Die Idee
Neuer Anstrich für die Klimawende
„Cool White“ sind Dachfarben, die besonders viel Sonnenlicht reflektieren und Wärme durch das Infrarot-Transparenzfenster der Erdatmosphäre ableiten. Das senkt die Temperatur im Inneren von Gebäuden deutlich, beispielsweise in Krankenhäusern, Schulen oder Betrieben.
Das effiziente und kostengünstige Verfahren spart Kühlenergie ein und trägt dazu bei, die Ursachen als auch die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. In Kenia, Tansania, Ruanda und Südafrika gibt es bereits Projekte, die „Cool White“ verwenden.
Die Challenge
Brütende Hitze klimafreundlich bändigen
In Städten wie Daressalam (Tansania) klettern die Temperaturen auf Dächern mittags regelmäßig über 60 Grad Celsius. Drinnen staut sich die Hitze – mit Folgen für Gesundheit, Produktivität und Bildung.
Klimaanlagen machen das Leben zwar angenehmer, erzeugen jedoch weltweit zehn Prozent der Treibhausgasemissionen. Zudem heizen die Klimageräte durch die Abwärme den Straßenraum noch weiter auf.
Laut Studien steht zu befürchten, dass die globale Arbeitsproduktivität in Zukunft wegen hoher Temperaturen um 20 Prozent sinkt. Bemühungen um bessere Bildung leiden ebenfalls, wenn schwierige Lernbedingungen zu mehr Schulabbrüchen führen.
Der Projektansatz
Ein einfaches Prinzip
Der Wärmeunterschied zwischen weißer und dunkler Fläche ist deutlich spürbar. Weiße Dächer helfen heißen Ländern – auch in Europa.
Die Umsetzung
Wertschöpfung im Land
Im November 2024 startete in einem Krankenhaus in Daressalam ein Pilotprojekt. Unter Anleitung des deutschen Malermeisters Heiko Herzog beschichteten zuvor ausgebildete lokale Fachkräfte das Dach mit einer weißen Farbe. Die Nutzung regional verfügbarer Materialien sorgt für Wertschöpfung vor Ort. Das südafrikanische Unternehmen Splash war von dem Ansatz so überzeugt, dass es nun eine eigene weiße Dachfarbe produziert. Begleitet wird das Ganze von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), die die Wirkung wissenschaftlich nachweist und so Vertrauen sowie Skalierbarkeit schafft.
Das Ergebnis
- In Ruanda sank die Temperatur unter einem Fabrikdach im Schnitt um 9,2 Grad Celsius, im Innenraum um 2,3 Grad Celsius.
- Im Krankenhaus von Daressalam reduzierte der Anstrich die Oberflächentemperatur des Dachs sogar um fast 20 Grad Celsius.
- Studien deuten darauf hin, dass Photovoltaikanlagen effizienter arbeiten, wenn sie auf weißen, weniger erhitzten Dächern installiert sind – ein direkter Beitrag zur Wirtschaftlichkeit der Energiewende in Deutschland.
- „Cool White“ zeigt, wie Gebäude ohne zusätzlichen Energieverbrauch gekühlt werden können. Eine Lösung, die auch in deutschen Städten gegen Hitzestress wirkt.
Die wichtigsten Erfahrungen
- Die weiße Farbe reduziert die Oberflächentemperatur von zuvor schwarzen, roten, blauen oder grünen Dächern um etwa die Hälfte: von 60 bis 70 Grad Celsius auf unter 30 Grad Celsius. Dadurch sinken die Temperaturen in den Gebäuden.
- Klimaanlagen sind daher in vielen Fällen überflüssig. Für eine Fläche von 100 Quadratmetern lassen sich so Stromkosten von etwa 100 US-Dollar im Monat einsparen. Die Farbe aufzutragen, kostet ungefähr 450 Euro pro 100 Quadratmeter und amortisiert sich entsprechend nach vier bis fünf Monaten.
- Die passive Strahlungskühlung ist kostengünstig und mit geringem Aufwand verbunden. Daher können auch ärmere Menschen von dieser Technik profitieren.
- Die lokal bezogene weiße Farbe reflektiert 90 bis 94 Prozent des Lichts. Damit beschichtete Dächer strahlen bis zu 30 Prozent der Sonneneinstrahlung durch das sogenannte atmosphärische Fenster ins All ab. Das verringert die Erwärmung der Erdatmosphäre.
- Bei niedrigeren Temperaturen können Menschen besser und länger schlafen. Durch Hitze verursachte Gesundheitsprobleme könnten sich also verringern.
Die Partner

Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)
Der BGA unterstützte das Projekt primär durch strategische Beratung.
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Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Die PTB steuerte die erforderliche wissenschaftliche Expertise bei in Form von Messungen u.a. von Temperatur- und Feuchtedaten.
Mehr lesenDeutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
Die GIZ unterstützte die Umsetzung von Pilotprojekten in Partnerländern.
Mehr lesenAgentur für Wirtschaft und Entwicklung
Die AWE unterstützte durch die Einbindung lokaler Akteure und Koordination des interdisziplinären Teams bestehend aus Wirtschaftsvertretern, Handwerk und Wissenschaft.
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