Das Unternehmen

Straßen direkt vor Ort recyclen
Vor rund 20 Jahren entwickelte Hansjörg Bihl, Gründer der IBS GmbH, das Bindemittel Novocrete. Es ermöglicht, vorhandene Straßensubstanz direkt vor Ort zu recyceln und zu einer stabilen, frostsicheren Fahrbahn zu verarbeiten, ohne aufwendigen Abtrag und weite Materialtransporte. Die IBS GmbH, die Bihl gemeinsam mit seinem Sohn Julian führt, hat bislang mehr als 1.500 Projekte weltweit umgesetzt und dabei knapp 15 Millionen Quadratmeter Straße nachhaltig saniert.
Die Challenge
Ist Straßenbau in Kriegszeiten möglich?
Seit Februar 2022 führt Russland einen groß angelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Lwiw liegt zwar im Westen des Landes, nur rund 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Doch auch hier haben Raketenangriffe Teile der ohnehin belasteten Infrastruktur beschädigt.
Umso dringlicher sind schnelle und praktikable Lösungen für die Sanierung des Straßennetzes. Das Projekt setzt genau hier an: Unter Zuhilfenahme des Bindemittels Novocrete sollen in Lwiw 7.000 Quadratmeter Straßenfläche instandgesetzt werden. Für die IBS GmbH bietet die Unterstützung der Ukraine zugleich ein erhebliches unternehmerisches Potenzial: IBS knüpft Kontakte, erweitert das Portfolio und erhält Zugang zum ukrainischen Markt, der günstige Lösungen für Straßensanierungen dringend benötigt. Daneben kann das Projekt als Blaupause für nachhaltigen Straßen- und Wegebau im ganzen Land dienen: Ukrainische Kommunen sollen langfristig aus eigener Kraft ihre Straßeninfrastruktur schnell, umweltfreundlich und vor allem kostengünstig verbessern können.
Der Projektansatz
Vom Pilotstandort zur Skalierung
Um der ukrainischen Bevölkerung eine bessere Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, waren folgende Schritte vorgesehen:
- Auswahl eines Pilotstandorts und Aufbau der Zusammenarbeit mit lokalen Bauunternehmen und Behörden
- Umsetzung, Begleitung und Räumung der Straßensanierung am Pilotstandort
- Wissenstransfer und Verankerung der Methode (Sanierung mit Bindemitteln) durch standortangepasste Trainings und praxisnahe Leitlinien
Die IBS GmbH bringt dafür langjährige Erfahrung aus Projekten in Asien, Afrika und Südamerika ein. In die Bauaufsicht ist zudem die schweizerische OPiS AG eingebunden. Die Bauarbeiten selbst werden von einem lokalen Unternehmen vor Ort ausgeführt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert das Vorhaben über das Förderprogramm develoPPP.
Die Umsetzung
Know-How-Transfer in Theorie und Praxis
Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) konnte die IBS GmbH die Stadt und den Oblast Lwiw als Partner für den Pilotstandort gewinnen. Die GIZ half außerdem beim Aufbau von Kontakten zu relevanten Akteuren – sowohl in der Bauwirtschaft als auch in den zuständigen öffentlichen Stellen.
Im Oktober 2024 organisierte die GIZ den Besuch einer Delegation aus Lwiw bei IBS. Mit dabei waren Vertreter*innen der Straßenbauverwaltung sowie zwei Hochschulprofessoren. Die Lviv Polytechnic National University ist in den theoretischen Teil der Trainings eingebunden und unterstützt auch bei der Übersetzung eines Leitfadens zur Anwendung von Novocrete.
Der Wissenstransfer fand nicht nur im Seminarraum statt, sondern auch auf der Baustelle. Insgesamt erhielten 35 lokale Fachkräfte – darunter Bauleiter*innen, Kosten- und Projektplaner*innen sowie Bauarbeiter*innen – Trainings zur Straßensanierung mit Bindemitteln. Dazu zählen auch Mitarbeitende eines Labors, die bereits vor Beginn der Arbeiten beispielsweise die Zusammensetzung und Qualität des vorhandenen Straßenmaterials prüfen. Dieser breit angelegte Know-how-Transfer legt das Fundament, künftig weitere umweltfreundliche Sanierungen eigenständig umzusetzen.
Das Ergebnis
- Ukrainische Kommunen erhalten dringend benötigte Hilfe bei der Instandsetzung ihrer Infrastruktur und können Straßen effizient und umweltfreundlich sanieren.
- 35 lokale Fachkräfte wurden qualifiziert und verfügen über neues, direkt anwendbares Praxiswissen.
- Die Zusammenarbeit deutscher und ukrainischer Partner stärkt Deutschlands Profil als Treiber nachhaltiger Infrastrukturlösungen.
Die wichtigsten Erfahrungen
Das Projekt erforderte die Koordination vieler Beteiligter – von Unternehmen, Bezirksverwaltung und Universität über Zollstellen bis hin zur Ausschreibungsgestaltung. Damit liefert das Vorhaben bereits jetzt ein Beispiel, wie nachhaltiger Straßenbau in der Ukraine über öffentlich-private Partnerschaften gelingen kann.
„Wir werden am Anfang noch auf der Baustelle oder im Labor beratend zur Seite stehen“, sagt Julian Bihl. Aus Projekterfahrung weiß er: Ohne konsequenten Know-how-Transfer funktioniert es nicht. „Das Ziel ist aber, dass die ukrainischen Projektverantwortlichen mittelfristig weitere ähnliche Bauvorhaben mittelfristig allein bearbeiten können.“
Die Partner
IBS GmbH
Die IBS GmbH brachte die NovoCrete-Technologie ein, stimmte das Bindemittel auf das vorhandene Straßenmaterial ab und begleitete die Sanierung fachlich.
Mehr lesenOPiS AG
Die OPiS AG bietet NovoCrete als Systemlösung für Bodenstabilisierung an und übernimmt unter anderem Beratung, Projektbegleitung, Schulung, Vermarktung und Ausführung.
Mehr lesendeveloPPP
Das develoPPP-Programm steuerte mit fast 200.000 Euro etwa die Hälfte des Projektbudgets bei.
Mehr lesenDeutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Die GIZ identifizierte Lwiw als Pilotstandort und vermittelte den Kontakt zu relevanten Akteuren vor Ort.
Mehr lesenAgentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE)
Die AWE machte die IBS GmbH bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) auf das develoPPP-Programm aufmerksam.
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