Das Unternehmen

Berliner Know-how für die Ukraine
Jeder Mensch hat das Recht auf bezahlbares Wasser in guter Qualität – zum Trinken, Kochen und für die Körperpflege. Das ist das 6. UN-Nachhaltigkeitsziel. Seit 2014 entwickelt die Berliner Boreal Light GmbH unter der Leitung von Dr. Hamed Beheshti solarbetriebene Wasseraufbereitungs- und Entsalzungsanlagen. So gewährleistet es die nachhaltige Trinkwasserversorgung für viele Menschen weltweit. Das Unternehmen betreibt und verkauft die Anlagen in rund 20 Ländern, darunter Kenia, Somalia, Peru und Mexiko. Das südukrainische Mykolajiw war 2023 der erste europäische Abnehmer: Fünf solarbetriebene Systeme sichern dort trotz Krieg die Versorgung von rund 500.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser.
Die Challenge

Sauberes Trinkwasser im Kriegsgebiet
Russische Angriffe haben große Teile der ukrainischen Infrastruktur zerstört – darunter das Stromnetz sowie zahlreiche Wasserleitungen. In vielen Regionen ist Wasser verunreinigt, zugleich fällt die Stromversorgung immer wieder aus. Zusätzlich wurde mit der Sprengung des Kachowka-Damms am Dnipro 2023 eine zentrale Grundlage der Wasserversorgung massiv beschädigt.
Für rund eine halbe Million Einwohner*innen der südukrainischen Stadt Mykolajiw wurde der Mangel an sauberem Trinkwasser zum Problem. Nach der Zerstörung der Leitungen blieb vielerorts nur salziges Meerwasser oder verunreinigtes Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen, das nicht trinkbar war. Zwar können konventionelle Aufbereitungs- und Entsalzungsanlagen daraus sauberes Trinkwasser gewinnen – doch durch häufige Stromausfälle war ein stabiler Betrieb unter Kriegsbedingungen nicht durchgängig gewährleistet.
Der Projektansatz
Trinkwasser durch Solarenergie
Boreal Light entwickelt seit Jahren technische Lösungen für eine autarke Trinkwasserversorgung auf Basis von Solarenergie. Die Systeme sind kostengünstig, einfach zu bedienen und emissionsfrei. In Ostafrika kommen sie bereits in 33 Krankenhäusern zum Einsatz.
In der Ukraine wurde die Technologie an die Bedingungen im Kriegsgebiet angepasst: mit hybridem Betrieb (Solarenergie und Stromnetz), zusätzlichen Heizungen für Minustemperaturen sowie praxisnahen Schulungen für lokale Fachkräfte vor Ort. So entstand ein System, das auch unter extremen Bedingungen zuverlässig funktioniert und täglich sauberes Trinkwasser produziert. Boreal Light trägt damit nicht nur zur Stabilisierung der Trinkwasserversorgung bei, sondern leistet zugleich einen Beitrag zum Wiederaufbau der zerstörten Wasserinfrastruktur und schafft Perspektiven für qualifizierte Beschäftigung vor Ort.
Unterstützt durch Förderprogramm develoPPP
Die DEG Impulse unterstützte das Vorhaben im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten Programms develoPPP mit 3,2 Millionen Euro. Boreal Light investierte einen Betrag in gleicher Höhe. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH übernahm die Organisation des Anlagentransports von Berlin in die Ukraine und unterstützte zusätzlich mit Netzwerken und Kontakten vor Ort.
Die Umsetzung
Ausnahmezustand Krieg
Die Umsetzung im Kriegsgebiet war herausfordernd. Eigentlich war für die Installation ein Zeitraum von zehn Tagen vorgesehen – am Ende dauerte sie drei Monate. Fachpersonal fehlte, weil viele Techniker zum Militär eingezogen wurden. Teilweise mussten ältere Arbeitskräfte einspringen, die nur über begrenzte technische Erfahrung verfügten. Auch Materiallieferungen verzögerten sich immer wieder.
Ursprünglich geplante Schulungen in Berlin mussten ausfallen, da ukrainische Fachkräfte nicht ausreisen durften. Boreal Light reagierte flexibel: Ausbildungsprogramme wurden direkt in Mykolajiw durchgeführt; zusätzlich reiste ein Team aus Berlin an, um die Umsetzung vor Ort zu unterstützen.
Das Ergebnis
- Fünf solarbetriebene Wasserentsalzungsanlagen bereiten rund 125.000 Liter Trinkwasser pro Stunde auf und versorgen in Mykolajiw fast 500.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser.
- Die Anlagen stärken die lokale Resilienz gegenüber Krieg und Krisen und tragen zur Stabilisierung der Ukraine bei – und damit indirekt auch zur Sicherheit Europas.
- Ukrainische Fachkräfte wurden für einen zukunftsträchtigen Sektor qualifiziert.
- Boreal Light konnte mit dem Projekten zeigen, dass die Technologie auch in Europa skalierbar ist.
- Das Unternehmen erweiterte seinen Markt auf Regionen mit hohem Infrastrukturbedarf und positionierte sich als Vorreiter für klimaneutrale Wasserlösungen.
- 92 weitere Städte und Gemeinden in der Ukraine haben Interesse an vergleichbaren Systemen bekundet.
Die wichtigsten Erfahrungen
Das Beispiel Boreal Light zeigt, wie Unternehmen mit innovativen Technologien das Leben in Krisen- und Kriegsgebieten konkret verbessern können – in diesem Fall durch die Anpassung der Entsalzungsanlagen an europäische Winterbedingungen und einen robusten Betrieb trotz instabiler Rahmenbedingungen.
Gleichzeitig wird deutlich: In einem schwierigen, unvorhersehbaren Markt zu bestehen, verlangt Flexibilität, Ausdauer und starke Partnerschaften – insbesondere mit lokalen Behörden und Unternehmen.
Trotz der Herausforderungen ermutigt Dr. Hamed Beheshti andere Unternehmen, auch in der Ukraine zu investieren. Chancen sieht er vor allem in den Bereichen Wasser und Elektrizität.
Die Partner

Boreal Light
Boreal Light entwickelt technische Lösungen für eine autarke Trinkwasserversorgung auf Basis von Solarenergie.
Mehr lesenDeutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Die GIZ übernahm die Organisation des Anlagentransports von Berlin in die Ukraine und unterstützte zusätzlich mit Netzwerken und Kontakten vor Ort.
Mehr lesenDEG Impulse gGmbH
Die DEG Impulse realisierte die fachliche Beratung und Förderung durch das develoPPP-Programm des BMZ mit 3,2 Millionen Euro öffentlichem Beitrag.
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