Das Land
Stärker durch Reformen und Investitionen
Aufgrund des russischen Angriffskrieges befindet sich die Ukraine in einer permanenten Ausnahmesituation. Mithilfe von Reformen will die Regierung erreichen, dass das Land aus seiner schwierigen Lage stärker und moderner hervorgeht. Internationale Investitionen und Fachwissen spielen dabei eine zentrale Rolle, während die gut ausgebildeten Fachkräfte und die vielen natürlichen Ressourcen als Grundlage dienen. Die Ukraine verfügt nicht nur über fruchtbare Böden, sondern gehört auch zu den rohstoffreichsten Ländern Europas. Hier befinden sich neben Erdgas und Kohle auch größere Mengen Eisen, Mangan, Lithium, Grafit und Titan.
Etwa zwei Drittel der knapp 30 Millionen Einwohner*innen sind zwischen 15 und 64 Jahren alt und nahezu alle von ihnen können lesen und schreiben. Zudem ist das Land stark urbanisiert: Sieben von zehn Ukrainer*innen leben in städtischen Gebieten.
Der Markt
IT, Rohstoffe und der Energiesektor bieten große Chancen
Der ukrainische IT-Sektor ist sehr groß und lebt von den vielen gut ausgebildeten Fachkräften. Davon profitiert das im Jahr 2022 gestartete Sonderrechtsregime „Diia.City“. Es bietet internationalen IT- und Technologieunternehmen in der Ukraine günstige Steuern und ein komfortables Arbeitsrecht. Darüber hinaus ermöglicht die „uResidency“ ausländischen Unternehmen, ohne eigene Niederlassung in der Ukraine zu operieren.
Trotz seines Rohstoff-Reichtums ist der Sektor derzeit nur mit vier Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beteiligt. Deutsche Hersteller von Bergbautechnik finden hier interessante Marktchancen, insbesondere bei moderner Ausrüstung und nachhaltigen Technologien. Wachstumspotenziale ergeben sich auch bei den erneuerbaren Energien, da die Regierung deren Anteil am Strommix bis zum Jahr 2030 von ehemals acht (2020) auf 27 Prozent steigern will.
Die Wirtschaft
Wachstum als Widerstand
Die ukrainische Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig: Das BIP wuchs im Jahr 2025 um etwa zwei Prozent, getragen unter anderem von Verteidigungsausgaben sowie von Nahrungsmittel- und Rohstoff-Exporten. 2026 könnte das BIP sogar um 4,6 Prozent steigen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 11,6 Prozent.
Die wichtigsten Sektoren sind Dienstleistungen (60 Prozent Anteil am BIP), Bergbau und Industrie (19 Prozent) sowie die Landwirtschaft (sieben Prozent). Die natürlichen Ressourcen der Ukraine sind strategisch bedeutend für Europas grüne Transformation. Auch deshalb bestehen enge wirtschaftliche Verbindungen zur EU: Das Freihandelsabkommen DCFTA stärkt den Zugang zum Binnenmarkt, während EU-Hilfen zentrale Stützen der ukrainischen Wirtschaft bleiben.
Wussten Sie, dass…
- die Gründer der App-Dienste WhatsApp, Revolut und Grammarly aus der Ukraine stammen?
- die Ukraine der weltweit größte Produzent von Sonnenblumenkernen ist?
- sich acht UNESCO-Welterbestätten in der Ukraine befinden? Ein Beispiel ist die Sophienkathedrale in Kiew.
InfoDesk Ukraine: Informationen und Beratung für Ihr Engagement in der Ukraine
Der Wiederaufbau und die Transformation in einen modernen Industriestaat haben in der Ukraine bereits begonnen. Bis zum Jahr 2032 sollen hierfür 700 Milliarden Euro investiert werden. Die Bundesregierung, die EU und andere Geber fördern Unternehmen, die sich engagieren wollen. Als zentrale Anlaufstelle hilft Ihnen der InfoDesk Ukraine, Ihr Geschäftsvorhaben zu planen und zu verwirklichen.
Zum InfoDesk UkraineDie Politik
Zwischen Kriegsrecht und EU-Anpassung
Die Ukraine steht unter Kriegsrecht, was zum Beispiel Wahlen aussetzt. Die Regierung unter Präsident Selenskyj wurde zwar im Sommer 2025 umgebildet, größere innenpolitische Änderungen dürfte das aber nicht nach sich ziehen. Als Beitrittskandidat passt die Ukraine viele ihrer Gesetze und Regularien zunehmend an EU-Recht an – eine große Herausforderung.
Risiken bestehen aktuell durch Energieengpässe, hohe Inflation (12,6 Prozent) und eine steigende Staatsverschuldung. Der Gini-Koeffizient (25,6) deutet auf gemäßigte Einkommensungleichheit hin. Im Korruptionsindex 2025 erreicht die Ukraine im weltweiten Vergleich nur Rang 104 von 182. Der Freedom House Index bewertet das Land als mit 51 von 100 Punkten als „teilweise frei“, was Fortschritte bei Reformen, aber auch Einschränkungen durch den Krieg widerspiegelt.
Die Chancen
Perspektivmarkt mit abgesichertem Risiko
Die Ukraine bietet als Perspektivmarkt die Chance, bei relativ wenig Konkurrenz Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und fußzufassen.
Der EU-Kurs und Reformwille der Regierung treiben bereits viele Vorhaben voran. Davon können auch deutsche Unternehmen profitieren. Förderung können sie zum Beispiel über develoPPP oder ImpactConnect erhalten. Gleichzeitig unterstützt die AWE Unternehmen dabei, entwicklungspolitisch relevante Projekte in der Ukraine zu identifizieren und umzusetzen. Zahlungsausfallrisiken bei Importen und Exporten können durch die Bundesregierung abgesichert werden.
Die größten Chancen ergeben sich für Unternehmen in diesen fünf Bereichen:
- Energie & Grüne Transformation
- Bauwesen, Infrastruktur & Baustoffe
- IT & Technologie
- Kritische Rohstoffe & Verarbeitung
- Umwelt- und Klimatechnologien


















