslandsmärkte vor Zahlungsausfällen. Dafür kann der Exporteur oder die finanzierende Bank das Risiko in weiten Teilen auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen.

Investitionsgarantien

Durchgeführt von PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC). Helfen, wenn Sie einen Produktionsstandort in einem politisch riskanten Land aufbauen, oder dort Produkte verkaufen wollen. Ihr Vorhaben muss Umwelt- Sozial- und Menschenrechtsstandards einhalten.

Garantien für ungebundene Finanzkredite (UFK)

Durchgeführt von der Euler Hermes AG. Unterstützen Unternehmen, die Rohstoffe aus dem Ausland beziehen. In dem Fall muss Ihr Unternehmen unter anderem „rohstoffwirtschaftlich förderungswürdig“ sein.

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