Das Land
Dank Marktwirtschaft zur Boomregion
Noch in den 1980er-Jahren war Vietnam eines der ärmsten Länder der Welt. Mit dem Wandel von der Plan- zu einer Marktwirtschaft und der Öffnung für ausländische Unternehmen im Rahmen des Reformprogramms „Doi Moi“ begann der Aufstieg zu einem dynamischen Schwellenland mit mittleren Einkommen. Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte konnte Vietnam die Armutsquote von 30 auf unter zwei Prozent senken.
Mit rund 100 Millionen Einwohner*innen ist Vietnam das sechzehntgrößte Land der Welt und ein gewichtiger wirtschaftlicher Player in Südostasien. Ähnlich wie Japan und China legt die Gesellschaft dort großen Wert auf Bildung. Eine hohe Alphabetisierungsrate (96 Prozent) und eine relative junge Bevölkerung (Durchschnittsalter 32,9 Jahre) schaffen gute Voraussetzungen für weiteren Aufstieg.
Der Markt
Fokus auf erneuerbare Energien
Seit Mitte der 2010er-Jahre setzt Vietnam gezielt auf Zukunftsbranchen. Herzstück ist der Power Development Plan 8, der Klimaneutralität bis 2050 vorsieht. Dafür baut Vietnam auf Partnerschaften wie die Just Energy Transition Partnership (JETP). Derzeit befindet sich das Land weltweit unter den Top 15 der Staaten, die am meisten Solarenergie produzieren.
Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH setzt Vietnam verstärkt auf Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft. Hier besteht noch Aufholbedarf, denn Müllmengen wachsen rasant. Schlüsselbranchen wie Textil- und Lebensmittelproduktion sollen automatisiert werden, um CO₂ einzusparen.
Die Wirtschaft
Starkes wirtschaftliches Wachstum
Kaum ein Land in Asien ist derzeit so dynamisch wie Vietnam: Mit sieben Prozent Wirtschaftswachstum 2024 liegt es in Südostasien an der Spitze und weltweit in den Top 20. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 476,4 Milliarden US-Dollar befindet sich Vietnam im oberen Mittelfeld (Top 35). Zu den wichtigsten Sektoren zählen das verarbeitende Gewerbe (24,4 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt/BIP), Groß- und Einzelhandel (9,8 Prozent) und die Landwirtschaft (8,9 Prozent). 2024 erwirtschaftete das Land zudem einen leichten Außenhandelsüberschuss von etwa 25 Milliarden US-Dollar. Eine geringe Arbeitslosenquote von 2,24 Prozent bestätigen den positiven Trend.
Über 500 deutsche Firmen sind in Vietnam aktiv, 100 davon produzieren hier, darunter Adidas, Schäffler, Bosch oder Infineon, Deutschlands größter Produzent von Halbleitern.
Wussten Sie, dass…
- Vietnam sich seit den 1980er Jahren von einem der ärmsten Länder der Welt zu einem aufstrebenden Schwellenland mit mittleren Lohnniveau entwickelt hat?
- Deutschland mit einem Handelsvolumen von 21,1 Milliarden US-Dollar Vietnams wichtigster Handelspartner aus der EU ist?
- Vietnam mit insgesamt 3.000 jungen Tech-Unternehmen über eine große Start-up-Landschaft verfügt?
Die Politik
Stabil, aber nicht frei
In Vietnam regiert die Kommunistische Partei (KP) als Einheitspartei. Die KP hat einige ehrgeizige Vorhaben verabschiedet, will zum Beispiel bis 2045 ein „High-Income“-Land werden, also ein Land mit hohem Einkommen nach Weltbank-Kriterien. Mit der EU besteht ein Freihandelsabkommen, das fast uneingeschränkte Zollfreiheit garantiert.
Die Menschenrechtslage in Vietnam gilt hingegen als schlecht. Eine organisierte Opposition gibt es hier ebenso wenig wie freie Wahlen oder eine rechtstaatliche Gewaltenteilung. Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind eingeschränkt. In der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit nimmt das Land jährlich einen der hintersten Plätze ein. Im Corruption-Perceptions-Index von Transparency International liegt das Land auf Platz 81/182 und damit global im Mittelfeld.
Die Chancen
Wichtiger Partner für Deutschland
Vietnam ist heute einer der wichtigsten entwicklungspolitischen Partner Deutschlands. Dementsprechend gut sind die Einstiegsmöglichkeiten für nachhaltiges wirtschaftliches Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit. Die AWE unterstützt als erster Ansprechpartner und mit ihrem breiten Netzwerk nicht nur deutsche, sondern auch vietnamesische kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Der Energiesektor in Vietnam ist von zentraler Bedeutung. Hier müssen deutsche Unternehmen aber mit hohen bürokratischen Hürden rechnen. Zudem wurde die Einspeisevergütung für Energieproduzenten in den letzten Jahren deutlich reduziert. Perspektivisch können Unternehmen vor allem bei Kreislaufwirtschaft, Green Tech und im digitalen Sektor profitieren. Derzeit ebenfalls stark gefragt sind:
- Verarbeitendes Gewerbe, Herstellung: Bisher führten deutsche Unternehmen etwa 130 Foreign Direct Investment-Projekte in diesem im Bereich durch (Stand: 31.05.2025). Das gesamte Investitionsvolumen belief sich bisher insgesamt auf fast zwei Milliarden US-Dollar.
- Elektronik: Deutsche Unternehmen importierten 2024 elektrische Maschinen und Geräte im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar aus Vietnam.
- Start-ups: Mit mehr als 3.000 jungen Tech-Unternehmen, viele davon im Bereich Green Tech, verfügt Vietnam über eine große Start-up-Landschaft. In Europa werden vietnamesische Start-ups von Expert*innen häufig noch als Hochrisikomarkt bewertet. Regionale Investor*innen aus Singapur oder Südkorea hingegen investieren bereits aktiv.
