Das Land
Anvisierter EU-Beitritt sorgt für Schwung
Albanien will hoch hinaus. Der Tourismus-Boom des vergangenen Jahrzehnts soll erst der Anfang gewesen sein und der angestrebte Beitritt in die Europäische Union (EU) treibt die Entwicklung voran. Ein doppelter Trumpf des Balkanstaates ist, dass er sowohl kulturell als auch räumlich nahe an West- und Zentraleuropa liegt. Das kann die Zusammenarbeit im Vergleich zu Projekten in Übersee erleichtern.
Knapp zwei Drittel der 2,8 Millionen Einwohner*innen sind zwischen 15 und 64 Jahren alt und fast alle von ihnen – über 98 Prozent – können lesen und schreiben. Gleichzeitig sind die Englischkenntnisse in der albanischen Bevölkerung im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch. Abgesehen von einem Knick während der Corona-Krise steigt die Lebenserwartung seit Jahrzehnten stetig an und liegt aktuell bei etwa 80 Jahren.
Der Markt
Mehr als nur Tourismus
Albanien befindet sich in einer bemerkenswerten Situation: Das Land strengt sich an, seine Wirtschaft bereit für die EU zu machen. Gleichzeitig birgt es große Potenziale, da sein Markt noch nicht gesättigt ist. Deutsche Unternehmen finden viel Gestaltungsraum vor, besonders wenn sie sich mit lokalen Partnern zusammentun.
Neben einer stetig wachsenden IT-Branche bietet insbesondere der Tourismussektor weiterhin vielfältige Anknüpfungspunkte. Hier werden nachhaltige Modelle immer wichtiger. Ein Vorhaben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH verschränkt diese Bemühungen mit dem Ziel, auch die Landwirtschaft weiterzuentwickeln.
Albanien ist Vorreiter bei den erneuerbaren Energien und deckt fast seinen gesamten Strombedarf aus Wasserkraftwerken. Andere nachhaltige Energieressourcen hat das Land jedoch vernachlässigt. Wenn es im Sommer zu wenig regnet, wird es schwierig. Daher möchte die Regierung die nachhaltige Stromversorgung breiter aufstellen – mit Chancen für entwicklungspolitisch orientierte Unternehmen.
Die Wirtschaft
Wachstumskurs über europäischem Niveau
Albanien hat mit einem Bruttoinlandsprodukt von 28,4 Milliarden Dollar eine der kleineren europäischen Volkswirtschaften. Dafür ist diese umso dynamischer. Zuletzt wuchs sie stabil um drei bis vier Prozent jährlich – ein Trend, der sich laut Prognosen fortsetzen wird und weit über dem EU-Durchschnitt liegt. Dennoch beträgt die Arbeitslosenquote 8,8 Prozent.
Die wichtigsten Sektoren sind Dienstleistungen (48,9 Prozent Anteil am BIP), Industrie (22,4 Prozent) und Landwirtschaft (15,5 Prozent). Dabei sticht der Boom der Tourismusbranche heraus: Zwischen den Jahren 2019 und 2024 verdoppelten sich die Besucherzahlen auf rund zwölf Millionen Ankünfte jährlich. Enge Verbindungen zur EU bestehen durch den Handel. Deutschland ist hier ein besonders wichtiger Partner, da es der viertwichtigste Abnehmer für Exportwaren ist.
Wussten Sie, dass...
- Albaniens Wirtschaft von 2000 bis 2023 um 144 Prozent gewachsen ist?
- Albanien über das größte Ölfeld auf dem europäischen Festland verfügt?
- Albaner*innen ihr Land nicht „Albanien“, sondern „Shqipëri“ nennen, was übersetzt „Land der Adler“ bedeutet?
Die Politik
Albanien orientiert sich nach Westen
Albanien ist eine parlamentarische Demokratie. Seit September 2013 ist Ministerpräsident Edi Rama Regierungschef, der derzeit mit absoluter Mehrheit regiert. Außenpolitisch ist Albanien euro-atlantisch orientiert und seit 2009 Mitglied der NATO. Die EU-Beitrittsverhandlungen wurden 2022 eröffnet.
Als EU-Beitrittskandidat profitiert Albanien von einem freien Zugang zu den EU-Märkten. Hinzu kommt ein Freihandelsabkommen mit sechs weiteren zentraleuropäischen Staaten wie Serbien und Nordmazedonien.
Sorgen bereiten jedoch Korruption und schwache Institutionen. Im internationalen Korruptionsindex von Transparency International rangiert Albanien nur auf Platz 80 von 180 Ländern, auch wenn der Trend nach oben zeigt. Laut Freedom House Index gilt das Land als „teilweise frei“. Der Gini-Koeffizient liegt bei 29,4 (2020), was im globalen Vergleich auf eher moderate Einkommensungleichheit hinweist.
Die Chancen
Viel Potenzial für deutsche Unternehmen
Der EU-Kurs der albanischen Regierung gibt die Richtung vor: Das Balkanland ist dabei, seine vielfältigen Potenziale zu nutzen. Davon können auch deutsche Unternehmen profitieren. Förderung können sie zum Beispiel über develoPPP erhalten. Gleichzeitig unterstützt die AWE Unternehmen dabei, entwicklungspolitisch relevante Projekte in Albanien zu identifizieren und umzusetzen.
Die größten Chancen ergeben sich für Unternehmen in drei Bereichen:
- Dienstleistungen, besonders in IT und Tourismus
- Landwirtschaft
- Energie
Seit 2025 berät zusätzlich der Partners in Transformation Desk Westbalkan zur gesamten Region. Mit dieser Unterstützung können Unternehmen auch landesübergreifende Projekte anpacken.